Röhrl/Geistdörfer arbeiten seit 1977 als Rallye-Team zusammen / Nach aktiver Zeit jetzt für Oldtimer
Von Günther Koch/Rainer Waldinger

Klasse Klassik: Das Porsche 356 Reutter Coupé stammt aus dem Jahr 1956. Fotos: Rainer Waldinger
Amöneburg – Eine Fotocollage. Darauf zu lesen: Porsche. 718 Cayman Typ 982. Malmö 07/2016. Links daneben der Cayman im himmlischen Blau. Etwa in der Mitte der Collage ein Namensschriftzug. Jahre später erinnert sich unser Fotograf noch immer daran. Bei der AvD-Röhrl-Klassik beim Zwischenstopp in der mittelhessischen Kleinstadt Amöneburg bei Marburg.

Christian Geistdörfer (links) und Walter Röhrl mit einem der Organisatoren.
Walter Röhrl zusammen …
Walter Röhrl also. 1947 in Regensburg geboren. Zweifacher Rallye-Weltmeister. 1980 mit Fiat. 1982 mit Opel. Dazu die Rallye-Monte-Carlo-Erfolge. Viermal Sieger auf vier verschiedenen Marken. 1980 mit Fiat. 1982 mit Opel. 1983 mit Lancia. 1984 mit Audi. Dann, als weiterer Meilenstein, 1987 der Sieg beim Pikes-Peak-Bergrennen im US-amerikanischen Bundesstaat Colorado im 600-PS-Audi Sport Quattro S1. Seine Rolle heute füllt Röhrl seit Jahren als Markenbotschafter und Testfahrer für Porsche aus. Deshalb auch sitzt er im Porsche 911 RSR, Baujahr 1981, als er auf den Marktplatz der etwa 5000 Einwohner zählenden „Stadt auf dem Berg“, in Amöneburg, einbiegt.

Startnummer 1 mit Geistdörfer/Röhrl und dem Porsche 911 RSR, Baujahr 1981.
… mit Christian Geistdörfer
Zusammen mit Christian Geistdörfer. 1953 in München geboren. Von 1975 bis 1990 im Rallyesport aktiv. Ab 1977 elf Jahre lang Röhrls Co-Pilot. Gemeinsam mit ihm zweimal Weltmeister. 13 Rallyes gewonnen, darunter eben auch viermal die Monte. Bemerkenswert dabei technisch und was das Fahren betrifft: Röhrl/Geistdörfer haben die Monte-Siege nicht nur mit vier verschiedenen Fabrikaten errungen, sondern ebenfalls mit gleich drei unterschiedlichen Antriebskonzepten, nämlich konventioneller Antrieb über die Hinterräder mit Fiat und mit Opel, Mittelmotor und Hinterradantrieb mit Lancia sowie Allrad mit Audi. 1990 hat Geistdörfer dann seine Karriere als selbstständiger Unternehmer im Automobilbereich und im Sportmanagement begonnen, hat als einer der ersten die so wichtigen Fahrsicherheitstrainings in Deutschland angeboten.

Porsche 356, Baujahr 1960, der Autobahnpolizei Düsseldorf.
Inzwischen fünfte Auflage
Zurück auf dem Marktplatz in Amöneburg. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der in fünfter Auflage durchgeführten Röhrl-Klassik treffen nach und nach ein. Das Publikum klatscht. Männer wie Frauen machen Aufnahmen mit ihren Kameras und Smartphones. Kinder, vor allem Jungs, scheinen – wie unser Mitarbeiter damals schon – auf Autogramme zu hoffen. Nicht leicht beim immer dichter werdenden Gedränge um die prominenten Protagonisten herum.

