Dienstag, 18. Juni 2024

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Gute Reise!

"Eine Dame lebt in Venedig, / die ist mit achtzig noch ledig. / Sie beklagt sich nicht, / sie lächelt und spricht: / „Vielleicht war das Schicksal mir gnädig.“

Die Limericks, die Sie an dieser Stelle immer lesen, stammen alle von Ole Haldrup. Sein „Buch der Limericks“ (2003), dazu „Lirum, Larum, Limerick“ (2004) und „Das Geheimnis der fünften Zeile" (2007) sind zu beziehen über: Nereus-Verlag, Susanne Happle, Johann-von-Werth-Straße 6, 79100 Freiburg, Telefon 0761-403802, nereus-verlag @gmx.de. (gk)

Nach Bressanone

Brixen (I): Die Region / Serie startet / Von Bozen ins Eisacktal / Mit Seat durch Südtirol

Von Günther Koch/Life-Magazin

Zur Sommer- statt zur Winterzeit: Brixen im Eisacktal. Fotos: Koch/Brixen-Tourismus

Bozen/Brixen – Alles in Ordnung! Das Wetter im Tal teilweise sogar mit Sonnenschein und zumindest für die Jahreszeit nicht ganz so unangenehmen Temperaturen. Der kurze Flug von München über die Alpen, bei dem es bei klarer Sicht immer wieder ein Erlebnis ist, wenn die Maschine schließlich zwischen zwei vergleichsweise nah beieinander liegenden Hügelketten zur Landung auf dem kleinen norditalienischen Regionalflughafen ansetzt. Wir sind in Bozen. Es ist Ende Januar. Und Seat lässt seinen neuen Tarraco zeigen, was das große SUV-Modell nicht nur auf der Straße und im normalen Gelände, sondern auch in extremeren winterlichen Gefilden dank bedarfsgerecht gesteuertem Allrad so alles kann.

Auf dem Flughafen von Bozen. Statt Autostrada fahren wir über Land in Richtung Ritten.

Nach Klobenstein

Das passt! Ab einer Höhe von 1000 Metern liegt ganz schön viel Schnee für unsere automobile Schnee-Erfahrung mit kontrollierten Auf- und Abfahrübungen am Berg und mit abschließendem Gipfelsturm. Doch statt über die Brenner-Autobahn auf schnellstem Weg nordöstlich zu unserem gut 40 Kilometer entfernten Zielort Brixen im Eisacktal zu fahren, nehmen wir die Überlandroute zunächst an Karneid vorbei, wo mit der gleichnamigen Burg zweifellos einer der schönsten Wehrbauten im Land über der Gemeinde thront. Kurvenreich geht es über das 900 Meter hoch gelegene Unterinn weiter nach Klobenstein. Der Hauptort von Ritten breitet sich in über 1150 Metern auf einer mit Föhren und Lärchen bestandenen Hochebene aus, auf der man gut wandern kann, etwa zu den markanten Erdpyramiden, zur kleinen Wallfahrtskirche Maria Saal und zum alten Siesser Heilbad hinauf, dessen Quelle bei Rheuma nicht nur Haflinger wieder beweglich machen soll.

Im Tal ist es noch schneefrei. Unterwegs finden sich schmucke Steinhäuser mit roten Fensterläden.

Wie Freud und Kafka

Vielleicht hat auch Siegmund Freud, einst Gast im Hotel Post, einmal für genau diese Strecke die Schuhe geschnürt! Denn über den Begründer der Psychoanalyse erzählt man sich im Ort, er habe zu den Sommerfrischlern gehört, die Anfang des 20. Jahrhunderts nach dem Bau der Zahnradbahn von Bozen aus hoch nach Klobenstein gekommen sind. Franz Kafka jedenfalls, der Dichter, hat im Juni 1920 von Meran aus nachweislich einen Ausflug auf den Ritten unternommen, um, wie er es später selber formulierte, „reine, fast kalte Luft nahe gegenüber der ersten Dolomitenketten“ zu atmen.

Auch Burgen und Schlösser prägen Südtirol. Es geht zunächst über Unterinn nach Klobenstein.

