La Moselle V (Schluss): Longuich / Überwiegend Weinbau zusammen mit Tourismus / Nahe des Moseltaldreiecks
Von Günther Koch

Alte Burg. Fotos: Günther Koch
Longuich – Hört sich französisch an, könnte aber, wie auch immer, letztlich aus dem Lateinischen stammen: Longuich! Ortsgemeinde im Landkreis Trier-Saarburg in Rheinland-Pfalz. Gehört der Verbandsgemeinde Schweich an der Römischen Weinstraße an. Liegt am rechten Moselufer im Moselfränkischen. besteht aus den Ortsteilen Longuich, Kirsch und Sang-Neuhaus.

Die Alte Burg innen, …
Moselromanisch
Soweit das Verwaltungstechnische. Spannender scheinen da andere Fakten zu sein. Zum Beispiel das (Lokal-)Geschichtliche. Demnach ist das zuletzt fast 1300 Einwohner zählende Longuich, gesprochen Long_guich, ein galloromanischer – genauer: moselromanischer – Ortsname, der sich von einer Gründung aus dem 1. Jahrhundert ableitet, namentlich als Longus Vicius für langes Dorf oder langes Viertel. So soll der Ort mindestens seit Römerzeit besiedelt sein, worauf verschiedene Funde hinweisen, insbesondere die im Rahmen unserer Moselserie schon vorgestellte Villa Urbana mit deren immerhin schon rekonstruiertem Badetrakt. Als Wappen haben sich die Longuicher für ein goldenes, gespaltenes Schild entschieden, vorn am Spalt ein halber schwarzer, rot bewehrter Adler, hinten ein schwarzes Ankerkreuz.

… die Alte Burg außen.
Einst Ritterwohnsitz
Wir schlendern durch den Ort. Da ist, neben der Wohnanlage aus römischer Zeit, vor allem die Alte Burg. Ehemals drei Mittelalter-Burgen im Ortskern. Alte Burg heute Rittersaal-Restaurant, Weingut und Hotel mit Burgkeller 12. Jahrhundert. 1360 erstmals erwähnt. Befestigter Wohnsitz der Ritter Platt. 1496 Umbau. Ab 16. Jahrhundert mehrere Besitzer gleichzeitig. Die von Benzerath und Bitburg. Ende 18. Jahrhundert zur Reichsabtei St. Maximin gehörig. Nach Säkularisierung laut „Longuich-Kirsch an der Mosel – Kunsthistorischer Rundgang“ Teilung und Versteigerung. Westseite Wirtschaftsbau. Ostseite Bauernhaus.

Ein Stückchen Moseltalbahn.
Noch Zollhäuschen
Dann nicht zuletzt die Moselbrücke von Longuich, die als eine der wenigen Brücken in Deutschland noch über ein Zollhäuschen verfügt, aus dem Jahr 1912 stammt und der Erhebung des Brückenzolls gedient hat. Die Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörte Brücke ist 1949 wiederhergestellt worden.

Die Moselbrücke bei Longuich.
Wein- und Ferienort
Der Wein- und Ferienort, der direkt am Ufer in großen Lettern auf großem Schild auf sich aufmerksam macht, verfügt darüber hinaus über eine ganze Reihe von Kultur- und Naturdenkmälern wie: Denkmalzonen Friedhof, Ortskern, Kirsch. Winzer-, Pfarr-, Küster-, Schul- sowie sonstige Wohnhäuser und Hofanlagen. Beide katholischen Kirchen St. Laurentius und St Sebastian. Wendelinuskapelle. Wegkreuze. Bildstöcke wie das Vesperbild. Und in Sachen Naturdenkmälern Bäume wie Linden und ehemalige (Bismarck-)Eiche. Über das hinaus, was Longuich Urlaubern zu bieten hat, weist die Tourist-Information auf „kunsthistorische herausragende Gebäude, regionaltypische Bauernhausformen“ hin sowie auf „geheimnisvolle Mauern um Bauerngärten, kunstvoll geschmiedete Gitter, geschnitzte Haustüren oder behauene Sandsteine“.

