Mittwoch, 22. Januar 2020

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  • GALERIA AUTO: Wenn der Winter kommt: Continental gibt Tipps für kältere Jahreszeit. Foto: Continental

Blinklicht

"Nicht nur mit Blick auf die Ereignisse vor 30 Jahren hier in Berlin sage ich: Freiheit ist Mobilität - und Mobilität ist Freiheit."

Bernhard Mattes, scheidender Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, bei der Vorlage der Jahresbilanz 2019 in Berlin. "Die Begeisterung für diese spannendste Branche der Welt speist sich aus meiner tiefen Überzeugung, dass das Automobil, dass nachhaltige individuelle Mobilität für die Menschen - weltweit - ein sehr hohes Gut ist, für das es sich zu kämpfen lohnt." (gk)

Wenn der Winter kommt

Continental auf Roadshow / Angebot ausgebaut / Reifen- und Fahrtipps zur kälteren Jahreszeit

Von Günther Koch/Life-Magazin

Winterreifen helfen in der niederschlagsreicheren, kälteren Jahreszeit. Fotos: Continental/Koch

München – Zwei auf den ersten Blick schöne Bilder: Auf dem einen hat sich leichter Schnee wie Puderzucker über die Landschaft gelegt, die Sonne scheint, eine kurvige, aber leider nicht ganz trockene Landstraße schlängelt sich durch die Szenerie. Das andere zeigt eine ähnliche Situation, nur dass die Straße hier offenbar durch eine waldreiche Gegend führt, am Rand ist Rehwild zu sehen. Der Winter, sagt Reifenentwickler Andreas Schlenke jetzt bei der Continental-Winterroadshow in München, habe ganz unterschiedliche Seiten, vor allem dann, wenn man in Szenen wie diesen mit dem Auto da unterwegs sein müsse.

Höhere Wahrscheinlichkeit

Zusammen mit dem für Reifen bei dem Automobilzulieferer aus Hannover zuständigen Sprecher Klaus Engelhart hat Schlenke wichtige (Winter-)Fakten zusammengetragen, die auf Daten des Deutschen Wetterdienstes, des Statistischen Bundesamtes und auf internen Winterreifen-Tests beruhen: So nehmen die durchschnittlichen Niederschläge Jahr für Jahr zu; deren Anstieg im Winter beträgt 25 Prozent. Schon allein aufgrund von Nebel, der die Sichtweite verringert, passieren im Winter demnach 15 Prozent mehr Unfälle als im Sommer. Ist die Straße nass, Laub eingeschlossen, soll die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls sogar zwölf Mal höher liegen als auf vereisten Straßen. 2017 hat es den Angaben zufolge unterm Strich über 6000 Unfälle aufgrund von Schnee oder Eisglätte gegeben.

Andreas Schlenke ist Reifenspezialist bei Continental. Schon Laub im Herbst kann gefährlich werden.

Schnelle Kraftübertragung unabdingbar

Gerade bei Gefahren, betonen die Hannoveraner, sei eine schnelle Kraftübertragung unabdingbar. Im Winter steige die Anzahl an Wildunfällen. 2018 sei es alle 2,5 Minuten zu einem Zusammenstoß mit Wildtieren gekommen. Im Vergleich zu trockenen Straßen könne sich der Bremsweg auf verschneiten mehr als verdoppeln, auf vereisten sieben Mal länger sein. Was die Technik von Winterreifen betreffe, sorgten Lamellen für mehr Grip auf Eis und Schnee. Profilblöcke verzahnten sich besonders bei Tiefschnee besser mit dem Untergrund. Und eine Winterreifenmischung friere selbst bei niedrigen Temperaturen nicht ein. Das Schneeflocken-Symbol dürften freilich nur richtige, geprüfte Winterreifen tragen.

Auf richtige Bereifung mit ausreichend Profil kommt es an, um sicherer unterwegs zu sein.

Vom Kompakt bis zum Oberklassefahrzeug

Sommerreifen jedenfalls gehörten im Winter nicht ans Auto, so der Hersteller, der zum Winter 2019/2020 sein Angebot an lieferbaren Winterreifengrößen ausgebaut hat. Aktuell sind der TS 860 für Kompakt- bis Mittelklassefahrzeuge, der TS 850 P ab der Mittelklasse aufwärts sowie der TS 860 S für Sport- und Oberklassewagen. Es gibt zudem drei spezielle Modelle für den Einsatz an Vans und Transportern. Und auch einen Ganzjahresreifen mit niedrigem Rollwiderstand haben die Hannoveraner im Programm.

In Arvidsjaur/Schweden testet Continental Reifen. Ganzjahres- und Saisonreifen im Vergleich.

Von O(ktober) bis O(stern)

Zur Winterreifenpflicht in Europa: In Deutschland gilt sie situativ bei winterlichen Bedingungen. Im Ausland, nicht zuletzt im gebirgigeren, kann dies anders sein. Die Reifen sollten rechtzeitig montiert werden; von Oktober bis Mai ist laut Continental  Winterreifenzeit, wobei als Faustregel „Von O(ktober) bis O(stern)“ gilt. Die Winterreifen sollten an allen Radpositionen montiert, neue rund 300 Kilometer eingefahren, gebrauchte auf Beschädigungen geprüft, Winterreifen unter vier Millimeter Restprofiltiefe im Sommer weiter gefahren werden, da sie sich für den Winter dann nicht mehr eigneten. Aufkleber sollten außerdem die maximal zulässige Geschwindigkeit anzeigen, falls die zulässige Reifengeschwindigkeit niedriger als die höchste des Fahrzeugs sei. Und wer weiter dazu beitragen will, im Winter sicherer unterwegs zu sein, nachdem man auch an den Frostschutz für Kühler und Scheibenwischwasser gedacht hat: Gefühlvoll Gas geben, raten die Hannoveraner, vorsichtig fahren, Abstand halten und abrupte Lenkbewegungen vermeiden!

Keine Sicherheit ohne Abrieb

Thema bei der jährlichen Continental-Winterroadshow ist neben den besonderen Anforderungen an Van- und Transporter- sowie an Erstausrüstungsreifen diesmal ebenfalls der Reifenabrieb gewesen. Noch sei der etwa im Hinblick auf seine Auswirkungen freilich nicht gänzlich erforscht, betont Continental-Mann Schlenke. Es gebe teilweise sogar unterschiedliche Aussagen dazu. „Wir müssen das Thema aber in Gänze verstehen.“ Fest steht dennoch: Auch Autoreifen wirken sich auf Klima und Umwelt aus. So sollen Reifen für Pkw beispielsweise im Laufe der Zeit, in der sie im Einsatz sind, im Schnitt etwa 800 Gramm an Gewicht durch Gummiabrieb verlieren; hinzu kommt der damit verbundene Straßenabrieb. Die Partikel sind demnach so schwer, dass sie nicht über längere Zeit in der Luft schweben, sondern sich ablagern. Andreas Schlenke sieht darin einen weiteren Zielkonflikt, mit dem man konfrontiert sei, denn Sicherheit ohne Abrieb gehe nicht.

KoCom/Fotos: Continental/Koch

11. Oktober 2019