Hoch zum Rittner Horn

Zwischen Zach und Pemmern erreichen wir die Talstation, von der aus die Tarracos ohne Probleme im Konvoi auch die letzten sechs Kilometer zum 2260 Meter hohen Rittner Horn in Angriff nehmen. Das Wetter ändert sich. Im Tal ist es trocken, keine Spur von Schnee. Doch je höher wir kommen, desto tiefer schneien wir ein. Wäre die Sicht jetzt besser, das Wolkenband nicht so dicht und düster-grau, würden die Flocken nicht ständig weiter fallen, könnten wir über die Dolomiten wohl bis zum Großglockner in Österreich sehen. Gut, dass im Unterhorn-Haus auf 2044 Metern Höhe gerade Zeit für eine Brettljause ist! Mit Schlutzkrapfen-Tris mit Spinat, Steinpilzen und Ricotta. Mit Rote-Beete-Rohnenknödel auf Gorgonzola-Lauch-Sauce. Mit Rehragout, Spätzle, Blaukraut und Preiselbeeren. Mit Speck und geräuchertem Rindfleisch vom Metzger aus Oberbozen. Mit Kaminwurz vom Schwein und Rind aus eigener Zucht. Mit Ziegenkäse aus dem Passeiertal. Und, natürlich, mit Kaiserschmarrn und Zwetschgenmarmelade, wenn man den tatsächlich noch schafft ...

Der Glaube scheint noch fest verankert zu sein. Brettljause im Unterhorn-Haus am Rittner Horn.

Über Barbian und Klausen

Rückblick. Erst im vorigen Spätsommer, gegen Ende September, haben wir uns schon einmal, ohne die Brenner-Autobahn zu nutzen, östlich von ihr von Bozen nach Brixen aufgemacht. Landschaftlich und fahrerisch nicht weniger reizvoll sind wir damals zur Zeit der Obsternte kurz vor der Weinlese jeweils zu Füßen von Rosengarten, Schlern-, Geisler- und Peitlerkofelgruppe mit Abstechern zur Seiser Alm, nach Sankt Ulrich, Wolkenstein und Villnoß über Kastelruth nach Bressanone gefahren, wie Brixen auf Italienisch heißt. Diesmal führt uns die westliche Variante über Barbian, dessen schiefer Kirchturm bei einer Höhe von 37 Metern an der Spitze tatsächlich fast 1,6 Meter aus dem Lot gekommen sein soll. Von Klausen aus, bekannt durch das Säbener Benediktinerinnen-Stift, das kastellartige Schloss Summersberg oder das Viadukt der Grödner-Bahn, ist es nicht mehr weit bis Brixen, wo wir uns oben im My Arbor einquartieren in Sankt Andrä am Hang des Hausbergs Plose mit herrlichem Blick hinunter ins Tal, durch das der Eisack fließt, Südtirols zweitgrößter Fluss, der in fast 2000 Metern am Brenner entspringt und nach etwa 100 Kilometern südlich von Bozen in die 415 Kilometer lange Etsch mündet.

Wegweisung in tief verschneiten über 2000 Metern Höhe. Seat-SUV Tarraco bei der Snow Experience.

Beim Wilden Mann

Brixen, 22 000 Einwohner, nach Bozen und Meran drittgrößte Stadt in Südtirol, 45 Kilometer südlich vom Brenner in einer weiten Talmulde am Zusammenfluss von Eisack und Rienz gelegen, gilt als eine der ältesten Städte in der Region, ist urkundlich erstmals sicher 901 erwähnt. Der Dom dominiert die Altstadt. Es gibt noch verschiedene andere Kirchen und Klöster. Die Hofburg war früher Bischofssitz. In Stufels, dem ältesten Stadtteil, sind die meisten Häuser denkmalgeschützt. Burgfrieden heißt der, der sich über die gesamte westliche Hangseite erstreckt, Kranebitt der östlich der Eisack, wo die Sonne und das milde Klima Weingärten blühen lassen. Wer in Brixen neben dem brix 0.1 inmitten des Lidoparks, wo Küchenrebell Roland Trettl auf Sterne-Niveau sein eigenes Süppchen kocht, vielleicht noch nach einer nicht-kulinarischen Besonderheit sucht, sollte sich im historischen Zentrum an der Kreuzung Säbener Torgasse, Kleine Laubengasse und Große Laubengasse einmal die Fassade des Gasthauses Schwarzer Adler anschauen. Der wilde „Dreikopferte Mann“, der da zu sehen ist, spuckt der Sage nach an Karfreitag, wenn es 12 Uhr läutet, Geldstücke aus. Mit allen drei Köpfen! Am 19. April dürfte es demnach dieses Jahr dann wieder soweit sein ...

