Dienstag, 18. Juni 2024

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Italienische Renaissance

Lancia kehrt zurück / Studie als Vorbote für neue Modelle / 2024 Start mit Ypsilon / Gamma und Delta folgen

Von Günther Koch/Life-Magazin

Die Studie Pu+Ra HPE gibt erste Ausblicke auf neue Lancia-Modelle. Foto: Koch

Dreieich – Nach sieben Jahren kehrt Lancia 2024 auch auf den deutschen Markt wieder zurück. „Lancia è tornata”, sagt Niccolò Biagioli, verantwortlich bei uns für die drei Stellantis-Premiummarken Alfa Romeo, DS und eben Lancia. In Dreieich bei Offenbach haben die Italiener gerade national ein Konzeptfahrzeug als Vorbote für künftige Modelle vorgestellt.

Stylische Designstudie

Bei dem stylischen Prototyp handelt es sich um ein elektrisch angetriebenes Showcar mit dem ungewöhnlichen Namen Pu+Ra HPE. Dessen Abkürzungen stehen mit Blick auf die neue Designsprache der Marke für Pur und Radikal sowie für High Performance Electric, also für Hochleistungs-Elektrofahrzeug. Die Studie soll laut Lancia die Vision in Bezug auf gleich fünf Kriterien verkörpern, nämlich Design, Komfort, Nachhaltigkeit, Elektrifizierung und innovative Technologien.

Blick auf die Frontpartie mit einer der Leuchteinheiten vorn.

Nachhaltige Materialien

Der Wagen mit unkonventioneller, extrem schlanker und aerodynamisch effizienter Karosserie ist fahrbar. Mehr als 700 Kilometer Reichweite geben die Italiener an. Das Innere ist in Zusammenarbeit mit einem italienischen Luxusmöbelhersteller gestaltet. Geometrische Formen sind erkennbar. Details von historischen Lancia, darunter an den Stratos erinnernde Rückleuchten oder Schattierungen auf der Heckscheibe wie die Jalousien des Beta setzen Akzente. 70 Prozent der berührbaren Oberflächen bestehen den Angaben zufolge aus umweltverträglichen und nachhaltig produzierten Materialien. Dieser Lancia stellt zudem das erste Fahrzeug mit neuartigem Infotainment dar, das Audio-, Klima- und Beleuchtungsfunktionen zentralisiert und es ermöglicht, das Ambiente innen der Musik anzupassen. Sein Name – SALA – kürzt im Englischen die Wörter Sound, Air, Light und Augmentation ab und bedeutet im Italienischen so viel wie – Wohnzimmer. Jedenfalls streben die Italiener an, alles mit nur einem Touch, Klick oder Sprachbefehl steuern zu können.

Modellschriftzug vorn. Große Reifen sind bei Showcars Standard.

Ab 2028 nur noch elektrisch

Schon 2024 will Lancia bei uns in der Kleinwagenklasse mit dem neuen, später sogar bis 240 PS starken Ypsilon sowohl als Verbrenner wie auch als Elektrovariante nach den Stellantis-Konzernbeispielen DS3, Opel Corsa und Peugeot 208 an den Start gehen, gefolgt 2026 vom Mittelklasse-Crossover Gamma mit 800-Volt-Technik und Möglichkeit des teilautonomen Level-3-Fahrens sowie 2028 vom größeren Delta. Bei der Elektrotechnik sind je nach Batterie 87 bis 104 Kilowattstunden Kapazität, 500 bis 800 Kilometer Reichweite, 10 bis 12 Kilowattstunden Verbrauch pro 100 Kilometer und pro Minute Ladezeit 32 weitere Kilometer im Gespräch. Die Neuaufstellung ist zunächst in sechs Ländern außerhalb Italiens vorgesehen. Für Deutschland sind anfangs 25 Händler und 100 Kundendienstzentren geplant. Ab 2026 sollen alle neuen Lancia mit Elektroantrieb vorfahren. Ab 2028 will die Marke dann nur noch elektrisch angetriebene Fahrzeuge verkaufen.

Blick ins schnörkellose Cockpit. Heckansicht in voller Breite.

„Begehrt, respektiert, glaubwürdig“

Der deutsche Markt ist für die Italiener deshalb wichtig, weil er im europäischen Kleinst- und Kleinwagen-Premiumsegment sowie im Bereich der Elektrofahrzeuge der größte ist und die Deutschen beim Online-Kauverhalten demnach auf Platz drei in Europa liegen. So soll der Ypsilon beispielsweise schon einen Anteil von 50 Prozent bei den Online-Verkäufen erreichen. Ohnehin, so Biagioli, sei Lancia hierzulande seit jeher eine beliebte Marke. „Die meisten Deutschen lieben Italien und alles, was mit italienischer Kultur zu tun hat“, will der Stellantis-Deutschland-Premiummarken-Chef Lancia zu einer „begehrten, respektierten und glaubwürdigen Marke im Premiummarkt“ machen.

Leuchteinheit hinten. Markenwappen an der Seite.

Name mit nach wie vor gutem Klang

Noch immer, obwohl fast schon vergessen, hat der Name Lancia, zumindest bei Automobilinteressierten, einen guten Klang. Die italienische Marke ist 1906 von Vincenzo Lancia in Turin gegründet, 1969 von Fiat übernommen und 2021 mit in den Stellantis-Konzern integriert worden. Aktuell sind die Italiener nur mit einem einzigen Modell, dem Ypsilon, auf einem einzigen Markt, ihrem eigenen, vertreten, stellen mit dem Kleinwagen dort aber eines der meistverkauften Autos im Land. Schon 2021 hat Stellantis-Chef Carlos Tavares angekündigt, für mindestens zehn Jahre in die Marke zu investieren.

Damals nicht gutgeheißen

Dass Lancia 2016 den Rückzug angetreten hat, hat damals mit den vor allem außerhalb Italiens immer geringerer werdenden Absatzzahlen und, daraus folgend, einer neuen Schwerpunktsetzung zu tun gehabt. Auch dürfte es die treue (Lancia-)Kundschaft in Fiat-Chrysler-Automobiles-Jahren seit 2009, nachdem Fiat Anteilseigener an Chrysler geworden ist, nicht gutgeheißen haben, Chrysler-Fahrzeuge einfach nur geringfügig zu modifizieren und sie dann in Europa als Lancia zu verkaufen. Nach Alfa Romeo und dem wiederholten Versuch einer Wiederbelebung steht nun die nächste Renaissance einer einst noblen italienischen Automobilmarke bevor. Das Erbe mutet nicht einfach an angesichts legendärer Modellikonen mit Namen wie Lambda, Aurelia, Flaminia, Beta, Fulvia, Stratos. Oder Delta, der in Integrale-Ausführung als Reminiszenz an sportliche Lancia-Zeiten draußen im nur seichten Wasser des Veranstaltungsortes Dreieich Area 3 steht.

KoCom/Fotos: Günther Koch

21. Juni 2023