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Reise, Home

„Fast zärtlich“

by Günther Koch

La Moselle I: Der Fluss / Quelle in Vogesen, Mündung in Koblenz am Deutschen Eck / Reizvolle Windungen

Von Günther Koch

Ruhig fließt die Mosel in der Dämmerung bei Longuich dahin. Fotos: Günther Koch

Longuich – Erst die Winzerhäuschen. Dann jetzt der Fluss, die Mosel. Es folgen im Rahmen einer Serie der Wein, die Römer, Trier. Und schließlich Longuich selbst.

Schild am Ufer: Longuich-Kirsch, wie er offiziell heißt, ist eine Wein- und Ferienort an der Mittelmosel.

Verlauf der Mosel

Eine offenbar schon etwas ältere, aber sehr hübsche, bunte Landkarte. „Mosel-Weinstraße mit Saar, Ruwer und Luxemburg“ – so hat der Föhrener Bastian-Verlag sie als Herausgeber überschrieben, zeigt darauf den Verlauf der Mosel von Perl bis Koblenz an und von Bruch bis Veldenz. Im Longuicher Weingut und Gästehaus Franziskus-Hof an der Mittelmosel hat man sie uns gegeben. Die Karte hilft, sich dieser Region zu nähern, dem Fluss und den Menschen, die an seinen Ufern leben. Den Mosel(l)anern.

Religiöser Beistand: Die heilige Anna haben wir am Moselsteig überm Moseltal getroffen.

Unauffällig, leise

„Der Westwind weht regenschwere Wolken vom Atlantik in die Vogesen“, heißt es in einem Text über die Mosel, aufgeschrieben auf zwei schmalen, mit weißer Kreide beschrifteten Schiefertafeln im Longuicher Weingut Longen-Schlöder. Kurvenreich schmiege sich die Straße an den 731 Meter hohen Col de Bussang – und erfordere Aufmerksamkeit. Vermutlich würden viele „so wie wir“ erst einmal an der Moselquelle vorbeifahren, denn: „La Moselle“ entspringe „unauffällig, leise, fast zärtlich an der Westseite des Berges und wechsle nach 278 Kilometern ihren Namen. Während der nächsten 36 Kilometer werde sie am westlichen Ufer „Musel“ genannt, sei gemeinschaftliches Hoheitsgebiet des Großherzogtums Luxemburg und Deutschlands, wo sie auf den folgenden 206 Kilometern amtssprachlich „Mosel“ heiße und „nach vielen reizvollen Windungen“ in Koblenz 65 Meter über dem Meeresspiegel in den Rhein fließe.

Heimisches Material: Dunkler Schiefer kontrastiert mit dem hellen Grün der Weinberge.

Mit Fels und Schiefer

Moselle. Musel. Mosel. 544 Kilometer lang, davon 313 in Frankeich und 231 in Deutschland. Mündungsgebiet für den Fluss ist in Koblenz das Deutsche Eck. Im deutschen Teil legt die Mosel nahezu 250 Kilometer zurück, was etwa 100 Kilometer Luftlinie entspricht. „Nach fast jedem Kilometer wechselt der Fluss die Richtung, jede Biegung eröffnet neue Landschaftsbilder“, schwärmen die Mosel(l)aner. Erst der südliche Teil zeige zunächst sanfte Hügel, um schließlich in für die Mosel so typische steile Lagen mit Fels und zerrissenem Schiefer überzugehen.

Auf der Mosel bei Longuich: Mit der Alisa hat ein weißes Ausflugsschiff festgemacht.

Mild und ausgeglichen

Ein mildes, ausgeglichenes Klima prägt das Leben an der Mosel. Es sei hier durchweg um einige Grad wärmer als in den angrenzenden Höhenzügen von Eifel und Hunsrück, ist in den Erläuterungen auf der eingangs erwähnten Karte zu lesen. Die Baumblüte sei früher. Romantische Weindörfer und Städtchen schmiegten sich an die Moselberge. Alte Fachwerkhäuser, schiefergedeckt in den beherrschenden Farben Blau und Grau, uralte Weinkeller, historische Bauten, kleine Kapellen und sehenswerte Kirchen vermittelten ein „traditionsreiches, weinseliges Gefühl“. Es grüßten mittelalterliche Burgen von den Höhen als „Zeugen einer großen Vergangenheit“.

Mit bischöflicher Unterstützung: So kann es sicher über die Moselbrücke gehen.   

Schon vor 2000 Jahren

In der Tat: Wen wundert’s also, „dass schon die Römer vor 2000 Jahren die idealen Möglichkeiten eines Weinbaus erkannten.“ Ihre Bauwerke nördlich der Alpen seien in einer „einmaligen Vollkommenheit besonders in Trier“ erhalten – „allen voran die Porta Nigra als Wahrzeichen römischer Kultur“. Und dann erst der Wein an diesem Fluss! Immerhin: Das größte zusammenhängende Anbaugebiet für die „edelste Rebsorte“, den Riesling, finde sich an der Mosel. Riesling zeichne sich durch „hochfeines Bukett, feinfruchtige Art, Eleganz und Rasse“ aus. Nicht umsonst nenne man ihn den „König der Weine“. Kein anderes Anbaugebiet biete so eine Fülle. Schieferböden versorgten die Reben mit notwendigen Mineralien. Das Klima trage mit positiven wie negativen Erscheinungen auch in heimischen Breiten seinen Teil zum Reifeprozess bei.