Alles (fast) ganz in Weiß. Aufschrift über der Tür einer Holzhütte am 2260 Meter hohen Rittner Horn.

Mit Latsche und Zirbe

Was sie Gästen empfehlen würde, die länger bleiben, um im Haus und außerhalb Region, Kulinarik und Wohlgefühl kennenzulernen? Sara Dejakum vom My Arbor schlägt vor: Anreisetag Polar-Lichter-Aufguss in der Wood-Sauna des Arboris-Spa, abends Fünfgang-Wahlmenü im Hotelrestaurant. Erster Tag vormittags mit der BrixenCard Wanderung auf der Plose zur Rossalm, nachmittags Entspannung bei einem speziellen Baumritual mit Fichte, Latsche, Lärche und Zirbe. Zweiter Tag vormittags theatralische Erlebnisführung in Brixen, nachmittags Weinverkostung im Kloster Neustift, abends Essen im Zentrum; das Grissino-Restaurant dort gehört zum Hotel. Dritter Tag Wellness mit Pilates, Yoga, Sauna und Behandlungen. Am Abreisetag Shopping in Brixen. Wofür uns die Zeit leider fehlt. Wir müssen schon am zweiten Tag wieder zum Flughafen. Auf halber Strecke die Nachricht, dass der Charter wegen des Wetters und der eingeschränkten Sicht diesmal nicht von Bozen zurück nach München fliegen kann. Was für uns bedeutet, auf der Brenner-Autobahn statt weiter gen Süden nach Norden nach Innsbruck zu fahren. Die Zeit dürfte reichen. Alles in Ordnung!

Diese verschneiten Liegenstühle stehen vor dem Unterhorn-Haus. Drinnen gibt‘s Süßes zum Nachtisch.

Info Südtirol I

Italiens nördlichste Provinz, auch Alto Adige genannt, bildet mit Trient eine autonome Region, die über eine halbe Million Einwohner zählt. Hauptstadt ist Bozen. Lange gehörte die Gegend an der Südseite der Alpen zur Habsburger Monarchie. Die Mehrheit spricht Deutsch, gut ein Viertel hat Italienisch als Muttersprache, in den Dolomiten wird teilweise noch Ladinisch gesprochen. Weitere größere Städte und Gemeinden sind neben Bozen noch Meran, Brixen, Leifers, Bruneck, Eppan, Lana, Kaltern, Ritten und Sarntal. Höchster Berg ist mit 3905 Metern der Ortler in den Dolomiten. Die drei Haupttäler sind Etsch-, Eisack- und Pustertal. Hinzu kommen Sulden-, Schnals-, Ulten-, Passeier-, Ridnaun-, Sarn-, Pfitsch-, Grödner-, Gader-, Ahrn- und Antholztal. Bedeutendster Fluss ist die am Reschen entspringende Etsch. Es herrscht relativ mildes Kontinentalklima, wobei es in hohen Lagen auch alpin zugeht. Aufgrund seiner inneralpinen, durch Gebirgsketten abgeschirmten Lage ist Südtirol vor nördlichen Kälteströmungen und Feuchtluftmassen aus dem Mittelmeerraum jedoch einigermaßen geschützt, was zum Beispiel auch den Weinbau begünstigt, der wie der Tourismus einer der wichtigen Wirtschaftsfaktoren ist.

Klobenstein ist ebenfalls Zentrum für Eis(schnell)läufer. Auf dem Weg hinunter ins Eisacktal.

