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Reise

Weck, Worscht, Woi

by Günther Koch

Deutschland ist schön: In Rheinhessen / Wo der Wein zu Hause ist

Von Günther Koch

In der Harxheimer Weinstube gibt’s auch kaltes Gurkensüppchen mit Räucherlachs-Dill. Foto: Günther Koch

Mommenheim – Es muss an diesem Namen liegen: Weinzuhause! Stefanie und Thomas Wild haben ihn sehr wahrscheinlich geprägt. „Unser Weinzuhause blickt nicht auf eine lange Traditionsgeschichte und eine Familienhistorie voller Hoteliers zurück, sondern steht für den Beginn einer neuen Ära.“ Die Wilds als Gastgeber- sowie Tobias, Rainer und Petra Becker als Winzerfamilie vom gleichnamigen Weingut Becker seien die „erste Generation in unserer Familie, welche die Leidenschaft des Gastgebens zu ihrer Passion macht“.

Getreidefelder vorn wechseln sich mit Weinbergen hinten ab.

Unterm Mönchbäumchen 

Wir sind in Rheinhessen. Nicht nur im größten deutschen Weinanbaugebiet, sondern auch in der Region, in der es wohl mit die meisten Orte mit der Endung -heim im Namen geben dürfte: Ingelheim, Bodenheim, Nackenheim, Saulheim, Oppenheim, Gau-Algesheim, Gau-Bickelheim, Gau-Odernheim oder, um auch diesen zu nennen: Mommenheim. Rund 3120 Einwohner. Idyllisch etwa 15 Kilometer südlich von Mainz inmitten von Weinbergen gelegen. Heimatort des Weinguts Becker samt Hotel, Restaurant und Vinothek. Beim Weinzuhause handelt es sich um ein 2022 eröffnetes Vier-Sterne-Haus, dessen 20 Zimmer/Suiten Namen tragen wie Gottesgarten, Mönchbäumchen, Silbergrube, Vogelsang …   

Die Harxheimer Weinstube samt hübschem Innenhof ist rustikal, die Küche gutbürgerlich.

Im „Land der 1000 Hügel“

Rheinland-Pfalz. Im „Land der 1000 Hügel“. Von Mainz verlaufen wichtige Verkehrswege meist in südlicher Richtung durch Rheinhessen bis nach Worms. Und da sind sie dann auch schon wieder: Harxheim, Köngernheim, Friesenheim, Weinolsheim, Dolgesheim, Hillesheim, Dittelsheim, Abenheim … Der Rhein fließt drei Kilometer östlich an Mommenheim vorbei. Dessen Ortsnamen haben sich im Laufe der Zeit ab 764 etwa von Momenheim über Mumenheim und Muminheim bis schließlich Mommenheim gewandelt. Auf dem Wappen ist auf rotem Feld eine sogenannte Wolfsangel zu sehen, daneben auf blauem Grund das erzbischöfliche Mainzer Rad.

Winzerhäuschen in der Nähe von Mommenheim.

(Wind-)Geschützte Lage

Rheinhessen. Warm. Trocken. Geschützte Lage. Das alles begünstigt den Wein- und Obstanbau. Kein Wunder, dass die bestockten regionalen, heimischen Rebflächen inzwischen rund 27 000 Hektar umfassen und damit von der Größe her ganz nach vorn an die Spitze im gesamten Land gestiegen sind. Jemand muss sie gezählt haben, denn um die 2100 Weinbaubetriebe soll es in der Region geben. Die Einzellagen haben sich demnach zuletzt auf 412 summiert. Den Marktanteil deutscher Weine beziffern die Rheinhessen auf 30,7 Prozent. 68,6 Prozent sind demnach Weißwein (mit 20 Prozent Exportquote), 21,8 Prozent Rotwein und 9,6 Prozent Rosé. Bei den Rebsorten handelt es sich der Reihe nach um Burgunder mit 24 Prozent vor Riesling, Müller-Thurgau, Dornfelder und Silvaner mit 7 Prozent.

