Sonntag, 27. November 2022

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„Der will was“

Alfa Romeo setzt mit Kompakt-SUV Tonale Bemühen um die Wiederbelebung der Traditionsmarke fort

Von Günther Koch/Life-Magazin

Der neue Tonale kommt zunächst als Hybrid, Plug-in und Diesel auf den Markt. Foto: Koch

Frankfurt/Main – Der Elan der Wiederbelebung von Alfa Romeo schien nach dem Neustart mit der Sportlimousine Giulia 2016 und dem größeren SUV-Modell Stelvio 2017 ziemlich schnell verpufft. Denn eigentlich sollte jedes Jahr ein weiterer neuer Alfa folgen. Doch es kam, aus welchen Gründen auch immer, anders – und danach jedenfalls kein neues Modell mehr. Jetzt aber haben die Italiener national in der Klassikstadt Frankfurt/Main gerade die dritte Baureihe ihrer inzwischen zu Stellantis gehörenden, einstigen Nobelmarke vorgestellt: Mit dem ab April bestellbaren Kompakt-SUV Tonale treten sie ab Juni im Premiumbereich dann gegen Konkurrenten wie BMW X1, Audi Q3, Mercedes GLA und Volvo XC40 an.

Benannt nach Alpenpass

Anco van Driel steht vor einem Vorserienmodell, erklärt den wie der Stelvio nach einem Alpenpass benannten Tonale. „Der will was“, sagt der Produktmann und meint damit, wie er den neuen Alfa, solide verarbeitet, recht wertig anmutend, zumal im präsentierten Veloce-Spitzenmodell, 4,53 Meter lang, 1,84 Meter breit, 1,60 Meter hoch, Radstand 2,63 Meter, Kofferraum 500 Liter, sieht. Die optische Nähe des Serien- zum Konzeptmodells ist von der relativ langen Motorhaube über flache Frontscheibe, GT-Linie und skulpturalere Seitenansicht bis hin zum schrägen Heck offensichtlich. 3+3-Look nennt Alfa die Frontansicht mit dem von dreiteiligen LED-Scheinwerfern flankierten Kühlergrill Scudetto. Auch die dreiteiligen Leuchten am Heck ziehen den Wagen mit den markentypischen gelochten Felgen optisch in die Breite.

Blick auf die Frontpartie mit dem Markenlogo vorn am Scudetto-Kühlergrill oben.

Mit modernem Digitalcockpit

Vorn ist ordentlich Platz vorhanden, im Fond geht es beengter zu. Die bauartbedingt nach hinten sportlich-coupéhafter abfallende Dachlinie schränkt die Sicht etwas ein. Im recht übersichtlichen modernen Digitalcockpit liegen Anzeigen und Armaturen sonst ganz gut im Blick. Vier Ausstattungslinien gibt es: Es sind dies die beiden eher basisorientierteren Super und Sprint sowie die mehr Richtung Premium ausgelegten TI (für Turismo Internazionale) und Veloce (für Schnell).

Vier Motorisierungen stehen zunächst zur Wahl. Blick ins übersichtlich-moderne Cockpit.

Bis hin zu autonomem Level-2-Fahren

Das Kombiinstrument hinterm Lenkrad ist 12,3, der Zentralmonitor in der Mitte 10,25 Zoll groß. Die neue Infotainment-Software ist den Angaben zufolge mit hohem Vernetzungsgrad, Amazon-Alexa-Sprachbedienung und „Over the Air“-Aktualisierungen via Funk verbunden. Giulia und Stelvio hatten da diesbezüglich zumindest anfangs bis zur Aufwertung 2020 doch einige Kritik einstecken müssen. Die Steuerung mittels Touchscreen hinterlässt beim Tonale einen unkomplizierteren, durchaus intuitiveren Ersteindruck. Die Smartphone-Einbindung funktioniert drahtlos. Verschiedenste Services sind an Bord. In Sachen Sicherheit reichen mögliche elektronische Hilfen nach van Driels entsprechender Auflistung von der 360-Grad-Kamera über Müdigkeits-, Totwinkel-, autonome Notbremsassistenz und hintere Querbewegungserkennung bis hin zu Adaptivtempomat, Spurhalte- und Stauassistenz für autonomes Level-2-Fahren.

Heck-/Seitenansicht des fünftürigen Fünfsitzers mit dem Modellschriftzug hinten.

Zwei Hybrid, ein Plug-in und ein Diesel

Zunächst vier Antriebe sind vorgesehen, drei davon elektrifiziert: Die frontangetriebenen 130- und 160-PS-Hybrid verbinden einen 1,5-Liter-Turbobenziner mit einem 20-PS-Elektromotor, eingebaut im Getriebe; der 48-Volt-Generator unterstützt beim Anfahren und Beschleunigen. Beim im System 275 PS starken, wohl für Ende 2022 geplanten Plug-in-Hybrid mit Q4-Allrad arbeiten ein 1,3-Liter-Turbobenziner mit 180 PS und ein 122-PS-Elektromotor zusammen; die rein elektrische Reichweite gibt Alfa-Mann van Driel kombiniert mit bis zu 60, innerstädtisch mit bis zu 80, die Gesamtreichweite mit bis zu 600 Kilometern an. Der ebenfalls frontangetriebene Diesel holt sich seine 130 PS aus einem 1,6-Liter. Bei den Hybrid überträgt jeweils eine Siebengang-Doppelkupplungsbox die Kraft auf die Räder, beim Plug-in ein Sechsgang-Wandlerautomat, beim Diesel eine Doppelkupplungsbox mit sechs Gängen.

Das Gepäckabteil fasst 500 Liter. Und so sieht der Tonale von der Seite aus.

DNA aus Dynamic, Natural und Advanced Efficiency

Mit der bei den Italienern DNA genannten Dynamikkontrolle sind per Drehrad außer dem Fahrprogramm Natural auch noch die beiden Modi Advanced Efficiency für effizienteres Unterwegssein und – nomen est omen – Dynamic einstellbar. Zur Fahrdynamik tragen laut van Driel bestmögliche 50:50-Gewichtsverteilung, McPherson-Radaufhängung vorn und hinten, direktere Lenkübersetzung, elektronische Federung, integriertes Bremssystem, Vorderradantrieb mit elektronischem Sperrdifferenzial und aktive dynamische Momentenverteilung zwischen rechtem und linkem Rad sowie eben beim Plug-in der Allrad bei. Ein Sportmodell mit dem grünen Quadrifoglio-Label scheint es zumindest vorerst nicht zu geben. Der preisliche Einstieg, den Alfa bislang noch nicht genannt hat, könnte sich bei durchaus um die 30 000 Euro bewegen, zieht man Premiumanspruch und das, was an moderner Technik und umfangreicherer Ausstattung geboten wird, in Betracht.

Erfassung mit digitalem Zertifikat

Die Traditionsmarke Alfa ist also um ihre nächste neue Neubelebung bemüht. Bis 2026 sind demnach nach dem Tonale – weltweit laut Produktmann van Driel das erste Serienfahrzeug, dessen gesamter Lebenszyklus mit fälschungssicherem, digitalem Zertifikat erfasst wird – noch weitere sechs Modelle geplant, darunter 2024 der erste Vollstromer. Im Gespräch sind zuletzt zudem ein Sportcoupé wohl als GTV und die Spider-Hommage Duetto, beide ebenfalls elektrisch, gewesen. Ab 2027 soll es dann zwar keine Verbrenner mehr geben, aber dafür schon vorher ab 2023 jedes Jahr eine Neuheit ...

KoCom/Fotos: Günther Koch

1. März 2022