La Moselle IV: Trier / Mittlerin in Europa / Im Drei-Städte-Eck zusammen mit Luxemburg und Saarbrücken
Von Günther Koch

Porta Nigra unter Palmen. Fotos: Günther Koch
Trier – Sie gilt als älteste Stadt Deutschlands, vor über 2000 Jahren gegründet und von den Römern nicht nur einfach als bloße Siedlung oder Heerlager, sondern eben schon als Stadt anerkannt: Endlich, Trier! Ein Kollege hat uns vor einiger Zeit schon eingestimmt darauf, wie Trier das geworden ist, was es längst zu sein scheint.

Römerschiff voller Wein.
Trotz Trockenheit
Rückblick. Ein ganz normaler Tag im September. Mit dem Bus sind wir von Longuich aus nur wenige Kilometer in die Stadt mit dem lateinischen Namen Augusta Treverorum gefahren, was übersetzt „Stadt des Augustus im Land der Treverer“ bedeutet, also Trier. Die Mosel, die über 28 Staustufen verfügt, fließt in der Mittagssonne trotz Trockenheit langsam dahin. Der Wasserstand düfte, von der Brücke mit bloßem Auge zu sehen, auch schon mal höher gewesen sein. Weiße Ausflugsschiffe legen jedenfalls an und ab. Kleinere Frachtschiffe fahren vorüber.

(Trier-)Postkarten als Erinnerung.
„Wirklich schwarz“
Die runde Hubschrauber-Start- und Landefläche auf Stelzen hoch oben über dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder an der Nordallee scheint verwaist. Gott sei Dank, denn das bedeutet, dass zumindest im Moment offenbar kein akuter medizinischer Notfall aus der Luft zu versorgen ist. In Sichtweite schräg gegenüber treffen immer mehr Touristen ein. Die Südstaaten-Amerikanerin Lindsey aus Huntsville/Alabama wundert sich: „Oh, look at that“ („Oh, schau‘ dir das an“), sagt sie zu Burt, ihrem Mann, der als Soldat einst in Deutschland stationiert gewesen war, „it’s really black“ („Das ist wirklich schwarz“). Natürlich sei es schwarz, gibt Burt übersetzt zurück. Es heiße schließlich Porta Nigra für schwarzes Tor, dem römischen einst zum Schutz der Stadt.

Legionär als Aufstellfigur.
Mit zentraler Stellung
Savoir-Vivre. Wir sind im Drei-Städte-Eck Trier-Luxemburg-Saarbrücken. Der Kollege fand schon damals, die Stadt habe „gerade in schwereren Zeiten eine zentrale Stellung als Bindeglied und Mittlerin in Europa und zwischen Europäern“. Trier dürfe sich deshalb, aber auch als Standort einer Universität, zweier Fachhochschulen und als Geburtsort von Karl Marx eine regionale, nationale und mithin auch globale Bedeutung gleichermaßen gesichert haben, verbunden immerhin eben mit einer ständigen Ausstellung im Geburtshaus des zusammen mit Friedrich Engels wohl einflussreichsten Theoretikers des Sozialismus und Kommunismus. Durch ständige Besuche und Kontakte in- und ausländischer Gäste, „darunter vor allem wegen Marx so vieler Chinesen“, würden Einheimische und Touristen in „freier, weltoffener Lebensart gegenseitig voneinander profitieren“.

Bürgerhäuser am Hauptmarkt.
Geschichte und Moderne
Ja, es gibt diese „einzigartige Verbindung von Jahrtausende alter Geschichte mit einem modernen Stadtbild“. Wahrscheinlich in der Tat fast nirgendwo sonst ließen sich so viele bestens erhaltene historische Baudenkmäler finden, integriert ins Stadtbild. Natürlich gehörten in Trier neben dem Weltkulturerbe Porta Nigra etwa die römische Basilika dazu, das römische Amphitheater mit regelmäßigen Festspielen, römische Thermen und Bäder, zum Teil 2000 Jahre alt, noch im Originalzustand oder mit viel Aufwand teilweise in diesen zurückversetzt.

In der Kirche St. Gangolf.
Zugleich die Krux
Doch genau das scheint gleichzeitig auch die Krux dieser Stadt zu sein. So gehe es nicht zuletzt um schlüssige Verkehrskonzepte, die urbane Mobilität für Fahrzeuge, Fußgänger und Radfahrer miteinander verbinden würden. Vieles sei Stückwerk, ein Flickenteppich. Vor allem Radfahrer beschwerten sich massiv über ihre nicht unerhebliche Benachteiligung. Viele Projekte würden auf Eis liegen, müssten dies sogar, „weil Denkmalschützer immer ein Veto einlegen, wenn man bei Grabungen auf irgendein Jahrhunderte altes Relikt stößt“.

Die Porta Nigra ist Weltkulturerbe.
Uralte Gastlichkeit
Wer in der Stadt einkehren will: Unser Kollege empfiehlt das Wirtshaus zur Glocke in der Glockenstraße. Uralte Trierer Gastlichkeit finde sich dort in einem Fachwerkhaus, 1803 erbaut und zuletzt aufwendig restauriert. „Unter architektonischen Gesichtspunkten wie auch lukullisch mit vielen alten, original moselländischen Rezepten eine Perle“, verweist der Kollege dort auf viele kleine Einkehrhäuser an der Mosel. Urig. Romantisch. Persönlich. Individuell. Ein Geheimtipp fernab vom großen Strom. „Der Trierer sagt zu dem Stadtteil übrigens Zalawen.“

Karl Marx ist 1818 in Trier geboren.
„Der war das also“
Lindsey und Burt, das Touristen-Ehepaar aus Amerika, ist derweil weiter zum riesigen Marx-Denkmal in Sichtweite des Wohnhauses der Familie Marx in der Simeonstraße gegangen. China hat der Geburtsstadt des Philosophen die Bronzeskulptur zum Jubiläumsjahr 2018 geschenkt, was unserem Kollegen nach für viele Diskussionen sogar auch über die Grenzen von Trier hinaus gesorgt habe. „So, he was the one“ („So, er war es also“), sagt Lindsey und fragt, ob es möglich wäre, ein Foto von ihr und ihrem Mann mit der Statue im Hintergrund zu machen. Der also, der früh das theoretisch begründet habe, was in der Praxis später bis auf wenige Ausnahmen mit dem Zerfall der Sowjetunion und dem Zusammenbruch des Ostblocks gescheitert sei.