Das Essen in Rheinhessen ist herzhaft-bodenständig.

… und, natürlich, Zwiwwelkuche

Soweit der Wein in Rheinhessen. Und das Essen? Wer in den Lokalen der Region nach heimischen Gerichten sucht, wird schnell fündig: Vom gefüllten Backesbroode-Braten über Backesgrumbeere-Kartoffelauflauf, Dibbebas-Hase im Topf, Hackesweck-Brötchen mit Mett und Zwiebel, Wingertsims-Weinbergsmahlzeit, Wingertsknorze-Roggenbrötchen und Woihinkelsche-Huhn mit Weißwein bis hin, natürlich, zum Zwiwwelkuche. Jede Region, heißt es, hat offenbar je nach Geographie, Klima, Boden, Jahreszeit und Wohlstand eine bestimmte Kochkunst hervorgebracht, die sich in bodenständig-herzhafter Hausmannskost mit einfachen Lebensmitteln unterscheide oder in kulinarische Besonderheiten zu bestimmten Anlässen. Auch Rheinhessen mangele es nicht an Spezialitäten, wobei Weck, Worscht un Woi sogar überregionale Bedeutung erlangt hätten, und zwar alle Jahre wieder zumindest durch die Määnzer Fassenacht …

Am Schiffsanleger bei Nierstein am Rhein.

Nach Oppenheim und nach Worms

Zwei Ausflüge nehmen wir uns vor. Einmal nach Oppenheim, was sich wegen der relativen Nähe anbietet, einmal etwas weiter weg nach Worms. Von Mommenheim ist beides jedenfalls verkehrstechnisch kein Problem, teilweise sogar zu Fuß.

Auf dem Marktplatz von Oppenheim.

Nachname leitet sich historisch ab

Zunächst also Oppenheim. Rund 7200 Einwohner. Auf der linken Rheinseite zwischen Mainz und Worms gelegen. Viel Fachwerk. Sitz des Deutschen Weinbaumuseums: Robert J(ulius) Oppenheimer, der „Vater der Atombombe“, 1904 in New York City geboren, 1967 in Princeton gestorben, soll übrigens nie in der rheinhessischen Stadt am Rhein gelebt haben, aber sein Nachname, so die Oppenheimer, leite sich historisch von ihr ab. Er entstamme einer alteingesessenen jüdischen Familie mit Wurzeln im Mittelalter in Oppenheim. Die direkten Vorfahren hätten jedoch zuletzt in Hessen gelebt, bevor der Vater in die USA ausgewandert sei.

Luther 1521 beim Reichstag zu Worms.

Vorm Kaiser und den Reichsständen

Weiter südlich dann Worms. Rund 87 000 Einwohner. Im Südostteil Rheinhessens ebenfalls am linken westlichen Ufer des Rheins zwischen Mainz und Ludwigshafen gelegen. Von den Römern gegründet. Nibelungen-, Luther-, Domstadt. Dem Mönch Martin Luther wird damals aus Anlass des Reichstags zu Worms am 18. April 1521 die Aussage zugeschrieben, auch wenn er sie im genauen Wortlaut so nie geäußert, sie zumindest später aber wohl doch sinngemäß so bestätigt haben soll: „Hier steh‘ ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen.“ Das Ganze hat natürlich einen historischen Hintergrund, denn Luther wird im Vorfeld der Reformation aufgefordert, seine theologischen Schriften vor Kaiser V. und den Reichsständen zu widerrufen. Luther lehnt ab. Der Kaiser belegt ihn daraufhin im Wormser Edikt mit dem Reichsbann, der Reichsacht. Zu seinem Schutz wird der Mönch auf die Wartburg bei Eisenach gebracht, wo er als Junker Jörg das Neue Testament ins Deutsche übersetzt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Zimmer im Mommenheimer Weinhotel Weinzuhause tragen Namen.

