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Gute Reise!

"Eine Dame lebt in Venedig, / die ist mit achtzig noch ledig. / Sie beklagt sich nicht, / sie lächelt und spricht: / „Vielleicht war das Schicksal mir gnädig.“

Die Limericks, die Sie an dieser Stelle immer lesen, stammen alle von Ole Haldrup. Sein „Buch der Limericks“ (2003), dazu „Lirum, Larum, Limerick“ (2004) und „Das Geheimnis der fünften Zeile" (2007) sind zu beziehen über: Nereus-Verlag, Susanne Happle, Johann-von-Werth-Straße 6, 79100 Freiburg, Telefon 0761-403802, nereus-verlag @gmx.de. (gk)

Im Schutz des Marabout

In Essaouira, dem alten Mogador / Argan, Haik, Tarbusch und Djellaba / Mit Ford durch Marokko

Von Günther Koch/Life-Magazin

Sie stellen von Hand in der Medina von Essaouira das Gold Marokkos, Arganöl, her. Fotos: Koch

Essaouira – Eine Drohne gefährdet startende und landende Flugzeuge am Flughafen Frankfurt, ein Streik der französischen Flugsicherung scheint wieder einmal den Flugverkehr über Europa teilweise lahmzulegen. Auch wir sind diesmal betroffen: Air-Nostrum-Charterflug YW2053 hat jedenfalls fast dreieinhalb Stunden Verspätung, hebt statt gegen 10.30 Uhr erst kurz vor 14 Uhr in Frankfurt ab. Nach Essaouira in Marokko!

Die Brandung des Atlantiks bei Essaouira zieht auch Surfer an. Coole Unterkünfte für sie werden längst angeboten.

Auf den Spuren der Portugiesen

Es ist Mitte Mai. Ford stellt in der weißen Stadt am Atlantik, dem alten Mogador, mit dem bulligen Raptor das neue Spitzenmodell seiner Pickup-Baureihe Ranger vor. Wellen schlagen gegen die Felsen, auf denen sich die 1506 von den Portugiesen zum Schutz vor feindlichen Stämmen und später vor Piraten errichtete Festung erhebt. Im malerischen alten Fischereihafen schaukeln die kleinen Boote hin und her, weil der bei Surfern beliebte Alizée mal wieder vom Meer aufs Land weht, ein mäßig starker, beständiger, aber nicht unangenehmer Passat, der es immerhin schafft, die in Breiten wie diesen sonst übliche Hitze eines nordafrikanischen Nachmittags doch etwas abzumildern.

Vorn noch steiniger Untergrund, hinten schon das Meer - und ein Kamelführer mit blauem Berberturban an der Küste.

Ausgedehnte Dünen- und Strandlandschaft

Vom Flughafen fahren wir erst einmal weg von Essaouria, folgen der Beschilderung in Richtung des etwa 175 Kilometer südlichen gelegenen Agadir, biegen jedoch weit vorher, etwa in Höhe von Sidi Ahmed Essayeh, ab, kommen immer wieder durch kleinere Ansiedlungen, in denen wir aufpassen müssen, dass uns Kinder, Esel, Ziegen oder Schafe nicht ins Auto laufen. Über felsigen Boden erreichen wir eine ausgedehnte Dünen- und Strandlandschaft, in der Akazien und Wachholder Mensch und Tier vor zu heftigem Wind und aufgewehtem Sand schützen, legen in einem Camp hinter einer Düne fast direkt am Strand einen Zwischenstopp ein. In den Zelten sind Teppiche ausgelegt und farbenfrohe Sitzkissen verteilt. Es gibt süßen Minztee. Draußen führt ein Marokkaner mit blauem Berberturban und weißem Gewand seine Kamele vor.

Die zunächst mit Felsen durchsetzte Sandwüste geht in Dünen über. Gleich dahinter kommen Strand und Meer.