Experten unter sich: Gerade bei den Oldtimern kommt es auf Fachkunde an.
Fragen im Minutentakt
Im Minutentakt lassen sich Röhrl/Geistdörfer fotografieren, schreiben Autogramme, beantworten Fragen. Der Tross zieht weiter. Jemand würde abseits von PS, Drehmoment und Höchstgeschwindigkeit gern wissen, wie eigentlich in der aktiven Zeit das persönliche Verhältnis zwischen beiden im Cockpit gewesen ist. Ob es Differenzen gegeben hat. Und ob es über die Jahre hinweg nicht doch was ausgemacht hat, fast immer „nur“, wenn auch mit wichtigsten Aufgaben betraut, der Co-Pilot gewesen zu sein … Fest steht: Bei den vielen Rallyes in ihrer Zeit haben Röhrl/Geistdörfer überaus erfolgreich zusammen harmoniert. Die Siege zeigen es – und der Andrang in Amöneburg zeigt’s auch. Die persönlichen Antworten auf die persönlichen Fragen müssen derweil wohl warten. Vielleicht bis zum nächsten Mal. Oben auf dem Berg.

Rollende Kunst: Schön bunt kommt dieser klassische 911 daher.
Ab dem Hochsauerland
Der Start der Rallye ist am Tag zuvor in Schmallenberg im Sauerland erfolgt. Dort war auch die Abschlussgala vorgesehen. Über 170 historische Fahrzeuge sind auf die Strecke gegangen. Das Programm hat vorgegeben, dass bei der Gesamttour alles in allem rund 750 Kilometer zurückzulegen und 23 Prüfungen zu absolvieren sind. 18 Durchfahrorte standen allein in Marburg-Biedenkopf an.

Ein weiterer (Polizei-)Porsche, diesmal jedoch statt eines 911 ein 914, Baujahr 1973.
Als Gallionsfiguren
Als Namenspatron und Gallionsfiguren der an drei Tagen über sechs Etappen vom Sauerland durch Wittgenstein, Marburg-Biedenkopf und wieder zurück nach Schmallenberg führenden Rallye sind Röhrl/Geistdörfer mit der Startnummer 1 ganz vorn unterwegs, aber doch ohne Wertung außer Konkurrenz. Statt auf Bestzeiten zu achten, hieß es, habe der Kontakt zu den Fans im Vordergrund gestanden. In der Gesamtwertung sind am Ende Steffen Roehn/Marc Hilbrat im klassischen911 auf Platz eins gefahren. In der Mannschaftswertung ist es das aus insgesamt fünf Duos bestehende Team Fabulous Table 19 im 964 4C, 911 Targa S, 911 SC 3.0 Coupé, 964 Targa Carrera 2 und 911 S Coupé gewesen. Die Zuschauenden an der Strecke hat Organisator Peter Göbel als „das Beste“ bezeichnet, „was wir je hatten“.

Bei der Autogrammstunde in Amöneburg hatten Röhrl/Geistdörfer allerhand zu tun.
Mit Knickscheibe
Übrigens: Wissen Sie, was ein Porsche 356 Knickscheibe ist, wie er auch bei Porsche-Oldtimerrallyes natürlich immer wieder mitfährt? Zur Erklärung: Der 356 ist Porsches erstes Serienmodell. Die Typbezeichnung für den Sportwagen weist auf die laufende Nummer dieser Porsche-Konstruktion hin. Knickscheibe bezeichnet die zweigeteilte oder in der Mitte leicht angewinkelte Frontscheibe der frühen 356er. Bei späteren Modellen dieses Typs hat die Frontscheibe aus zwei flachen Glasscheiben bestanden, die in der Mitte durch einen Mittelsteg in stumpfen Winkel zueinander angeordnet gewesen sind. Danach ist die geteilte Knick- durch eine durchgehende Frontscheibe nur noch mit leichtem Knick in der Mitte ersetzt worden, ehe eine völlig gebogene Panoramascheibe Einzug gehalten hat.

Der Porsche Carrera RS macht sportwagentypisch in Sachen Leistung und Optik was her.
Extrem selten
Und der Status heute? Im Internet heißt es: „Fahrzeuge mit originaler Knickscheibe sind extrem se lten, sehr gefragt und gehören zu den wertvollsten Sammlerstücken der Baureihe“ … Was zudem aus dem 718 Cayman Typ 982 geworden ist? Von 2016 bis 2025 hat Porsche den Mittelmotor-Sportwagen gebaut und dann eingestellt. Technisch hat er auf derselben Plattform wie der 718 Boxster Typ 982 basiert.
KoCom/Fotos: Rainer Waldinger
4. September 2026

