Honda erweitert mit Neuauflage des Mittelklasse-Sportcoupés elektrifizierte Produktpalette / Vollhybrid mit 184 PS

Erlensee – Gleich vorweg: „Das ist keine Rennsemmel“, sagt Kotaro Yamamoto jetzt bei der nationalen Fahrvorstellung des neuen Prelude in der Honda-Akademie in Erlensee bei Hanau, „sondern“, so der Deutschland-Technikspezialist der japanischen Marke, „ein GT“, also ein nicht minder sportlich-komfortabler Granturismo, Einstiegspreis ab 49 500 Euro, dessen wichtigste Konkurrenten BMW2er Coupé, Toyota GR86 und Mazda MX-5 sind.

Nicht aggressiv
Das Auto: Den Prelude hat es von 1978 bis 2002 schon einmal gegeben, bei uns bis Ende 2000. Aktuell ist er in sechster Generation auf dem Markt. Beim Prelude handelt es sich nach wie vor um ein Mittelklasse-Sportcoupé. Ein sportlich geschnittener 2+2-Sitzer. Solide verarbeitet. Recht wertig anmutend. Flache Silhouette. Fließende Dachlinie. Keine aggressiv wirkenden Designmerkmale. Fahrerorientiertes, klassisches Cockpit mit etwas kleinem Touchscreen. Vorn ordentlich Platz. Hinten deutlich beengter. Nur 1460 Kilo schwer. Kompakte Abmessungen. 4,52 Meter lang. 1,88 Meter breit. 1,35 Meter hoch. Radstand 2,60 Meter. Kofferraum hinter der großen Heckklappe dank umklappbarer Rücksitze mit immerhin noch Wochenend-tauglichen 264 bis 663/760 Litern.

Meist über Elektromotor
Der Antrieb: Druckvollerer Vollhybrid. 2,0-Liter-Benziner mit im System 184 PS und durchzugsstärkeren 315 Newtonmetern Drehmoment. 8,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. 188 Stundenkilometer schnell. Komponenten sind aus dem kompaktem Civic-Spitzenmodell Type-R bekannt. Der Antrieb erfolgt meist über Elektromotor. Der Verbrenner dient oft nur als Stromgenerator, wirkt bloß bei schnellerem Tempo auf die Räder ein. Das Fahrgefühl ist ähnlich wie bei einem reinen Elektroauto. Hinzu kommen hier ziemlich straffes Fahrwerk, einiges an Agilität, recht präzises Handling, ausreichend direkte Lenkung und sportliche Bremsen. Trotzdem geht‘s dank serienmäßigen Adaptivdämpfern immer noch ausgewogen zu. Klar ist: Mehr Leistung hätte auch mehr Gewicht bedeutet. Über Rekuperation gibt’s beim Bremsen und Bergabfahren Energie wieder zurück.

Vor allem im Sportmodus
Das Fahren: Vor allem im Sportmodus kommt der Prelude durchaus recht lebhaft und dynamisch rüber. Ein klassisches Wechselgetriebe gibt es nicht. Dafür kann man über Schaltwippen am Lenkrad eine virtuelle Acht-Gang-Box bedienen, die etwa Gaspedalstellung, Bremsbetätigung, Geschwindigkeit, Batterieladung und sogar Straßenneigung überwacht. Durch den Verbrenner entsteht ein sportlicher, drehzahlabhängiger Motorklang. Beim Herunterschalten ahmt das System sogar eine sportliche Zwischengasfunktion nach. Eine spezielle Technologie an Bord, von den Japanern Honda S+ Shift genannt, erhöht das Fahrvergnügen, indem das einem Getriebe mit Doppelkupplung ähnliche System schnellere automatische Gangwechsel simuliert. Die Fahrmodi Komfort, GT, Sport und Individual stehen für mehr Effizienz, schärferes Ansprechverhalten und mehr Langstreckentauglichkeit.

Keine Qual der Wahl
Die Ausstattung: Nur Advance findet sich in der Übersicht. Zu den Standards gehören etwa digitale 10,2-Zoll-Instrumentenanzeige, Navigation, 9,0-Zoll-Touchscreen, adaptives Dämpfersystem, agile Handlingsassistenz, Smartphone-Einbindung, kabellose Ladestation, aktiver Geräuschausgleich, Ledersitze mit Sitzheizung und 19-Zoll-Leichtmetallräder mit 235-er Reifen.

Passt in die Zeit
Alles in allem: Erst auf der Autobahn geht dem Prelude ein wenig die Puste aus. Und 184 PS, 8,2 Sekunden für die 100er-Beschleunigung und Tempo 188 Spitze sind für einen richtigen Sportwagen in der Tat nicht gerade viel. Macht aber nichts. Als Prelude-Reviere stellen sich zweifellos sowieso eher kurvige Landstraßen heraus. Der flotte Japaner kann auch als Beispiel für einen zumindest noch einigermaßen erschwinglichen Sportwagen gelten. Er passt mit dem Hybridmotor zudem ganz gut in die Zeit. Kann darüber hinaus sogar durchaus Emotionen wecken. Das Gesamtpaket ist stimmig. Kein Wunder, dass das Modell im Laufe der Zeit zum Technologie-Versuchsträger der Marke geworden ist, bei dem zahlreiche Neuerungen zum ersten Mal in Serie gegangen sind. Fehlt eigentlich nur eine musikalische Prelude auf den Prelude.

Technische Daten
Motor: Vollhybrid. Hubraum: 2,0 Liter. Systemleistung: 135/184 kW/PS. Systemdrehmoment: 315 Newtonmeter. Antrieb: Vorderrad. Beschleunigung: 8,2 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Höchstgeschwindigkeit: 188 Stundenkilometer. Umwelt: Laut Bordcomputer Verbrauch kombiniert 6,2 Liter pro 100 Kilometer, 117 Gramm Kohlendioxidausstoß pro Kilometer. Abgasnorm: Euro-6e. Preis: 49 500 Euro.
KoCom/Fotos: Günther Koch
10. Juni 2026