Wo Ziegen sogar Kletterkünste in Bäumen zeigen

Die felsige Küste fällt in dieser Region stellenweise steil zum Meer hin ab, über Kilometer hinweg allerdings unterbrochen von breiten Sandstränden. Salzgärten und Gemüseäcker sind vereinzelt ufernah auf schmalen Terrassen angelegt. Je nach Jahreszeit leuchten da, wo der Strand nach den Dünen in Ackerland übergeht, Getreidefelder grün-golden in der Sonne. Esel dreschen auf runden Freilichttennen archaisch die Körner aus den Ähren. Ölfruchtbäume und knorrige Arganien, in deren Zweigen Ziegen auf kerniger Nahrungssuche ihre Kletterkünste zeigen, bestimmen das Bild auf rötlicher Erde.

Ob marokkanische Esel auch schon Richtungspfeile kennen? Rechts geht's nach Agadir, geradeaus nach Casablanca.

Posthum sogar zum islamischen Heiligen erhöht

Über dem auf einer kleinen Halbinsel an einer weiten Bucht gelegenen Essaouira, was im Arabischen wohl auch mit Blick auf die umgebenden dicken Mauern so viel wie „Die Eingeschlossene“ bedeutet, setzt früh die Dämmerung ein. Das etwas außerhalb gelegene Hotel, in das wir uns einquartieren, heißt noch so wie die alte Stadt und das alte Fort: Mogador. In Essaouira erzählt man sich, den Namen hätten die Portugiesen damals aus Respekt für den als Schutzpatron noch heute verehrten Sidi Mogdul gewählt, angeblich ein Schotte, der sich einst nach Marokko aufgemacht hat, bereits zu Lebzeiten hier verehrt und posthum sogar zu einem islamischen Heiligen erhöht worden ist, zu einem Marabout.

Übergroße Kannenkunst an der Straße. Den beiden älteren Männern scheint der Beginn des neuen Tags zu gefallen.

Bis hinauf nach Zaouia Akermoud im Norden

Die Strecke über die landschaftlich schöne Küstenstraße Richtung Norden, wohin wir tags darauf fahren, zieht sich mit fast 370 Kilometern an Saif und El Jadida vorbei bis Casablanca deutlich länger als die südlich nach Agadir. Ziemlich grün ist das Gebiet, das wir am Vormittag erst etwas abseits der Küste durch struppige Wälder nach Norden bis Moulay Bouzarqtoune durchqueren. In einem geschäftigen kleinen Ort verladen Arbeiter palettenweise angelieferte Säcke auf ihre Karren. In einer Werkstatt schrauben Mechaniker in fleckigen Blaumännern an einem alten Peugeot herum. Gehäutete Ziegen und Schafe hängen ohne jedwede Kühlung im Freien am Haken. Wieder auf dem Land fragen wir zwei an einer staubigen Schotterpiste im Schatten sitzende alte Männer in langen Gewändern, ob wir sie fotografieren dürfen; sie lachen und willigen ein. Ein Junge will eine Schildkröte verkaufen. Frauen in wollenen Haik-Tüchern balancieren geschickt Brennholzbündel auf dem Kopf nach Hause. Am felsigen Strandabschnitt bei Zaouia Akermoud, nicht weit vom kleinen Strandhotel und -lokal The Bubble treibt ein Bauer sein beladenes Kamel vor sich her. Ein Hirte hat alle Mühe, seine aus Schafen und Ziegen bestehende Herde zusammenzuhalten. Fischer sind gerade dabei, ihre hölzernen Boote auszubessern.

Hauptsache das Tor ist schön hellblau! Dieser junge Hirte bietet ein Stück weiter eine Schildkröte an.