Marienstatue mit Jesuskind.
Starkes Standbein
Longuich heute? Der Ort lebt überwiegend vom Weinbau, aber auch der Tourismus sei inzwischen ein „starkes Standbein der örtlichen Wirtschaft“ vor dem Hintergrund von Hotel, Pensionen und Gästebetten sowie einem Gewerbegebiet. Es gebe eine eigene Abfahrt an der Autobahn 1 nahe des Dreiecks Moseltal, die Schnellbuslinie 800 bediene unter anderem Trier. Bliebe noch der Wein: Als wichtigste Lagen in örtlicher Nähe werden Maximiner Herrenberg, Herrenberg und Hirschlay genannt, als Großlage Probstberg. Hört sich, wie in der Regel in Regionen, in denen Wein angebaut wird, auch in diesem Fall vor allem nach Bodenständigkeit an, und zwar was Essen und Trinken betrifft – und nach besonderer Einquartierung. Stichwort Winzerhäuschen.
(Die fünf ausgewählten „La Moselle“-Serienteile unter „Reise“ sind die über den Fluss, den Wein, die Römer, Trier und Longuich. Hinzu kommt „Winzers Häuschen“ unter „Hotels dieser Welt“. Die nachfolgenden Informations- und Serviceabsätze finden sich mehr oder wenig identisch jeweils am Ende unserer Moselgeschichten)
Info Mosel I
Französisch Moselle. Lateinisch Mosella. Bedeutet „Kleine Maas“. Mit 544 Kilometern sechstgrößter Fluss in Deutschland. 313 Kilometer in Frankeich. 231 in Deutschland. Ober-, Mittel-, Untermosel. Quelle in Vogesen. Mündung bei Koblenz in den Mittelrhein. Grenze zwischen Deutschland und Luxemburg. Stark mäandernder Verlauf. Ziemlich steile Weinberghänge. Großstädte Metz, Trier, Koblenz. 4,3 Millionen Einwohner im Einzugsgebiet. Großschifffahrtsstraße mit 28 Staustufen. Häfen, Brücken, Fähren. Weinbau. Besonders Riesling. Tourismus. Burgen, Schlösser, Ruinen. Moselweinstraße, Moselradweg, Moselsteig, Teil Jakobsweg. Information: Moselland-Tourismus, Kordelweg 1, 54470 Bernkastell-Kues, 0049-(0)-6531-97330, www.visitmosel.de.
Info Mosel II
Unterbringung in Winzerhäuschen. Gesunde ehrliche Küche. Hausmannskost mit saisonalen Gerichten. Regional eher bodenständig-herzhaft und deftiger. Zum Beispiel: Stampfgericht Kappes Teerdich. Kartoffelauflauf Dippelappes/Schales. Eingelegtes Tresterfleisch. Moselfisch wie Zander oder Forelle Wein: Heimischer Riesling. Sonst weißer Burgunder, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Blauer Spätburgunder, Cabernet Sauvignon, Domina, Merlot oder herber Viez-Apfelwein. Das Weingut Longen-Schlöder selbst bewirtschaftet fünfeinhalb Hektar Rebland, setzt vor allem etwa auf harmonisch-trockene Weine aus den Steillagen sowie auf modernere Tropfen.
Info Mosel III
Auch ohne Wellness und Spa: An vier Tagen haben wir unter anderem kleinere Weinorte wie Longuich erkundet, uns in der römischen (Bade-)Villa Urbana umgeschaut, die in Teilen an der Römischen Weinstraße in Longuich ausgegraben und rekonstruiert worden ist, sind mit dem Bus nach Trier in Deutschlands älteste Stadt gefahren, auf dem Zuweg zum Moselsteig gewandert und haben uns in Lagen gewagt, deren Hangneigungen oft über 30, sogar bis zu 60 Prozent und mehr betragen. Savoir-Vivre-Ausflüge in die Umgebung bieten sich ins Saarland, nach Luxemburg oder Frankreich an. Für Wohnmobilisten sind eigene Longen-Schlöder-Stellplätze da.
Preise/Anreise
Seine Winzerhäuschen bietet das Longuicher Weingut in drei Kategorien noch bis Dezember für die Saison 2026 zu Einzel-/Doppelzimmerpreisen jeweils mit Frühstück ab 105/155 über 130/190 bis 135/210 Euro an. Wir haben für vier Übernachtungen für zwei Personen samt Frühstück und Frühstücksgetränken 760 Euro bezahlt. Mit dem Auto reist man am besten über Koblenz oder Mainz an. Koblenz, Mainz und Trier sind Bahnknoten. Als nächstgelegene Flughäfen kommen Luxemburg/Finthen (etwa 35 Kilometer), Frankfurt/Hahn (etwa 50 Kilometer), Köln/Bonn (etwa 130 Kilometer) und Frankfurt/Main (etwa 160 Kilometer) infrage. Information: WeinKulturgut Longen-Schlöder, Kirchenweg 9, 54340 Longuich-Kirsch, Telefon: 0049-(0)-6502-8345, www.longen-schloeder.de.
KoCom/Fotos: Günther Koch
17. Oktober 2026

