La Moselle III: Die Römer / Deren Herrschaft hat sie auch an die Mittelmosel geführt / (Bade-)Villa Urbana
Von Günther Koch

Einst Badebereich. Fotos: Günther Koch
Longuich – Die Römer also. Über die man hört, dass sie damals, zwischen dem 8. und 7. Jahrhundert vor Christus, große Entfernungen zurücklegen mussten, um – aus welchem Grund auch immer – beispielweise an die Grenzen ihres riesigen Herrschaftsgebiets Imperium Romanum zu gelangen. Bei uns in Germanien haben sie dann Bauten errichtet oder errichten lassen, die später berühmt geworden sind, Stichwort Limes sowie, allein in Trier, Stichwort Porta Nigra, Kaiser-/Barbarathermen, Römerbrücke, Amphitheater, Konstantinbasilika, wobei sich die Aufzählung beliebig fortsetzen ließe. Zuletzt haben sich die Römer wohl Wein gegönnt, vielleicht sogar aus eigenem Moselanbau – und sind schließlich ins Badehaus gegangen!

Longuich-Villa Urbana.
Historischer Boden
Wir stehen etwas oberhalb von Longuich inmitten von Weinbergen an der Mittelmosel. Es ist Ende August/Anfang September. Die Temperaturen sind angenehm warm. Gerade hat die Lese begonnen, deutlich früher als sonst. Die Zeit scheint wieder einmal reif für weiße wie rote Trauben – und das, wenn man so will, auf historischem Boden. Denn da, wo sich südwestlich des heutigen Ortsrands das Landschaftsbild ein wenig öffnet, sind 1984 bei Arbeiten zur Flurbereinigung umfangreichere Mauerreste einer größeren römischen Landvilla mit umfriedetem Wirtschaftsbereich im hochwasserfreien Siedlungsareal gefunden worden.

Buntes Mauermosaik.
Auffällige Häufung
Laut Arbeitskreis „Heimat und Geschichte“ des Heimat- und Verkehrsvereins Longuich-Kirsch ist man schon früher auf Teile römischer Bauten gestoßen und vermutet wahrscheinlich sogar noch mehr. „Die Villa von Longuich reiht sich somit in eine Vielzahl von Funden aus der Römerzeit ein, die sich in der Region auffällig häufen.“ Sie hat unmittelbar an einer von Trier über Neumagen nach Mainz führenden Fernstraße gelegen. Zwischen den Ortsteilen Kirsch und Longuich ist man offenbar beim Tiefpflügen auf Teile dieser Straße gestoßen.

Säulengang um den Innenhof.
Ein höherer Beamter?
Zurück zur Villa mit dem Bauformzusatz Urbana im Namen. Nach Größe und Ausstattung ist sie im Besitz einer reichen Familie gewesen. Es wird angenommen, dass ein höherer Beamter aus dem nahen Augusta Treverorum, also aus Trier, hier seinen Alterssitz hatte. Denkbar wäre aber auch, dass die Villa in Verbindung mit romanisierten Treverern des grundbesitzenden Adels zu sehen ist, denn diese hätten auch nach Eroberung des Moselgebiets durch die Römer nach wie vor die größte Bevölkerungsgruppe gestellt. Insbesondere die Oberschicht habe auch unter den Römern ihren angestammten Status weiter behalten.

Taufstein alla Romana.
Wohlstand der Besitzer
Zur Landwirtschaft heißt es, die verschiedenen Ausgrabungen hätten in Suchgängen auch andere Bauten angeschnitten, die unmittelbar nahe landwirtschaftlicher Nutzung auch als Wohngebäude für die in der Landwirtschaft tätigen Personen dienten, „mit Sicherheit auch einiger Sklaven“. Das sich seiner Funktion nach in Diener, Köche, Lehrer und Ammen gliedernde Hauspersonal habe im Hauptgebäude gewohnt. Der Wohlstand der Villenbesitzer sei auf Grundbesitz und Leistungen der für sie arbeitenden Bevölkerung zurückzuführen gewesen. Für die landwirtschaftliche Arbeit habe die einheimische Unterschicht zur Verfügung gestanden. Neben Weinbau sei Getreideproduktion wichtigster Wirtschaftszweig gewesen. Die Römer hätten mediterrane Pflanzen wie Kirsche, Pfirsich, Pflaume oder Spargel und Gurke eingeführt. Noch immer fänden sich Yucca, Oleander, Lorbeer oder Feigen in Orten mit römischer Vergangenheit. Ein ganz besonderer typisches Relikt dieser Vergangenheit sei die Sitte gewesen, Kübelpflanzen vor Haus und Hof aufzustellen.

Im Frisierstübchen.
Wert auf Körperpflege
Villa Urbana oder Villa Rustica? In der ersten, der 110 mal 28 Meter großen Longuicher, ist eben der Badetrakt rekonstruiert. Die zweite sei hingegen der häufigere Typ gewesen, bei dem das zu einem Gutshof gehörende Herrenhaus von den Abmessungen her viel kleiner gewesen sei. Und was das Bad betrifft: Eine Übersicht listet für die römische Zeit damals an Räumlichkeiten Heißbad, Heiz-/Feuerungsraum, Schwitzbad, Kaltbad, Umkleideraum, Teile des Vorgängerbaus und eine weitere Feuerungsmöglichkeit auf. „Die Römer legten besonderen Wert auf Körperpflege“, heißt es im Faltblatt der Tourist-Information. Wichtig seien Trinkwasserversorgung und Abwasserkanalisation gewesen. Das Bad habe sich als „wesentlicher Ort des gesellschaftlichen und politischen Lebens“ erwiesen. Die einzelnen Prozeduren hätten beachtlich Zeit in Anspruch genommen. Es habe sich dennoch „viel Gelegenheit gefunden, wichtige Dinge zu besprechen“.

