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Ohne Hände am Lenkrad

Fords neue Blue-Cruise-Technolgie erlaubt intelligentes teilautomatisiertes Fahren auf der Stufe 2+

Von Günther Koch/Life-Magazin

Mit Blue Cruise geht Ford den nächsten Schritt Richtung autonomes Fahren. Foto: Ford/Koch

Köln – Die Freigabe vom Kraftfahrt-Bundesamt liegt seit Ende August 2023 vor: Danach darf Ford nach Nordamerika und Großbritannien Blue Cruise jetzt auch in Deutschland einführen und nutzen. Die Technologie erlaubt es, bei Autofahrten auf vordefinierten „Blaue Zonen“-Abschnitten zahlreicher Bundesautobahnen die Hände vom Lenkrad zu nehmen, „während sie dem Verkehrsgeschehen aber weiterhin aufmerksam folgen“, schiebt Pradeep Nold, Ford-Europa-Entwicklungsleiter dieses neuen Assistenzsystems, jezt bei der Vorstellung in Köln sicherheitshalber gleich noch hinterher. 

Intelligente Teilautomatisierung

Ein mit Sonderausstattung ab 66 900 Euro teurer Ford Mustang Mach-E Premium draußen vor der Motorworld Köln-Rheinland. Dual-Elektromotor. 258/351 kW/PS. Automatikgetriebe. Allrad. 98,7-Kilowattstunden-Batterie für längere Reichweite. Der vollelektrische Mustang ist hier der erste Ford, den die Kölner mit dem neuen System anbieten. Mit diesem ist es laut Pradeep möglich, auf über 95 Prozent aller deutschen Autobahnen teilautomatisiert gemäß Level oder Stufe 2+ unterwegs zu sein. Bei den restlichen fünf Prozent soll es sich vor allem um Tunnelstrecken oder anspruchsvolle Kurvenabschnitte handeln. Noch kurz zur Erklärung, was die Level automatisierten Fahrens betriff: Sie reichen von 0 (keine Automatisierung) bis 5 (autonomes Fahren ohne Person am Steuer). Level 2 bedeutet teilautomatisiertes Fahren, das heißt: Die Fahrassistenzen können Längs- und Querdynamik zugleich überwachen und steuern. Level 2+ steht im Mustang Mach-E für intelligente Teilautomatisierung.

Die neue Technologie übernimmt

Es geht los. Der Instruktor auf dem Beifahrersitz erklärt: Das System wird über einen Schalter im Lenkrad aktiviert. Nach kurzer Überprüfung der Situation zeigt ein Display, dass Blue Cruise nun die Regie übernimmt. Zentrale Voraussetzung ist die hinterm Lenkrad angebrachte Infrarotkamera. „Sie prüft, ob der Fahrer das Verkehrsgeschehen wirklich weiter beobachtet, stellt so die aktive Überwachung des Verkehrsgeschehens und die Kontrolle des Wagens durch den Fahrer sicher!“ Wendet sich der Blick von der Straße ab, erfolgt erst eine optische Warnung, danach, falls nötig, ein akustisches Signal. Bleibt eine Reaktion weiter aus, führt das System einen leichten Bremsimpuls aus, tut dies auch, wenn man am Ende einer „Blauen Zone“ das Lenkrad nicht wieder in die Hand nimmt. Gleich fünf Radarsensoren und die Frontkamera erkennen und verfolgen Position und Geschwindigkeit anderer Fahrzeuge im Umfeld.

Wie es dem intuitiven Verhalten entspricht

Blue Cruise, benannt übrigens nach der blauen Markenfarbe des Herstellers, registriert Fahrbahnmarkierungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen und sich verändernde Verkehrsbedingungen, regelt Lenkung, Beschleunigung, Bremsen und Positionierung des Wagens in der eigenen Spur, hält je nach Tempo bis hin zum Anhalten und Anfahren im Stopp-&-Go-Verkehr angemessenen Abstand zu vorausfahrenden Verkehrsteilnehmern, wobei die Geschwindigkeiten bis Tempo 130 frei wählbar sind. Zudem reagiert das prämierte System auf Impulse der vorausschauenden Geschwindigkeitsassistenz, die das Tempo sanft anpasst, wenn sich das Fahrzeug einer scharfen Kurve nähert, und richtet den Wagen entsprechend den Straßenmarkierungen mittig innerhalb einer Fahrspur aus. „In Situationen, wenn etwa auf der Nebenspur ein breiter Lkw fährt, wird die Zentrierung innerhalb der Fahrspur leicht korrigiert – wie es dem intuitiven Verhalten eines Autofahrers entspricht“. Beim Stau versetzt das System das Auto automatisch, um das Bilden einer Rettungsgasse zu ermöglichen.

Als Option vorerst für Mustang Mach-E

In den USA und Kanada sollen mehr als 194 000 Fahrzeuge der Marken Ford und Lincoln über 175 Millionen Erprobungskilometer im Blue-Cruise-Modus zurückgelegt haben. Schon 2021 ist das System dort in Serie gegangen. In Europa seien die jüngsten Fahrassistenzen über weitere Kilometer im öffentlichen Straßenverehr getestet worden. Validierungsfahrten hätten bestätigt, dass die Systeme, so Ford, auch mit schwierigeren Bedingungen umgehen könnten, etwa mit abgenutzten Fahrbahnmarkierungen, schlechtem Wetter und mit Baustellen. Blue Cruise bieten die Kölner bei uns zunächst optional im Mustang Mach-E an. Einen Preis dafür hierzulande hat der Autobauer zumindest offiziell bei der Vorstellung in Köln noch nicht genannt. Britische Kollegen berichten von einer monatlichen Gebühr von umgerechnet knapp über 20 Euro. In den USA soll der Vertrag über zwei Jahre laufen. 

Vertrauen muss wachsen

Wir fahren von der Autobahn bei Köln ab. Der Mensch denkt, Blue Cruise, die Technik, die doch zuverlässig auf stockenden Verkehr, Staus und freies Fahren reagiert, lenkt noch immer. Das Eingewöhnen hat etwas gedauert. Das Vertrauen in neue Technik muss schließlich erst einmal wachsen. Um am Ende das zu erreichen, was mit Blue Cruise neben der Sicherheit eigentlich bewirkt werden sollte. Entwicklungsleiter Nold: „Entspannter ankommen.“   

KoCom/Fotos: Günther Koch/Ford

28. August 2023