In der zum Weltkulturerbe gehörenden Medina

Zurück in Essaouira. In den 1960/1970er-Jahren Happy Hippie Land, als sich Gitarristen wie Jimi Hendrix, Sänger und Songwriter wie Cat Stevens oder Bands wie die Rolling Stones hier inspirieren ließen, sich aus dem Gnaoua World Music Festival später so etwas wie das afrikanische Woodstock entwickelt und die Stadt zuletzt als Kulisse für Filme wie Game of Thrones gedient hat. Es ist Mittag. Vor einem alten Stadttor, dessen rosa Farbe in der Sonne längst zu bröckeln begonnen hat, stehen links und rechts zwei Kanonen, als sollten sie die inzwischen zum Weltkulturerbe gehörende Altstadt, die Medina mit ihren, ungewöhnlich für Marokko, rechtwinklig angelegten Straßen und Gassen, noch immer vor Eindringlingen schützen. Der mit tropischen Pflanzen bestandene Innenhof des zum Hotel und Restaurant umgebauten Palais L‘Heure Bleue ein paar Schritte weiter stellt drinnen eine grüne Oase der Ruhe inmitten eines munteren Treibens draußen dar:

Klein und wenig, aber immerhin: Freiluft-Metzgerei auf marokkanisch. An der felsigen Küste bei Zaouia Akermoud.

Auf dem Basar der Vielfalt, wo sogar von Hand ...

Verschleierte Frauen in weiten Umhängen gehen vorbei. Männer in knöchellangen weißen Djellabas mit orientalischem Filz-Tarbusch auf dem Kopf stehen bei einem Plausch zusammen. Jugendliche schlendern westlich gekleidet daher. Auf dem Basar der Vielfalt scheint es auch in Essaouira von Babysachen über Gemüse, Getränke, Gewürze, Handys, Kartoffeln, Kleidung, Metallkunsthandwerk, Obst, Postkarten und Holzschnitzereien bis hin selbst zu modernen Koffertrolleys nichts zu geben, was es nicht gibt. In runden, aus Lehm gebrannten, mit gewölbten oder spitzen Deckel versehenen Schmorgefäßen, den landestypischen Tajinen, werden gekochte Gerichte angeboten. Zwei bunt bekleidete Frauen sind, vor einem Laden sitzend, gerade dabei, von Hand Marokkos Gold herzustellen: Arganöl. 

Der bullig-robuste Ford-Raptor-Pickup passt in Gegenden wie diese. Die Boote der Fischer liegen im Sand.

... das marokkanische Gold gewonnen wird

Das Sammeln und Verarbeiten der Früchte des Arganbaums, übersetzt uns eine Französisch sprechende, junge Marokkanerin, die ebenfalls zuschaut, ist von jeher Sache der Frauen. Sie lesen die Früchte demnach vom Boden auf, füllen sie in Säcke, transportieren sie mit Hilfe von Karren nach Hause, lagern sie, entfernen später das Fruchtfleisch, sortieren fehlerhafte und faule Kerne aus, klopfen die harten Kerne mittels zweier Steine auf, nehmen die darin enthaltenen Samenblättchen heraus, rösten und zermahlen die Mandeln von Hand, geben abgekochtes Wasser dazu, das hilft, aus dem Mandelmus Brei zu machen, der wiederum so lange gerührt und geknetet wird, bis das Öl schließlich im kleinen Rinnsal austritt – und am Ende Gutes für Haut, Haar, Schönheit und Gesundheit tun soll ...

Eine Ziegenherde auf ihrem Weg zwischen Meer, Strand und Dünen. Und so gießt man Minztee in Marokko richtig ein.

