Sonntag, 14. August 2022

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GALERIA REISE Fluss, Felsen, Wein: Eine Einführung in die so Nahe-liegende Nahe-Region. Foto: Günther Koch
GALERIA REISE Der Harz war früher Bergbau-, ist heute Tourismusregion. Foto: Günther Koch
GALERIA REISE Über Kuren, Klettern, Kupfer und Karat an der Nahe. Foto: Günther Koch
GALERIA REISE Backstein-Hanse, Seebad-Flair und Reetdach-Fachwerk in Ostholstein. Foto: Günther Koch
GALERIA REISE Das Weingespräch: Nahe-Kellermeister mit erstem Ausblick auf Jahrgang 2021. Foto: Günther Koch
GALERIA REISE Das Kulinarikgespräch: Nahe-Chefkoch über die Küche der Region. Foto: Günther Koch
GALERIA REISE In Bad Sobernheim treffen Heilkunde, Weinkultur und Hunsrück-Charme aufeinander. Foto: Koch
GALERIA REISE In Bad Driburg - der gräfliche Quell, der Park, das Glas und Bilster Berg. Foto: Günther Koch
GALERIA REISE Am Point Alpha in der Rhön: Eine deutsch-deutsche Geschichte. Foto: Günther Koch
GALERIA REISE Biegung für Biegung: Deutschland ist schön - an der Mosel entlang. Foto: Günther Koch

Gute Reise!

"Eine Dame lebt in Venedig, / die ist mit achtzig noch ledig. / Sie beklagt sich nicht, / sie lächelt und spricht: / „Vielleicht war das Schicksal mir gnädig.“

Die Limericks, die Sie an dieser Stelle immer lesen, stammen alle von Ole Haldrup. Sein „Buch der Limericks“ (2003), dazu „Lirum, Larum, Limerick“ (2004) und „Das Geheimnis der fünften Zeile" (2007) sind zu beziehen über: Nereus-Verlag, Susanne Happle, Johann-von-Werth-Straße 6, 79100 Freiburg, Telefon 0761-403802, nereus-verlag @gmx.de. (gk)

Focaccia & Bloddy Mary

Eine (Kochbuch-)Reise von italienischen Leckerbissen bis hin zu kulinarischen (Schmarrn-)Geschichten

Von Günther Koch/Life-Magazin

Das Autorenduo Schuhbeck/Schwalber auf dem Cover des Buchs „Italienische Leckerbissen“. Fotos: ZS-Verlag/Koch        

Zwei Bücher. Sie liegen schon länger auf dem Schreibtisch, um sie vorzustellen. Immer ist irgendwie was dazwischen gekommen. Jetzt muss es sein: Italien ist (wegen des coronabedingt um ein Jahr verschobenen Turniers) 2021 gerade Fußball-Europameister 2020 geworden! Da dürften „Italienische Leckerbissen“, so der Titel des einen Buchs, passen – und die „Kulinarischen Geschichten“, so der Titel des anderen, vielleicht eine ganz gute Ergänzung dazu sein.

Wie wär’s mit Focaccia mit Cocktailtomaten und Oliven? Der Seitenausschnitt rechts führt in den „Herzhaft“-Teil ein.

Lustiges Cover

Beim Buch zur TV-Serie „Herzhaft & Süß“ sind Fernsehkoch Alfons Schuhbeck und die ebenfalls beim Bayerischen Rundfunk moderierende Konditorenmeisterin Angelika Schwalber auf dem lustigen Cover zu sehen. Es zeigt deren lächelnde Gesichter, einfach aufmontiert auf zwei gezeichneten Körpern in Küchenkleidung, mit Löffel und Schneebesen in der Hand, Töpfen auf der Herdplatte und Rührschüssel in ihrem Arm. Beim zweiten Buch lacht der kochende Ur-Bayer allein in die Kamera, während die Aufnahmen eines Schnitzelmenüs und einer fruchtigen Nachspeise sowie, warum auch immer, eine Abbildung von Schloss Neuschwanstein um ihn herum gruppiert sind. Das Autorenduo wendet sich der Cucina Italiana zu, Schuhbeck danach ausgewählten „Lieblingsrezepten zum Nachkochen und Nachlesen“.

Dazwischen findet sich immer wieder Hintergründiges. Darf‘s vielleicht Meeresfrüchtesalat mit Borlotti-Bohnen sein ...

Zuletzt sicher Espresso

Mamma Mia! Ist das ein Finale gewesen! Erst nach Elfmeterschießen stehen die Italiener mit 3:2 ausgerechnet in Wembley in London als Sieger über England fest, dürfen die Trophäe kurz vor Mitternacht in die Höhe halten. Dass es danach in der Kabine und im Hotel erst einmal viel Flüssiges gibt, ist sehr wahrscheinlich, ob dazu so spät auch noch italienische Leckerbissen zumindest nicht überliefert. Vielleicht sind es nur belegte Tramezzini-Weißbrotscheiben für zwischendurch mit Ricotta und Radicchio, Thunfisch und Ei oder Gorgonzola und Spanferkel gewesen. Vielleicht aber auch Meeresfrüchtesalat mit Borlotti-Bohnen, Pasta & Pesto oder Gnocchi Alfonso. Danach Kalbsleber in Rosmarin-Balsamico-Sauce. Zur Abrundung süße Focaccia mit Aprikosen und Thymian. Dazu Vino. Und zuletzt sicher Caffè oder Espresso.

... oder doch lieber Kalbsleber in Rosmarin-Balsamico-Sauce? Daneben wird etwas zu Nudeln und Gnocchi erklärt.