Richtige Böden zum richtigen Wein.
Mosel rechts ab
Über die Nordallee fahren wir wieder am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder vorbei aus der Stadt, biegen jenseits der Mosel rechts ab, um ein Stück ihrem Lauf zu folgen, ehe sie am Deutschen Eck in Koblenz vor einem monumentalen Reiterstandbild unter den strengen Augen von Kaiser Wilhelm I. in den Rhein mündet. Aber das ist eine andere Geschichte. Was bleibt, ist die rund 110 000 Einwohner zählende Stadt, nach Mainz, Ludwigshafen und Koblenz viertgrößte in Rheinland-Pfalz, im Südwesten Deutschlands in der Weinregion Mosel nahe der luxemburgischen Grenze. Der Kollege, der übrigens nicht weit entfernt aus Hermeskeil kommt, kennt die Region.
(Die fünf ausgewählten „La Moselle“-Serienteile unter „Reise“ sind die über den Fluss, den Wein, die Römer, Trier und Longuich. Hinzu kommt „Winzers Häuschen“ unter „Hotels dieser Welt“. Die nachfolgenden Informations- und Serviceabsätze finden sich mehr oder wenig identisch jeweils am Ende unserer Moselgeschichten)
Info Mosel I
Französisch Moselle. Lateinisch Mosella. Bedeutet „Kleine Maas“. Mit 544 Kilometern sechstgrößter Fluss in Deutschland. 313 Kilometer in Frankeich. 231 in Deutschland. Ober-, Mittel-, Untermosel. Quelle in Vogesen. Mündung bei Koblenz in den Mittelrhein. Grenze zwischen Deutschland und Luxemburg. Stark mäandernder Verlauf. Ziemlich steile Weinberghänge. Großstädte Metz, Trier, Koblenz. 4,3 Millionen Einwohner im Einzugsgebiet. Großschifffahrtsstraße mit 28 Staustufen. Häfen, Brücken, Fähren. Weinbau. Besonders Riesling. Tourismus. Burgen, Schlösser, Ruinen. Moselweinstraße, Moselradweg, Moselsteig, Teil Jakobsweg. Information: Moselland-Tourismus, Kordelweg 1, 54470 Bernkastell-Kues, 0049-(0)-6531-97330, www.visitmosel.de.
Info Mosel II
Unterbringung in Winzerhäuschen. Gesunde ehrliche Küche. Hausmannskost mit saisonalen Gerichten. Regional eher bodenständig-herzhaft und deftiger. Zum Beispiel: Stampfgericht Kappes Teerdich. Kartoffelauflauf Dippelappes/Schales. Eingelegtes Tresterfleisch. Moselfisch wie Zander oder Forelle Wein: Heimischer Riesling. Sonst weißer Burgunder, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Blauer Spätburgunder, Cabernet Sauvignon, Domina, Merlot oder herber Viez-Apfelwein. Das Weingut Longen-Schlöder selbst bewirtschaftet fünfeinhalb Hektar Rebland, setzt vor allem etwa auf harmonisch-trockene Weine aus den Steillagen sowie auf modernere Tropfen.
Info Mosel III
Auch ohne Wellness und Spa: An vier Tagen haben wir unter anderem kleinere Weinorte wie Longuich erkundet, uns in der römischen (Bade-)Villa Urbana umgeschaut, die in Teilen an der Römischen Weinstraße in Longuich ausgegraben und rekonstruiert worden ist, sind mit dem Bus nach Trier in Deutschlands älteste Stadt gefahren, auf dem Zuweg zum Moselsteig gewandert und haben uns in Lagen gewagt, deren Hangneigungen oft über 30, sogar bis zu 60 Prozent und mehr betragen. Savoir-Vivre-Ausflüge in die Umgebung bieten sich ins Saarland, nach Luxemburg oder Frankreich an. Für Wohnmobilisten sind eigene Longen-Schlöder-Stellplätze da.
Preise/Anreise
Seine Winzerhäuschen bietet das Longuicher Weingut in drei Kategorien noch bis Dezember für die Saison 2026 zu Einzel-/Doppelzimmerpreisen jeweils mit Frühstück ab 105/155 über 130/190 bis 135/210 Euro an. Wir haben für vier Übernachtungen für zwei Personen samt Frühstück und Frühstücksgetränken 760 Euro bezahlt. Mit dem Auto reist man am besten über Koblenz oder Mainz an. Koblenz, Mainz und Trier sind Bahnknoten. Als nächstgelegene Flughäfen kommen Luxemburg/Finthen (etwa 35 Kilometer), Frankfurt/Hahn (etwa 50 Kilometer), Köln/Bonn (etwa 130 Kilometer) und Frankfurt/Main (etwa 160 Kilometer) infrage. Information: WeinKulturgut Longen-Schlöder, Kirchenweg 9, 54340 Longuich-Kirsch, Telefon: 0049-(0)-6502-8345, www.longen-schloeder.de.
KoCom/Fotos: Günther Koch
18. September 2026

