Donnerstag, 30. Juni 2022

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Blinklicht

"999"

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"Soll ich Sie mal zusammen mit dem Auto fotografieren?"

Netter Passant, der gesehen hat, dass wir Aufnahmen von einem sportlichen Testwagen gemacht haben. (gk)

"Geh' Ford"

Abgewandelter "Geh' fort"-Fernsehspruch von Heinz Becker/Gerd Dudenhöffer. (gk)

Das Rendezvous

DS mischt mit neuem DS4 nun ebenfalls im Premium-Kompaktsegment mit / Ab 2024 auch als Vollstromer

Von Günther Koch/Life-Magazin

Auch der DS4 gibt sich schon äußerlich ziemlich extravagant. Fotos: Koch

Gröbenzell – Wir treffen uns zu Hause. Beim Meister. Im oberbayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck. Otto Koch ist nicht nur Sterneküchen-Chef, sondern auch Botschafter der 2015 gegründeten, eher avantgardistisch ausgerichteten französischen Stellantis-Konzernmarke DS Automobiles. Was Koch und Marke verbindet, dürfte insbesondere das französische Savoir-Faire-Flair sein, sowohl was Kochs Küche und die Autos der Franzosen betrifft. In diesem Fall des neuen, gerade in Gröbenzell vorgestellten, genauso als Kombilimousine wie als SUV-Coupé wirkenden, kurz vor dem Marktstart stehenden und bei 28 900 Euro beginnenden DS4, nach DS7 Crossback, DS3 Crossback und DS9 Limousine das vierte eigenständige Modell der Marke. Es tritt im Premiumumfeld deutscher Konkurrenten wie Audi A3 Sportback/Q3 Sportback, BMW 1er/X2 oder Mercedes A-Klasse/GLA an.

Fertigung in Rüsselsheim

Das Auto: Der kompakte, sauber verarbeitete und recht wertig anmutende DS4 ist in Paris designt worden, wird am Konzernstandort in Rüsselsheim gebaut. Es gibt ihn – 4,40   Meter lang, 1,83/2,06 Meter breit, 1,47/1,49 Meter hoch, Radstand 2,67 Meter, Kofferraum erweiterbare 390/470 Liter – als normalen DS4, als lifestyligeren DS4 Cross und als sportlichere Performance Line. Bei der Plattform, auf der er aufbaut, handelt es um eine modulare von Stellantis, auf der auch Schwestermodelle wie der Citroën C4 oder Opels neuer Astra entstehen. Das kantige Design passt in die Zeit. Die Überhänge sind ziemlich kurz. Innen geht es noch relativ geräumig zu. Im Fond des für fünf Personen ausgelegten Fünftürers könnten freilich größer Gewachsene, was Kopf- und Beinfreiheit dort betrifft, bald an ihre Grenze kommen. Vorn sitzt man bequem, hat alles ganz gut im Blick. Bloß die zum Heck hin eben coupéhaft deutlicher abfallende Dachlinie schränkt die Sicht nach hinten etwas ein. Für die Eingewöhnung ins auch hier weitgehend digitale Cockpit mit Touchtasten-basierter Bedienung sollte man sich anfangs etwas Zeit nehmen.

Blick auf die Frontpartie mit dem Markenlogo vorn im Kühlergrill.

Benziner, Diesel, Plug-in-Hybrid

Der Antrieb: Die drei Drei- und Vierzylinder-Turbobenziner leisten 130, 181 und 224 PS. Der aus einem 181-PS-Vierzylinder-Benziner und einem 110-PS-Elektromotor bestehende Plug-in-Hybrid ab 37 900 Euro ist im System ebenfalls 224 PS stark. Der bei 32 400 Euro startende Vierzylinder-Turbodiesel findet sich wie der Basisbenziner mit 130 PS in der Übersicht. Die 1,2, 1,5 und 1,6 Liter großen Aggregate, alle Abgasnorm Euro-6d, verfügen über 230 bis im Drehmoment noch kräftigere 360 Newtonmeter, beschleunigen die DS4 in 7,7 bis 10,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, machen sie in der Spitze 203 bis 235 Stundenkilometer schnell. Achtgang-Automaten übertragen die Kraft auf die Vorderräder. In Verbindung damit geben die Franzosen den kombinierten Verbrauch pro 100 Kilometer nach WLTP maximal bei den Benzinern mit 6,9, beim Diesel mit 4,9 und beim Plug-in-Hybrid mit 1,4 Litern an, zumindest im Datenblatt. Wir sind im E-Tense genannten Plug-in in höherer Rivoli-Ausführung unterwegs gewesen, dessen Bordcomputer bei uns am Ende der ersten eher moderaten Ausfahrt über Orts- und Landstraßen in Sachen Spritkonsum 4,3 Liter angezeigt hat.

Unter der Haube hier steckt ein Plug-in-Hybrid. Im Digitalcockpit geht es sehr übersichtlich zu.