Mit prachtvollem Barock: Die Laurentius geweihte Kirche ist weithin sichtbar im Tal der Mosel.

Auf, in den Berg!

Und wenn sich das Klima ändert? Findet auch in Gefilden der Mosel die Lese inzwischen deutlich früher statt. Ältere Winzerinnen und Winzer erinnern sich vielleicht noch: Beginn der Weinernte ist in der Regel einst erst spät ab Ende Oktober/Anfang November gewesen. Diesmal hat es, wie beim Weingut Longen-Schlöder, in dessen Winzerhäuschen wir uns für diese Mosel-Reisereportagen-Serie einquartiert haben, schon ab Ende August/Anfang September sinnbildlich geheißen:  Dann auf in den Berg!

So flach, weiß und elegant sind die Ausflugsschiffe auch auf der Mosel unterwegs.

Danach der Wein

Die schon zur Moselserie gehörende Geschichte über „Winzers Häuschen“ haben wir bereits online in unserem Auto- und Reisemagazin unter der Rubrik „Hotels dieser Welt“ für Sie hochgeladen. Alle anderen Beiträge sehen wir nach und nach dann noch unter der klassischen Rubrik „Reise“ vor, angefangen von diesem Serienteil über den Fluss bis hin eben zum Wein, zu den Römern, zu Trier und am Ende zu Longuich.    

Info Mosel I

Französisch Moselle. Lateinischer Name Mosella. Bedeutet „Kleine Maas“. Mit 544 Kilometern sechstgrößter Fluss in Deutschland. 313 Kilometer in Frankeich. 231 in Deutschland. Ober-, Mittel-, Untermosel. Quelle in Vogesen. Mündung bei Koblenz in den Mittelrhein. Grenze zwischen Deutschland und Luxemburg. Stark mäandernder Verlauf. Am Ufer teils sehr steile Weinberghänge. Großstädte Metz, Trier, Koblenz. 4,3 Millionen Einwohner im Einzugsgebiet. Zu Großschifffahrtsstraße mit 28 Staustufen ausgebaut. Häfen, Brücken, Fähren. Weinbau. Besonders Riesling. Tourismus. Burgen, Schlösser, Ruinen. Dazu Moselweinstraße, Moselradweg, Moselsteig, Teil des Jakobswegs. Information: Moselland-Tourismus, Kordelweg 1, 54470 Bernkastell-Kues, 0049-(0)-6531-97330, www.visitmosel.de.  

Info Mosel II

Unterbringung in Winzerhäuschen. Gesunde ehrliche Küche. Hausmannskost mit saisonalen Gerichten. Regional eher bodenständig-herzhaft und deftiger. Zum Beispiel: Stampfgericht Kappes Teerdich. Kartoffelauflauf Dippelappes/Schales. Eingelegtes Tresterfleisch. Moselfisch wie Zander oder Forelle Wein: Heimischer Riesling. Sonst weißer Burgunder, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Blauer Spätburgunder, Cabernet Sauvignon, Domina, Merlot oder herber Viez-Apfelwein. Das Weingut selbst bewirtschaftet Rebland auf fünfeinhalb Hektar, setzt etwa vor allem auf harmonisch-trockene Weine wie die aus den Reben der Steillagen sowie auf modernere Tropfen.

Info Mosel III

Auch ohne Wellness und Spa: An vier Tagen haben wir unter anderem kleinere Weinorte wie Longuich erkundet, uns in der römischen (Bade-)Villa Urbana umgeschaut, die in Teilen an der Römischen Weinstraße in Longuich ausgegraben und rekonstruiert worden ist, sind mit dem Bus nach Trier in Deutschlands älteste Stadt gefahren, auf dem Zuweg zum Moselsteig gewandert und haben uns in Lagen gewagt, deren Hangneigungen oft über 30, sogar bis zu 60 Prozent und mehr betragen. Savoir-Vivre-Ausflüge in die Umgebung bieten sich ins Saarland, nach Luxemburg oder nach Frankreich an. Für Wohnmobilisten sind eigene Stellplätze da.

Preise & Anreise

Seine Winzerhäuschen (und Wohneinheiten) bietet das Longuicher Weingut Longen-Schlöder in drei Kategorien noch bis Dezember für die Saison 2026 zu Einzel-/Doppelzimmerpreisen jeweils mit Frühstück ab 105/155 über 130/190 bis 135/210 Euro an. Wir haben für vier Übernachtungen für zwei Personen samt Frühstück und Frühstücksgetränken 760 Euro bezahlt. Mit dem Auto reist man am besten über Koblenz oder Mainz an. Koblenz, Mainz und Trier sind Bahnknoten. Als nächstgelegene Flughäfen kommen Luxemburg/Finthen (etwa 35 Kilometer), Frankfurt/Hahn (etwa 50 Kilometer), Köln/Bonn (etwa 130 Kilometer) und Frankfurt/Main (etwa 160 Kilometer) infrage. Information: WeinKulturgut Longen-Schlöder, Kirchenweg 9, 54340 Longuich-Kirsch, Telefon: 0049-(0)-6502-8345, www.longen-schloeder.de.

KoCom/Fotos: Günther Koch

14. September 2026

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