Info Marokko I

Das Königreich im Nordwesten Afrikas ist fast 450 000 Quadratkilometer groß, zählte zuletzt etwa 35 Millionen Einwohner. Neben der Hauptstadt Rabat sind Casablanca, Fés, Marrakesch, Tanger und Agadir weitere wichtige größere Städte, während Essaouira am Atlantik mit seinen im Umfeld zusammen vielleicht rund 100 000 Einwohnern eher zu den mittleren gehört. Marokko gliedert sich in die Küsten am Mittelmeer und Atlantik, in die Bergregionen wie Hoher Atlas, Mittler Atlas und Rifgebirge im Inneren sowie die steppen- und wüstenhaften Randbereiche der Sahara. Mit Zwischenaufenthalt in Spanien sollte man etwa ab Frankfurt/Main mit mindestens vier Stunden Flug bis Essaouira rechnen. Ein Direktflug würde gut drei Stunden dauern. Zur Einreise ist der Pass nötig. Amtssprache ist neben Arabisch und Berberisch halboffiziell ebenfalls Französisch, aber auch mit Englisch kommt man zumindest in den Zentren weiter. Landeswährung ist der Dirham, wobei ein Dirham umgerechnet knapp einem Euro entspricht. Einen Zeitunterschied zu uns gibt es aktuell nicht. Klimatisch geht es an den Küsten mediterran, in den Bergen kühler, teils sogar winterlich, sonst, je näher man der Sahara kommt, halbwüstenhaft zu. Beste Reisezeiten sind April bis November für die Küsten und März bis Mai oder Oktober bis November für das Landesinnere, wo es im Sommer sehr heiß werden kann.

Auf dem Weg ins Zentrum von Essaouira. Am Tomaten- und Kartoffelstand in der Altstadt: "Wollen Sie nicht auch?"

Info Marokko II

Wir waren in Essaouira im Sofitel Mogador (fünf Sterne, 182 Zimmer/Suiten, moderne Einrichtung, Golf, Spa, direkt am Strand, etwa fünf Kilometer bis zum Zentrum, https://sofitel.accor.com) untergebracht. Für einen Zwischenstopp können wir das Dar Dans The Bubble  (www. bubbleonthebeach) direkt an der Küste von Zaouia Akermoud und in Essauoira das L'Heure Bleue (www.lheure-bleue.com) im gleichnamigen Hotel  in der Altstadt empfehlen. Die würzige marokkanische Küche setzt sich vor allem aus arabisch-berberischen, afrikanischen und andalusischen Einflüssen zusammen. Landestypische Gerichte sind etwa, im traditionellen Tajine-Topf zubereitet, in Oliven- oder Arganöl gegartes Fleisch, Gemüse oder Fisch. Oft kombiniert werden dabei zum Beispiel Rindfleisch mit Pflaumen oder Lamm mit Quitten. Bekannt ist zudem Couscous aus Hartweizengrieß, Gerste, Roggen oder Mais. Datteln, Mandeln, Honig, Zimt und Rosenwasser sind wichtige Bestandteile bei Desserts und Gepäck. Ein besonderer Nachtisch ist Orangensalat mit Zimt oder Gepäck mit Mandelpaste, Datteln oder Rosinen. Süßer Minztee ist so etwas wie das Nationalgetränk im Land. Information: Fremdenverkehrsamt Marokko, Graf-Adolf-Straße 59, 40210 Düsseldorf, Telefon 0211-370551, www.visitmorocco.com.

Blick in den Innenhof des L‘Heure Bleue Palais. In den engen Gassen und Gassen herrscht meist reges Treiben.

Service Auto

Wer in Marokko mit dem Wagen auch außerhalb der Zentren unterwegs sein will, sollte darauf achten, dass es sich dabei für etwaige Abstecher in unwegsameres Terrain möglichst um ein geländefähiges Fahrzeug handelt. In Orten darf nur 30, außerhalb 60, auf Autobahnen 120 gefahren werden. Alkohol am Steuer ist verboten! Größere Flughäfen für Linienflüge finden sich etwa in Rabat, Marrakesch und Casablanca. Der kleinere in Essaouria, etwa 15 Kilometer südöstlich vom Stadtzentrum gelegen und mit Linienbus zu erreichen, bietet sich nach Umsteigen in Spanien oder noch in Marokko eher für Anschluss- oder Charterflüge an. Die Reise vor Ort fand im Ford Ranger Raptor statt, der aktuell zu Einstiegspreisen ab 69 770 Euro als 213 PS starker Turbodiesel mit Zehngang-Automatik und Vierradantrieb bei den Händlern steht.

Das Angebot auf dem Basar der Vielfalt ist groß und bunt. Speisekarte auf einer Schiefertafel in einer ausgehängten Tür.

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KoCom/Fotos: Günther Koch

24. Januar 2020