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Zukunftsmobilität

Sogar aufs Dach

by admin

Citroën stellt Elektro-Studie Oli vor / Für das Nachhaltige, gegen das Große, Schwere, Komplexe, Teuere

Von Günther Koch/Life-Magazin

Ein kleiner Hummer? Nein, beim Oli handelt es sich um einen Lifestyle-Konzept-Citroën. Fotos: Koch

Frankfurt/Main – „Mit intelligenten Ideen es wagen, ‚genug‘ zu sagen!“ Deutschland-Sprecher Christopher Rux steht bei der nationalen Vorstellung der neuen Citroën-Studie Oli gerade in Frankfurt/Main vor einem, wie man es bei der französischen Stellantis-Konzernmarke mit dem Doppelwinkel nennt, „markanten konzeptionellen Manifest“. Dessen Ziel sei es, die Mobilität der Zukunft „angenehm, erschwinglich, verantwortungsvoll und vielseitig nutzbar“ zu machen – und sich dabei dem „Branchentrend zu schwereren, komplexeren und teureren Elektroautos für Familien“ zu widersetzen.

Blick auf die schon ungewöhnliche Frontpartie mit dem neuen Markenlogo.

Bestmögliche Ökobilanz

Der auf den ersten Blick wuchtige, aber keineswegs sperrig wirkende Oli – 4,20 Meter lang, 1,90 Meter breit 1,65 Meter hoch – baut nach Angaben der Franzosen auf den Ideen des schon auf der Straße befindlichen Ami auf, zielt auf bestmögliche Ökobilanz durch geringeres Gewicht, reduzierte Komplexität, recycelte und recycelbare Materialien, Erschwinglichkeit, Haltbarkeit und Langlebigkeit. Das „optimistische Labor auf Rädern“ stellt für Citroën „Ideen für morgen“ dar, angefangen von 1000 Kilo Gewicht über 110 Stundenkilometer Spitze, maximale Effizienz, 40-Kilowattstunden-Batterie, 10 Kilowattstunden Stromverbrauch pro 100 Kilometer und 400 Kilometer Reichweite bis hin zum Aufladen von 20 auf 80 Prozent der Kapazität des Akkus in etwa 23 Minuten.

Auch unter der Motorhaube gibt’s was zu sehen. Das Cockpit – ganz in Rot.

Unkonventionell mit Hauch von Abenteuer

Die Silhouette mutet in der Tat unkonventionell, fast sogar schon abenteuerlich im Sinne von Ausflügen abseits des Asphalts an. Funktionalität ist wichtig. Vordertüren, Stoßfänger und Schutzelemente sind identisch. Es finden sich Glas, spezielle Paneele und leichte Materialien. Die flache Motorhaube, Dach und abnehmbare Ladefläche – leicht, steif, tragfähig, fast einen Meter breit, von rund 68 Zentimeter auf über einen Meter Länge erweiterbar, Kofferraum darunter – bestehen aus recyceltem Wabenkarton. Nachhaltige Konzeptreifen sind auf die Stahl/Aluminium-Hybridräder aufgezogen.

Fünf Tasten für die Klimaanlage. Die Türen des Viertürers öffnen gegenläufig.

Auf das Notwendigste reduziert

Innen geht es relativ geräumig zu. Das über die gesamte Breite sich erstreckende Armaturenbrett ist aufs Notwendigste reduziert. Auf einer Seite befinden sich Lenksäule und Lenkrad, auf der anderen Smartphone-Dockingstation, in der Mitte fünf Kippschalter für die Klimaanlage. Smartband-Projektor und Infotainment fürs eigene Gerät der Kunden fallen auf. Man sitzt recht bequem. Die Sitze mit 80 Prozent weniger Teilen als in normalen sind mit Netzrückenlehne im Stil von Bürostühlen gehalten. Der Boden ist wasch-, die Materialien sind recycelbar. Für einen erweiterten Lebenszyklus des Lifestylers lassen sich recycelte Teile für mehrere Besitzer aufarbeiten, nachrüsten und reparieren.

Die Ladefläche mit Kofferraum darunter ist flexibel. So sieht der Oli seitlich aus.

Für Marke Sprung nach vorn

Mit dem Oli führt Citroën gleich ein neues Logo ein, das bei allen neuen Produkten und der neuen Markenidentität verwendet wird, kündigen die Franzosen an. Verschiedenste Ideen und Designdetails sollen in künftigen Serienmodellen zu finden sein. Sei der eigenwillige Ami ein „kleiner Schritt in die richtige Richtung“ gewesen, bedeute der Oli einen „großen Sprung nach vorn“ für die Marke, kein, so Citroën, 2500 Kilo schwerer, mit Bildschirmen, technischen Spielereien und sonstigem Schnickschnack versehener „Palast auf Rädern“, deutlich leichter als die meisten vergleichbaren Kompakt-SUV. Der zudem zeige, wie sich ein Fahrzeug für Sommerausflüge zum Strand oder ein Campingwochenende in den Bergen nutzen lasse, indem es theoretisch ein 3000-Watt-Elektrogerät 12 Stunden lang mit Strom versorgen könne.

Eine Diskussion anstoßen

„Wir haben einen breiten Kundenstamm, bieten persönliche Mobilität vom Ami bis zum C5 X“, wird Strategie- und Produktdirektorin Laurance Hansen zitiert. Nicht jeder akzeptiere, dass man bestimmte Dinge nicht brauche, jedoch werde man nicht von heute auf morgen alles ändern, wolle aber eine Diskussion anstoßen, „die Frage stellen, was genug ist“. Dem Oli aufs Dach steigen – Deutschland-Sprecher Rux: „Ja, auch das geht“ – gehört freilich nicht zu. Und was den Namen der Studie betrifft, der von der Lautschrift her in Verbindung mit dem Citroën-ë phonetisch-französisch etwa wie All-ë aussehen und klingen, sogar All-Elektro bedeuten könnte, kann Rux sich schon vorstellen, wie Deutsche den Namen aussprechen werden: „Der Olli!“

KoCom/Fotos: Günther Koch

9. Dezember 2022

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