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Viel Italianità

by admin

Fiat und Abarth blicken zurück / Sondermodelle zu Jubiläen / Centoventi ist neue Elektrovision

Von Günther Koch/Life-Magazin

Im Doppelpack: Fiat-500-Cabrio-Sondermodell Spiaggina (links) und Abarth 124 Spider. Fotos: Koch

Frankfurt/Main – 120 Jahre Fiat, 70 Jahre Abarth: „Wir haben 2019 ganz schön was zu feiern“, sagt Anne Wollek, die bei Fiat Chrysler Automobiles in Deutschland für die beiden Marken Fiat und Abarth spricht. 1899 ist die Fabbrica Italiana di Automobili Torino, kurz Fiat, in Turin geründet worden. 1949 hat der aus Österreich stammende, später als Carlo eingebürgerte Motorradrennfahrer Karl Abarth in Bologna das nach ihm benannte, inzwischen im Besitz von Fiat Chrysler befindliche Unternehmen ins Leben gerufen hat.

Automobile Zeitreise

Klassikstadt Frankfurt. Altes Industriegelände. Rote Backsteinbauten. Bilder aus der Fiat- und Abarth-Historie flimmern über eine Leinwand, mal mit etwas eingängigerer, mal mit flotterer Musik unterlegt. Eine italienische Zeitreise beginnt. In einem zur Eventlocation umfunktionierten Gebäude stehen einige alte und ältere Fiat und Abarth zusammen: Der Fiat 508 CS Balilla Coppa d’Oro aus 1934. Der Fiat 500 Topolino aus 1937. Der Fiat 600 Multipla aus 1959, dessen alte Koffer oben auf dem Dach an das Verreisen früher erinnern. Der Fiat Dino 2400 Spider aus 1972. Der Fiat 130 A Berlina aus 1971. Natürlich der Fiat 500 aus 1973. Der Abarth 595 Esseesse aus 1968. Der Abarth 1000 TCR aus 1971. Der Abarth 2000 Sport Spider aus 1968. Die PS-Zahlen reichen von 13,5 bis 250.

Ein altes Markenlogo von Fiat, das den 508 CS Balilla Coppa d’Oro aus dem Jahr 1934 ziert.

Aber genauso charmant

Fiat, sagt Wollek, stehe seit 120 Jahren für erschwingliche Modelle, pfiffige Konzepte, italienisches Design. Für Italianità. „Eine große Geschichte, geprägt von Innovationen, Ideenreichtum und typisch italienischem Lebensgefühl.“ Auch die aktuelle Modellpalette spiegle dies wider. Dann Abarth, seit 70 Jahren mit dem Skorpion als Emblem auf den Straßen und Rennstrecken unterwegs. „Ein bisschen schneller, ein bisschen lauter, ein bisschen extravaganter als die Fiat-Vorbilder“, findet Wollek, „aber genauso charmant.“

Der Fiat 500 Topolino aus 1937 ist der Urahn des aktuellen 500. Der Fiat 600 Multipla ist Baujahr 1959.

Wichtige Wegmarken

Weitere Meilensteine bei Fiat neben einzelnen Modellen und technischen Neuerungen wie der weltweit ersten Pkw-Dieseldirekteinspritzung 1987 sind: 1979 Gründung von Fiat Auto mit Fiat, Lancia, Autobianchi, Abarth und Ferrari. 2007 Gründung von Fiat Group Automobiles mit Fiat, Alfa Romeo, Lancia und Fiat Transporter. 2014 Komplettübernahme von Chrysler mit Jeep, Dodge und Ram, Fiat Chrysler Automobiles entsteht, wozu auch Maserati gehört. 2019 kommt die Fusion mit Renault ins Gespräch. Bei Abarth lesen sich herausragendere Daten so: 1951 das erste selbst entwickelte Straßenfahrzeug. 1958 Kooperationsvertrag mit Fiat. 1962 Zusammenarbeit mit Simca und Rekordjahr mit 375 Angestellten, rund 1200 komplett produzierten Fahrzeugen und 257 000 Auspuffanlagen. 1965 Gewinn der Markenweltmeisterschaft mit 904 Rennsiegen für Abarth-Fahrzeuge. 1971 Übernahme durch Fiat. 2007 Wiederbelebung der Marke. 1979 Carlo Abarth stirbt.     

Der Fiat Dino Spider aus 1972 sieht sportlich aus. Der Fiat 130 aus 1971 zeigt Ecken und Kanten.