Sammlung aus 80 Rezepten

Schuhbeck/Schwalber wissen, wie das alles zubereitet wird und was man alles dazu braucht. Es ist das sechste gemeinsame Werk der beiden Küchenprofis, bündelt nicht nur 80 Rezepte aus der Sendung, sondern hat nach Angaben des Verlags „noch einiges mehr in petto, per te, per me, per tutta la famiglia“. Für dich. Für mich. Für die ganze Familie. Er steuert etwa italienische Hausmannskost bei. Sie zaubert Maronenherzen, Tiramisu mit Löffelbiskuit-Schichten und einer Creme aus Mascarpone, Eigelb und Zucker sowie gefülltes Cannoli-Gebäck aus Sizilien, das aus frittierten Teigrollen mit süßer Ricotta-, Vanille-, Kakao-Füllung, Schokoladestückchen oder kandierten Früchte besteht.

Der Seitenausschnitt links illustriert den Teil über Süßes wie Maronenherzen mit Arancello im schokoladigen Mantel.

Dazu „Schmankerl mit Tiefgang“

Und was Schuhbecks literarisches Solo-„Schmankerl mit Tiefgang“ angeht: Viele Gerichte und Drinks, egal ob Huhn Marengo, karamellisierter Kaiserschmarrn oder Bloddy Mary, haben eine besondere Geschichte. Der Maestro spürt Herkunft, Mythen und Anekdoten zu berühmten Rezepten aus aller Welt nach, gibt ihnen eine persönliche Note:

Auch sündhaft-süßes Cannoli-Gebäck aus Sizilien gehört dazu, natürlich mit Erläuterungen zu Caffè und Espresso.

Vom hungrigen Napoleon über ...

Zum Huhn Marengo, einem Klassiker der französischen Küche aus Poularde mit Tomaten, Champignons, Weißwein, Garnelen oder Flusskrebsen, frittierten Eiern und Croûtons oder gerösteten Weißbrotscheiben: Hier soll es gleich zwei Legenden geben, die beide mit Napoleon und der Schlacht von Marengo, einem Dorf im Piemont in Italien, zusammenhängen. Nach der einen kehrt der damals nach einer Schlacht gegen die Österreicher siegreiche Kriegsherr hungrig in einen Gasthof ein und die Wirtin bereitet ihm ein Schmorgericht aus den vorhandenen Zutaten Huhn, Hühnerbrühe, Brot und Eiern zu. Die andere besagt, Napoleons Küchenchef Dunant erfindet das Gericht, nachdem ausgeschickte Soldaten ihm verschiedene Lebensmittel besorgt haben, die er einfach nur zusammen verarbeitet.

Das Cover zu Schuhbecks „Kulinarischen Geschichten“, etwa zum Huhn Marengo, einem französischen Küchenklassiker.

... Seine Majestät, den Kaiser, bis ...

Zum Kaiserschmarrn aus Palatschinkenteig, einer der bekanntesten Süßspeisen der österreichischen Küche, wenn nicht sogar der bekanntesten überhaupt, deren Namen sich von Kaiser Franz Joseph I. ableitet und die erstmals 1854 Kaiserin Elisabeth serviert worden sein soll, wobei der Schmarrn beim Anrichten angeblich versehentlich zerriss, was später zum besonderen Merkmal geworden ist. Auch hier gibt es mindestens zwei Legenden. So hat der Kaiser mit Blick auf die ablehnende, weil linienbewusste Kaiserin zum Hofküchen-Pâtissier angeblich „Na, geb‘ er mir halt den Schmarren her, den unser Leopold da wieder z’sammenkocht hat“ gesagt. Es könnte aber auch der Senn, in Österreich ebenfalls Kaser genannt, einer Hütte gewesen sein, indem er dem Monarchen am Ende einer kaiserlichen Jagd einen Schmarrn vorsetzt, von dem dieser so begeistert ist, dass er das Gericht kurzerhand von Kaser- in Kaiserschmarrn umtauft.

Kaiserschmarrn und „Blut“-Cocktail eines rachsüchtigen Geistes dürfen selbstverständlich in der Aufzählung nicht fehlen.

... hin zur Frau aus Massachusetts

Und schließlich zur Bloddy Mary, einem Cocktail aus Wodka, Tomatensaft und Würzmitteln, von dem verschiedene Personen behaupten, den Longdrink als erste gemixt zu haben. Hinter Bloddy Mary verbirgt sich eine fiktive Sagen- und Spukgestalt, ein rachsüchtiger Geist, der entweder meist als Mädchen oder junge Frau mit langen Haaren, blasser Haut und blutiger Schnittwunde an der Stirn in Spiegeln haust oder als blutende Version des eigenen Spiegelbildes. Der eher moderneren Legende nach geht die Gestalt auf die im Gesicht entstellte, von Kindern als „Bloddy Mary“ gehänselte und verspottete, später der Hexerei beschuldigte und zuletzt getötete Mary Worth aus Massachusetts in den USA zurück.

Egal ob Titel oder nicht

Bücher zu. Zumindest hier kann jetzt, wenn diese Vorstellung erschienen ist, nichts mehr dazwischen kommen. Kulinarische Geschichten sind erzählt. Die Europameisterschaft im Fußball ist vorbei. Und italienische Leckereien werden auch in Zukunft mit Sicherheit herzhaft und sündhaft süß bleiben. Egal ob (Europameister-)Titel oder nicht. „Italienische Leckereien“, Alfons Schuhbeck/Angelika Schwalber, 176 Seiten, 2016, 19,99 Euro, „Kulinarische Geschichten“, Alfons Schuhbeck, 144 Seiten, 2018, 16,99 Euro, beide ZS Verlag/Edel-Verlagsgruppe, München.

KoCom/Fotos: ZS-Verlag/Koch

12. Juli 2021