Info Südtirol II

Wir waren in Sankt Andrä im My Arbor (Vier-Sterne-Superior-Niveau, 104 Zimmer/Suiten, Baumhotel, alpenländisch-behaglich eingerichtet, rund 1000 Metern hoch über Brixen, www.my-arbor.com) untergebracht. Neben der My-Arbor-Restauration, darunter das Grissino in Brixen mit südtiroler, italienischer und asiatischer Küche, können wir ebenfalls in Brixen das brix 0.1 (Restaurant, Café, Gastro-Pub, hochwertige Zutaten, Gemüse aus dem eigenen Garten, Frisches vom Berg und aus dem Meer, www. brix01.com) empfehlen und für einen Ausflug ins eher Urige das Unterhorn-Haus am Rittner Horn (Jausenstation mit Übernachtungsmöglichkeit, Ski- und Wandergebiet, Panoramablick auf die Dolomiten, www.unterhorn.it). Die Landesküche, etwa Merende-Brotzeit, Ravioli-ähnliche Schlutzkrapfen oder Speck, gilt als eher bodenständig-bäuerlich mit italienischen und österreichischen Einflüssen. Bekanntere Südtiroler Weine sind weiße Eisacktaler Riesling und Sylvaner, Gewürztraminer, Terlaner, Vinschgauer Riesling und Weißburgunder sowie rote Blauburgunder, Kalterersee , Lagreiner und Sankt Magdalener Tropfen. Information: Tourismusverein Brixen, Regensburger Alee 9, I-39042 Brixen/Bressanone, Südtirol/Alto Adige, Italien, Telefon +39-(0)-472-275252, holiday.brixen.org. Italienische Zentrale für Tourismus Enit, Barckhausstraße 10, 60325 Frankfurt/Main, Telefon 069-237434, www.enit.de.

Kunst in der Lobby des Baumhotels My Arbor in Sankt Andrä. Jetzt liegt auch im Tal bei Brixen Schnee.

Service Auto

Wer mit dem Wagen anreisen will: Per Auto empfiehlt sich die Brenner-Autobahn A22, auf der es in der Regel am schnellsten Richtung Süden geht. Von München, von wo aus täglich auch Züge in knapp dreieinhalb Stunden direkt nach Brixen verkehren, sind es über Garmisch-Partenkirchen, Mittenwald und Innsbruck noch knapp 225 Kilometer bis dorthin. Wenn Sie die beschriebenen Routen nachfahren wollen: Für die knapp 30 Kilometer vom Flughafen Bozen bis zur Talstation Rittner Horn sollten sie 45, für die 50 Kilometer weiter nach Brixen 50 Minuten einplanen. Die 50 Kilometer vom Flughafen Bozen bis Brixen müssten in 45 Minuten zu schaffen sein. In der zu Italien gehörenden Region ist in Orten 50, außerhalb 90, auf Schnellstraßen 110, auf Autobahnen Tempo 130 erlaubt. Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Achtung, es gibt mautpflichtige Straßen! Bozen verfügt über einen Bahnhof, hat einen kleineren (Charter-)Flughafen, die beiden nächstgrößeren sind Innsbruck oder Verona. Die Reise in Südtirol fand im neuen Seat Tarraco statt, der zu Einstiegspreisen ab 29 980 Euro als Turbobenziner und Turbodiesel jeweils mit 150 und 190 PS mit und ohne Allrad bei den Händlern steht.

Auf dem Brixener Hausberg Plose. Der Domkreuzgang in der Stadt ist für seine Fresken bekannt.

Neue Artikelfolge

Mit diesem Beitrag startet eine neue Artikelfolge über Brixen und Südtirol, in der wir noch über den Tourismus und über Küche und Keller in der Region berichten. Lesen Sie auch: Überall Gipfel: Brixen (II) - Ein Tag auf der Piste / Beim Hausberg Plose handelt es sich um ein eher familiäres Skigebiet Mehr My Arbor, Südtirol: Vier-Sterne-Superior-Haus hat sich als Baumhotel positioniert Mehr

KoCom/Fotos: Günther Koch/Brixen-Tourismus/Leonhard Angerer/Kottersteger/Airpicture

28. Februar 2019