Das aktuelle Portfolio

Im Moment hat Fiat bei uns neben einigen Sondermodellen noch den 500, 500X, 500L, Tipo, Panda, Qubo, Doblò, Fullback und 124 Spider im Programm; eine eigene Sparte fasst die Nutzfahrzeuge zusammen. Bei Abarth sind es die noch mehr auf Sportlichkeit getrimmten 595/595C und 124 Spider, jeweils in verschiedenen Versionen. Der günstigste Abarth (595) ist ab 19 990, der günstigste Fiat (Panda) ab 10 740 Euro zu haben.

Dieser Fiat 500 R stammt aus dem Jahr 1973. Ein Skorpion ziert das Abarth-Emblem.

Wertiger ausgestattet

Zum Jubiläum hat Fiat laut Produktmann Tim Schwirz den kleinen 500 leicht überarbeitet, der ab 12 990 Euro in der Liste steht, die exklusiveren Star- und Rockstar-Lines ab 16 790 Euro etwa mit Klimaanlage, Radio, Siebenzoll-Touchscreen, Vernetzung, Apple Music, Lederlenkrad und 16-Zoll-Leichtmetallrädern eingeführt und die 120th-Sondermodelle vom 500, 500X und 500L mit wertigere Ausstattung aufgelegt, die ebenfalls bei 16 790 Euro beginnen. Außerdem ist die aus Limousine, Fünftürer und Kombi bestehende Tipo-Baureihe neu aufgestellt, die bei 15 090 Euro startet. Abarth hat seinen 595 mit der 180 PS starken Spitzenversion 595 Esseesse um ein neues Mitglied ergänzt, das ab 29 690 Euro kostet. Die auf 124 Exemplare limitierte, ab 29 690 Euro teure Sonderserie Rallye Tribute mit 170 PS und 224 Stundenkilometern Spitze für den Roadster 124 Spider soll die Verbundenheit zum Motorsport ausdrücken.     

Der Fiat Abarth 595 Esseesse hier ist schon 1968 gebaut worden, der Abarth 1000 TCR erst 1971.

Centoventi als Konzept

Wo das Unternehmen freilich selbst im Jubeljahr noch Nachholbedarf hat, dürfte die Elektrifizierung sein, die mit den ersten Jeep-Modellen Renegade und Compass als Plug-in-Hybrid wohl 2020 beginnt. Bei der Veranstaltung in Frankfurt hat Fiat-Chrysler-Automobiles-Deutschland-Sprecher Sascha Wolfinger immerhin das schon beim Autosalon zuletzt in Genf gezeigte Fiat-Konzeptfahrzeug Centoventi (für die Fiat-Jubiläumszahl 120) noch einmal vorgestellt, ein Elektro-Kleinwagen, den man selbst konfigurieren, Accessoires auswählen und ihn nach eigenen Bedürfnissen gestalten kann.

Der Abarth 2000 Sport Spider entstand 1968. Der Fiat Centoventi ist ein Elektro-Kleinwagenkonzept.

Modulares Batteriepaket

Die Anpassung geht sogar noch weiter, indem das modulare Akkupaket hilft, die Reichweite von 100 auf 500 Kilometer zu erhöhen. Zusätzliche Batterieeinheiten können gekauft oder gemietet und unter dem Fahrzeugboden installiert werden. Zwei weitere Speicher unter Fahrer- und Beifahrersitz lassen sich per Schublade hervorziehen und an ihrem Trolleygriff zum Laden beispielsweise hoch in die Wohnung bringen. Die Fertigung insgesamt erfolgt zwar nur in einer Farbe, ist aber individualisierbar mit einer Auswahl, die jeweils vier Dächer, Stoßfänger, Radabdeckungen und Beklebungen umfasst.

Am Anfang war der Elettra

Noch ist es eine Vision, die es deutlich abgespeckter und viel puristischerer 1990 aber schon einmal gegeben hat, als Fiat mit dem Panda Elettra das erste Fahrzeug der Marke mit Elektroantrieb und mit im Stadtverkehr angeblich bis zu 70 Kilometern Reichweite vorfahren ließ, dessen Problem jedoch die schweren Sechsvolt-Batterien gewesen sind, die den kleinen Italiener auf bis zu 1240 Kilo aufgespeckt haben, so dass die Elettra-Serie, zu der auch noch Cinquecento, Seicento und Ducato gehörten, nur in geringer Stückzahl meist von italienischen Kommunen eingesetzt worden ist. Das erste  elektrische Nutzfahrzeug der Italiener, der Ducato, ist 2020 vorgesehen.

KoCom/Fotos: Günther Koch

25. Juni 2019

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