Mit weiterentwickelter Aktivfederung   

Das Fahren: Schon die Aufladung der Motoren weist generell auf einen lebhaft-spritzigeren Charakter der allesamt Frontantriebler hin. Die rein elektrische Reichweite des leer 1653 Kilo schweren Plug-in-Hybrid, der Lasten bis 1400 Kilo ziehen kann, soll bis zu 55 Kilometer betragen. Im Elektromodus schafft er 135 Stundenkilometer Spitze. Beim Verzögern und Bremsen lädt der Teilzeitstromer den Akku wieder auf; zieht man den Getriebewahlhebel zurück, wechselt der Plug-in-DS4 vom Fahr- in den Bremsmodus, gewinnt so Energie noch stärker zurück. Dank verschiedener Stufen ist es möglich, sich eine bestimmte Reichweite im Null-Emissions-Modus für ausgewählte Streckenabschnitte später, etwa für die Innenstadt, aufzuheben. Was das Fahrwerk angeht, kann der DS4 mit weiterentwickelter Aktivfederung samt Kamerasteuerung und neuer Progressivdämpfung punkten. Die Lenkung könnte in Teilen noch direktere Rückmeldung von der Straße geben. Die Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet, sorgen dagegen für standfeste Verzögerung.

Heck-/Seitenansicht des fünftürigen Fünfsitzers. Das Gepäckabteil hier fasst 390 Liter.

Vielfalt außen wie innen

Die Ausstattung: Drei Versionen, drei Innenraumambiente, vier Ausstattungsniveaus, Lines mit Namen wie Bastille, Bastille+, Trocadero, Rivoli, Performance Line, Performance Line+, La Première sowie Cross Trocadero und Cross Rivoli – da fällt es nicht ganz leicht, den Überblick zu behalten. Schon in der Grundausführung sind etwa LED-Scheinwerfer, Klimaautomatik, Infotainment, Zehnzoll-Touchscreen, Lederlenkrad, City-Notbremsassistenz, Tempomat, erweiterte Verkehrsschilderkennung, Aufmerksamkeits-, Geschwindigkeits- und Spurhalteassistenz Standard. Zu den Materialien, die Verwendung finden, gehören verschiedene Lederarten, Alcantara, geschmiedetes Karbon und Holz. Diverse Oberflächen sind typisch für die Marke mit „Clous de Paris“ genannter Veredelung versehen. Für ein Interieur werden sogar Perlenstickereien angeboten. Genarbtes Leder, hochverdichteter Schaumstoff und neuartige Sitzschalen sollen den Sitzkomfort erhöhen. Die Besonderheiten reichen vom Headup-Display, das mittels erweiterter Realität wichtige Zusatzinformationen auf die Fahrbahn projiziert, übers Infotainment mit Sprach- und Gestensteuerung, das halbautonome Fahren einschließlich halbautomatischer Überholfunktion und „unsichtbarer Belüftung“ bis zur Nachtsichtfunktion mit Infrarot-Technologie sowie von der automatisierten Heckklappe über kabelloses Smartphone-Laden, 360-Grad-Rückfahrkamera bis hin zur erweiterten Traktionskontrolle und Bergabfahrhilfe beim lifestyligeren Cross im robusteren Freizeit- und Abenteuerlook. Die möglichen Räder reichen von 17- bis 20-Zöllern mit 205er- bis 245er-Reifen.

Blick auf die Modellkennung hinten. Und so sieht der kompakte DS4 von der Seite aus.

Sicher kein Mainstream

Alles in allem: Wer das Extravagante, das Avantgardistische mit fast schon überbordendem Rautenmuster mag, wen klassische Kompaktlimousinen oder schnittigere SUV-Coupés mit keinesfalls mainstreamigem Design, technischen Neuerungen und ziemlich viel Komfort interessieren, kann eigentlich nicht viel falsch. Hinzu kommt: Im Unteren-Mittelklasse-Segment ist auch der DS4, der ab 2024 ebenfalls vollelektrisch vorfahren soll, als Premiummodell positioniert. Ein bisschen ist es dann eben wie ein Rendezvous mit Otto Kochs Sternenküche à la française. Nur auf vier Rädern.

Datenblatt

Motor: Drei Drei- und Vierzylinder-Turbobenziner, ein Vierzylinder-Plug-in-Hybridbenziner, ein Vierzylinder-Turbodiesel. Hubraum: 1,2, 1,6, 1,5 Liter. Leistung: 96/130, 133/181, 165/224, (im System beim Plug-in-Hybrid) 165/224. 96/130 kW/PS. Maximales Drehmoment: 230 bis 360 Newtonmeter. Beschleunigung: 7,7 bis 10,9 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Höchstgeschwindigkeit: 203 bis 235 Stundenkilometer. Umwelt: Laut DS Mixverbrauch pro 100 Kilometer nach WLTP 5,9-6,9 Liter (Benziner), 4,8-4,9 Liter (Diesel), 1,3-1,4 Liter (Plug-in-Hybrid), 135-155, 125-129, 29-32 Gramm Kohlendioxidausstoß pro Kilometer. Abgasnorm: Euro-6d. Grundpreis: 28 900 bis 52 500 Euro.

KoCom/Fotos: Günther Koch

14. Dezember 2021