Mit rosigem Blick.
Aus dem fernen Rom
Aus schriftlichen Quellen wie der aus dem „Kulturland-Rheinland-Pfalz“ geht hervor, dass man, wenn man durch die Anlage wandle, „Schritt für Schritt zurück in die alte Kultur der Römer“ gelange. Das Bad sei „nicht nur hygienische Notwendigkeit, sondern gesellschaftliches Ereignis“ gewesen: „Man traf sich, philosophierte, politisierte, erzählte sich einfach nur die letzten Neuigkeiten aus dem fernen Rom.“ Dabei sei es in dem privaten, auf familiäre Bedürfnisse zugeschnittenen Bad nicht unbedingt immer nur ruhig zugegangen. Ganz im Gegenteil hätten beispielsweise weitläufige Ruheräume gefehlt, „die Latrinen aber nicht“. In der Longuicher Villa habe es sogar gleich drei davon gegeben. Nebeneinander.
(Die fünf ausgewählten „La Moselle“-Serienteile unter „Reise“ sind die über den Fluss, den Wein, die Römer, Trier und Longuich. Hinzu kommt „Winzers Häuschen“ unter „Hotels dieser Welt“. Die nachfolgenden Informations- und Serviceabsätze finden sich mehr oder wenig identisch jeweils am Ende unserer Moselgeschichten)
Info Mosel I
Französisch Moselle. Lateinisch Mosella. Bedeutet „Kleine Maas“. Mit 544 Kilometern sechstgrößter Fluss in Deutschland. 313 Kilometer in Frankeich. 231 in Deutschland. Ober-, Mittel-, Untermosel. Quelle in Vogesen. Mündung bei Koblenz in den Mittelrhein. Grenze zwischen Deutschland und Luxemburg. Stark mäandernder Verlauf. Ziemlich steile Weinberghänge. Großstädte Metz, Trier, Koblenz. 4,3 Millionen Einwohner im Einzugsgebiet. Großschifffahrtsstraße mit 28 Staustufen. Häfen, Brücken, Fähren. Weinbau. Besonders Riesling. Tourismus. Burgen, Schlösser, Ruinen. Moselweinstraße, Moselradweg, Moselsteig, Teil Jakobsweg. Information: Moselland-Tourismus, Kordelweg 1, 54470 Bernkastell-Kues, 0049-(0)-6531-97330, www.visitmosel.de.
Info Mosel II
Unterbringung in Winzerhäuschen. Gesunde ehrliche Küche. Hausmannskost mit saisonalen Gerichten. Regional eher bodenständig-herzhaft und deftiger. Zum Beispiel: Stampfgericht Kappes Teerdich. Kartoffelauflauf Dippelappes/Schales. Eingelegtes Tresterfleisch. Moselfisch wie Zander oder Forelle Wein: Heimischer Riesling. Sonst weißer Burgunder, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Blauer Spätburgunder, Cabernet Sauvignon, Domina, Merlot oder herber Viez-Apfelwein. Das Weingut selbst bewirtschaftet fünfeinhalb Hektar Rebland, setzt vor allem etwa auf harmonisch-trockene Weine aus den Reben der Steillagen sowie auf modernere Tropfen.
Info Mosel III
Auch ohne Wellness und Spa: An vier Tagen haben wir unter anderem kleinere Weinorte wie Longuich erkundet, uns in der römischen (Bade-)Villa Urbana umgeschaut, die in Teilen an der Römischen Weinstraße in Longuich ausgegraben und rekonstruiert worden ist, sind mit dem Bus nach Trier in Deutschlands älteste Stadt gefahren, auf dem Zuweg zum Moselsteig gewandert und haben uns in Lagen gewagt, deren Hangneigungen oft über 30, sogar bis zu 60 Prozent und mehr betragen. Savoir-Vivre-Ausflüge in die Umgebung bieten sich ins Saarland, nach Luxemburg oder Frankreich an. Für Wohnmobilisten sind eigene Longen-Schlöder-Stellplätze da.
Preise/Anreise
Seine Winzerhäuschen bietet das Longuicher Weingut in drei Kategorien noch bis Dezember für die Saison 2026 zu Einzel-/Doppelzimmerpreisen jeweils mit Frühstück ab 105/155 über 130/190 bis 135/210 Euro an. Wir haben für vier Übernachtungen für zwei Personen samt Frühstück und Frühstücksgetränken 760 Euro bezahlt. Mit dem Auto reist man am besten über Koblenz oder Mainz an. Koblenz, Mainz und Trier sind Bahnknoten. Als nächstgelegene Flughäfen kommen Luxemburg/Finthen (etwa 35 Kilometer), Frankfurt/Hahn (etwa 50 Kilometer), Köln/Bonn (etwa 130 Kilometer) und Frankfurt/Main (etwa 160 Kilometer) infrage. Information: WeinKulturgut Longen-Schlöder, Kirchenweg 9, 54340 Longuich-Kirsch, Telefon: 0049-(0)-6502-8345, www.longen-schloeder.de.
KoCom/Fotos: Günther Koch/Quelle „Römische Villa Urbana“, Heimat- und Verkehrsverein Longuich-Kirsch, Arbeitskreis „Heimat und Geschichte“.
18. September 2026