Zwischen Weingut und Weinzuhause

Zurück zum Mommenheimer Weingut und zum Weinzuhause: Viele Jahre sei der Wunsch danach gereift, viele Konzepte habe man entwickelt und wieder über Bord geworfen. Viele Träume seien herangewachsen, hätten sich wieder geändert – und letztlich sei es doch anders gekommen. Auf dieser Achterbahnfahrt, so die Wilds und die Beckers auf ihrer Seite im Internet, habe man gemeinsam mit der seit Generationen i6m Weinbau tätigen sowie für Qualität und Zuverlässigkeit stehenden Familie wertvolle Erfahrungen gesammelt. Auf dem Weg hin zur heutigen Verbindung zwischen Weingut und Weinzuhause sei viel passiert. Einige kostbare Dinge seien geblieben: So der Mut, etwas zu tun. Die Gewissheit, Rückhalt zu haben. Leidenschaft und Kraft für die Leistung jedes Einzelnen. Vertrauen. Dankbarkeit. Die Möglichkeit, Dinge anpacken zu können Und Träume wahr werden zu lassen …

Info Rheinhessen I

Deutschlands größtes Weinanbaugebiet von Mainz bis Worms und Alzey bis Bingen umfasst rund 1400 Quadratkilometer, zählt über 645 000 Einwohner. Die Region in Rheinland-Pfalz erstreckt sich größtenteils über das Mainzer Becken. Die beiden größten Städte sind Mainz und Worms, die beiden größten Flüsse Rhein und Nahe. Geschützt auf der windabgewandten Seite vom Hunsrück über Taunus und Odenwald bis zum Nordpfälzer Bergland gehört Rheinhessen klimatisch zu den wärmsten und trockensten Gebieten in Deutschland. Das „Land der 1000 Hügel“ besteht fast vollständig aus welligem Tafel- und Hügelland. Die Rebfläche hat zuletzt 26 563 Hektar betragen.

Info Rheinhessen II

Als Möglichkeit zur Einquartierung empfehlen können wir in Mommenheim das Weinhotel Weinzuhause (vier Sterne, 20 Zimmer/Suiten, ruhig inmitten von Weinbergen gelegen, verbunden mit Restaurant und Vinothek, schöne Aussicht – Endbergshohl, 55278 Mommenheim, Telefon 06138-9429980, www.meinweinzuhause.de). Zur Einkehr im nahen Harxheim gefallen hat uns die Harxheimer Weinstube (rustikal, gutbürgerliche Küche, etwa Harxheimer Handkässalat, Soleier mit Gurkenstulle, deftige Brotzeitteller oder ausgewählte Menüs samt feinen Desserts – Enggasse 1, 55296 Harxheim, Telefon 06138-9414652, www.harxheimer-weinstube.de).         

 Info Rheinhessen III

Verkehrsmäßig ist Rheinhessen über die Autobahnen A60, A61, A63 und A643 sehr gut angebunden. Sogar ein Teilstück der Deutschen Alleenstraße führt durch die Region. Dem öffentlichen Personennahverkehr dienen verschiedene Buslinien und Bahnstrecken. Wichtigster Bahnknoten ist der von Mommenheim aus im etwa 20 Kilometer entfernten Mainz. Größter internationaler Flughafen ist der im etwa 40 Kilometer entfernten Frankfurt/Main. Rad- und (Fern-)Wanderwege verlaufen durch Rheinhessen, darunter Rheinhessischer Jakobsweg, Mühlen-Radweg, Obstroute, Rheinterrassen-Radweg, Soonwaldsteig oder Rheinburgenweg. Im sehenswerten Oppenheim lohnen unter anderem Burgruine Landskron, Beinhaus und Oppenheimer Kellerlabyrinth unter der Altstadt. In Worms bieten sich Dom, Synagoge, Luther-Denkmal und NibelungenMuseum an. Information: Rheinhessen Touristik GmbH, Otto-Lilienthal-Straße 4, 55232 Alzey, Telefon 06731-899890, www. rheinhessen.de.

KoCom/Fotos/Repro (1): Günther Koch

6. August 2026       

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