Mit italienischer Unterstützung: Logenplatz der Ruhe, Muße und Entschleunigung an der Mittelmosel
Von Günther Koch

Das Weingut Longen-Schlöder bietet Übernachtungen in kleinen Schieferhäuschen an. Fotos: Günther Koch
Von Günther Koch
Longuich – Ehrlich gesagt: Ja, diesmal sind es die kleinen Winzerhäuschen von Sabine und Markus Longen gewesen, die uns veranlasst haben, ein paar Tage an der Mosel zu verbringen. Mit den Häuschen und dem WeinKulturgut Longen-Schlöder in Longuich an der Mittelmosel setzen wir in loser Folge unsere Standardvorstellungen ausgewählter nationaler und internationaler Hotels, Land- und Gästehäuser sowie neuer Möglichkeiten der Unterbringung fort, begleitend diesmal nach und nach zu einer Serie, Titel „La Moselle“ (französisch für Mosel), über den Fluss, den Wein, die Römer und Longuich.

Hier führt der Weg zu den Winzerhäuschen 7-10.
Hotel & Lage
Bei Longen-Schlöder handelt es sich um ein Vier-Sterne-Familienweingut mit besonderem Hotelkonzept, eben den Winzerhäuschen, gastronomisch verbunden mit Vineria/Vinothek und Weinterrasse. Neben Tagungen richtet es regelmäßig Kunstausstellungen, kulinarische Weinproben und Veranstaltungen rund ums Thema Wein – etwa Wein & Literatur, Wein & Mode, Wein & Musik – aus. Alles zusammen findet sich recht idyllisch in relativ ruhiger Lage inmitten von Streuobstwiesen, von wo aus man gut hinüber auf die andere Seite des Flusses und, typisch für die Mosel, auf berühmte Weinberg-Steillagen wie „Herrenberg“ oder „Maximiner“ schauen kann.

Schlafzimmer und Bad/Dusche – das müsste reichen.
Unterbringung & Flair
Die Entwürfe der Winzerhäuschen stammen vom Mailänder Architekten Matteo Thun. Die Häuschen sind aus heimischen Materialien wie Schiefer und Eichenholz gebaut. Das Gestalterische zeichnet sich durch klare Grundrissgestaltung und Formensprache sowie warme Farbtöne mit roten Akzenten aus, kombiniert mit weichen und natürlichen Stoffen. Jedes Häuschen – die ersten 2012 bezugsfertig, zunächst 14, inzwischen 20, darunter 6 Einheiten im Block, einige mit Verbindungstür für Familien, Wohnfläche 20 bis 25 Quadratmeter – verfügt über Privateingang, Bad, Terrasse sowie einen kleinen Obst-, Bauern- oder Rosengarten. geplant vom Architekten als „Logenplatz voller Ruhe, Muße und Entschleunigung inmitten der Natur“. Was es bei Longen-Schlöder ausdrücklich nicht gibt („Und auch keiner vermisst“), sind: TV („Stattdessen herrlicher Blick in die grandiose Weinkulturlandschaft“). Fünf-Sterne-Gault-Millaut-Empfehlungen („Die Sterne stehen am Himmel“). Und: Wellnesswahn („Stattdessen mit dem Rad fahren, wandern, lesen, frische Luft schnappen und schlafen“).

Kleiner Garten mit farbenfrohen Sitzgelegenheiten.
Küche & Keller
Zu den traditionell bodenständigen, eher herzhaft-deftigeren Gerichten regionaler Hausmannskost gehören etwa das Stampfgericht Kappes Teerdich, der Kartoffelauflauf Dippelappes/Schales, eingelegtes Tresterfleisch oder mit Rieslingsoße verfeinerter Moselfisch – Zander, Forelle – direkt aus dem Fluss. Dazu würden, natürlich, heimischer Riesling oder herber Viez-Apfelwein mit am besten passen. Den Longens geht es dabei um „gesunde ehrliche Küche mit frischen saisonalen Gerichten“, und zwar nach dem Slow-Food-Ansatz „Sanitas per escam“ („Gesund durch Ernährung“). Das Weingut selbst bewirtschaftet Rebland auf insgesamt fünfeinhalb Hektar, setzt auf harmonisch trockene Weine wie die aus den Reben der Steillagen an der Mittelmosel sowie moderne Tropfen vom Weißen Burgunder über Chardonnay, Sauvignon Blanc, Blauer Spätburgunder, Cabernet Sauvignon und Domina bis Merlot. Zitat der Gastgeber in der Speise- und Weinkarte: „Auf das Leben!“

Die Trauben wachsen bei den Winzerhäuschen förmlich um die Ecke.
Wohlgefühl & Aktivitäten
Wir haben – auch ohne Wellness und Spa – an vier Tagen unter anderem kleinere Weinorte wie Longuich erkundet, uns in der römischen (Bade-)Villa Urbana umgeschaut, die in Teilen an der Römischen Weinstraße in Longuich ausgegraben und rekonstruiert worden ist, sind mit dem Bus nach Trier in Deutschlands älteste Stadt gefahren, auf dem Zuweg zum Moselsteig gewandert und haben uns in Lagen gewagt, deren Hangneigungen oft über 30, sogar bis zu 60 Prozent und mehr betragen. Savoir-Vivre-Ausflüge in die Umgebung bieten sich ins Saarland, nach Luxemburg oder nach Frankreich an. Für Wohnmobilisten sind eigene Stellplätze da.

Zu den verwendeten Materialien gehört heimischer Schiefer.
Preise & Anreise
Ihre Winzerhäuschen und Wohneinheiten bieten Sabine und Markus Longen in drei Kategorien noch bis Dezember für die Saison 2026 zu Einzel-/Doppelzimmerpreisen jeweils mit Frühstück ab 105/155 über 130/190 bis 135/210 Euro an. Wir haben für vier Übernachtungen für zwei Personen samt Frühstück und Frühstücksgetränken 760 Euro bezahlt. Mit dem Auto reist man je nach Richtung am besten über Koblenz oder Mainz an. Koblenz, Mainz und Trier sind Bahnknoten. Als nächstgelegene Flughäfen kommen Luxemburg/Finthen (35 Kilometer), Frankfurt/Hahn (50 Kilometer), Köln/Bonn (130 Kilometer) und Frankfurt/Main (160 Kilometer) infrage.

Gemächlich fließt die Mosel bei Longuich-Kirsch dahin.
Information
WeinKulturgut Longen-Schlöder, Kirchenweg 9, 54340 Longuich-Kirsch, Telefon: 0049(0)6502-8345, E-Mail: info@longen-schloeder.de, Internet: www.longen-schloeder.de.
KoCom/Fotos: Günther Koch
13. September 2026

