Sonntag, 31. August 2025

FB Logo für GK 1

Blinklicht

"999"

Tempolimit-Anzeige in einem Kleinwagen bei unserem "Auto im Alltag"-Test. (gk)

"Soll ich Sie mal zusammen mit dem Auto fotografieren?"

Netter Passant, der gesehen hat, dass wir Aufnahmen von einem sportlichen Testwagen gemacht haben. (gk)

"Geh' Ford"

Abgewandelter "Geh' fort"-Fernsehspruch von Heinz Becker/Gerd Dudenhöffer. (gk)

Der Openair-Italiener

Fiat baut Modellpalette weiter aus / Jetzt neuer Spider 124 / Roadster-Plattform ist die von Mazdas MX-5

Von Günther Koch/Life-Magazin

Fiats neuer 124 Spider teilt sich die Plattform mit Mazdas MX-5. Foto: Koch

Eltville – Da hat Fiat offenbar was voraus! Während andere Hersteller mit Blick auf ihre vergangene oder gegenwärtige Autopalette, wenn überhaupt, auf wenigstens eine Ikone verweisen können, sind es bei den Italienern aus deren eigener Sicht gleich zwei, nämlich der knutschig-kleine 500er – und der von 1966 bis 1985 gebaute 124 Spider. Dessen Neuauflage steht jetzt zu Einstiegspreisen ab 23 990 Euro bei den Händlern. Er teilt sich die Plattform mit dem im vergangenen Jahr bereits in aktueller Auflage gestarteten Mazdas MX-5, selbst eine Ikone.

In Japan produziert

Giorgio Vinciguerra spricht nur von „diesem japanischen Auto“. Dabei läuft auch der 124 Spider in Japan vom Band, freilich mit italienischen Akzenten vom Kühlergrill mit Wabenstruktur über Auswölbungen auf der Motorhaube bis hin zu den Rückleuchten, die an das historische Vorbild erinnern. Der Nachfolger soll das Fiat-Image „positiv beeinflussen“, sagt der für die Marke in Deutschland verantwortliche Sizilianer jetzt bei der nationalen Fahrvorstellung in Eltville im Rheingau, er soll die „Herzen neuer Kunden“ gewinnen und das Segment erobern, in dem er unterwegs ist zusammen mit - allerdings leistungsstärkeren und teureren - Konkurrenten wie Audi TT, BMW Z4 oder Mercedes SLK.

Mit leicht bedienbarem Stoffverdeck

Schwer dürfte das alles dem Openair-Italiener mit dem kinderleicht von Hand zu öffnenden und schließenden Stoffverdeck nicht fallen – bei dem Look und dem Preis! Der Zweisitzer kommt auf 4,05 Metern Länge solide verarbeitet daher, mutet im Vergleich zum MX-5, was die Qualität betrifft, standesgemäß an. Das Platzgefühl ist keineswegs so wie in einer Sardinenbüchse. Trotz 2,31 Meter Radstand muss dennoch fast alles, was mitgenommen werden soll, im Kofferraum verstaut werden. Der ist mit 140 Litern immerhin selbst bei geöffnetem Dach noch so groß, dass er wenigstens für das Gepäck zum Wochenendausflug zu zweit reicht. Ein klassisches Handschuhfach gibt es nicht; verschiedene Stauflächen etwa im Rückbereich oder zwischen den Sitzen ersetzen es.

Nur zwei Ausstattungen, sonst Pakete

Weil es im Cockpit nicht allzu viel zu bedienen gibt, fällt die Handhabung leicht. In der höheren der beiden einzigen Ausstattungen sind etwa Klimaautomatik, Ledersitze und Sitzheizung Standard an Bord. Den Rest wie Siebenzoll-Touchscreen-Farbmonitor, Rückfahrkamera oder Navigation decken laut der für Ausstattung und Preispositionierung zuständigen Annika Löwe vier 700 bis 1500 Euro teure Pakete ab.

Nach 140- später noch 170-PS-Benziner

Beim vorerst einzig verfügbaren Motor handelt es sich um einen aus dem Konzern bereits bekannten 1,4-Liter-Turbobenziner mit 140 PS und 240 Newtonmetern Drehmoment. Der recht spritzige Vierzylinder macht das leer nur 1125 Kilo schwere Leichtgewicht in der Spitze sogar 217 Stundenkilometer schnell, dabei beim plötzlichen Beschleunigen aber auch stärker auf sich aufmerksam. „Kein Problem, ein Roadster darf ruhig auch mal etwas lauter sein“, findet Technikexperte Klaus Schühle, der für das vierte Jahresquartal neben einer Automatik mit der Abarth-Spitzenversion ab 40 000 Euro noch eine 170-PS-Variante ankündigt.

Sportlicher Antrieb über die Hinterräder

Eine ganz gut abgestufte Sechsgang-Handschaltung überträgt in dem sportlich übers Heck angetriebenen Fiat die Kraft auf die Räder. Die in Verbindung damit zumindest im Datenblatt im Mix so angegebenen 6,4 Liter Verbrauch haben wir leider nicht erreicht. Bei unserer flotteren Erstausfahrt durch das hügeligere Rheingau-Weinland hat der Bordcomputer am Ende über sieben Liter angezeigt. Kein Wunder, bereitet das Unterwegssein in diesem 124er, zumal wenn er offen ist, über kurvige Landstraßen doch viel Spaß, auch wenn die elektrisch unterstützte Servolenkung noch direktere Rückmeldung geben könnte. Die Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet, sorgen dagegen für standfeste Verzögerung.

Endlich mehr als nur der 500er

Alles in allem: Egal ob Tipo, Talento-Transporter, Fullback-Pickup oder Spider: Die Marke zeigt, dass sie sich wieder auf mehr fokussieren kann als mit dem 500er in verschiedensten Ausprägungen auf nur ein Modell. Die gesamte Konzernstrategie samt endlich tatsächlich begonnenem Neustart von Alfa Romeo scheint zu greifen. Es wurde Zeit! Nicht nur die Händler wird es freuen, die Kunden, bisherige und künftige, auch.    

Datenbatt

Motor: Vierzylinder-Turbobenzier. Hubraum: 1,4 Liter. Leistung: 103/140 kW/PS. Maximales Drehmoment: 240/2250 Newtonmeter/Umdrehungen pro Minute. Beschleunigung: 7,5 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Höchstgeschwindigkeit: 217 Stundenkilometer. Umwelt: Laut Fiat Mixverbrauch 6,4 Liter pro 100 Kilometer, 148 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß pro Kilometer. Grundausstattung (Auswahl): Stabilitätskontrolle, Seitenairbags, Klimaanlage, MP3-Radio, Multifunktionslederlenkrad, Windschott, Überrollbügel, Tempomat, 16/17-Zoll-Leichtmetallräder mit 195/205er-Reifen. Preis: 23 990/26 490 Euro.

KoCom/Fotos: Günther Koch

6. Juli 2016