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Ruf der Berge

by admin

Im Himalaya (I) / Eine Annäherung / Heinrich Reh aus Wetter über Bergsport und Erlebnisse im Gebirge

Von Günther Koch/Life-Magazin

Bergwanderer Heinrich Reh auf dem Kilimandscharo-Massiv in Afrika. Fotos: Reh/Privatarchiv

Wetter (Hessen) – Wir kennen uns. Haben zusammen Fußball gespielt. Vorübergehend sogar für kurze Zeit jeweils schräg gegenüber in derselben Straße in unserer Heimatstadt Wetter in Hessen gewohnt. Dann haben das Wandern, die Berge und der sportliche Ehrgeiz Heinrich gepackt. Er hat die Funktionskleidung angezogen, seine Trekking-Schuhe geschnürt, ist zwar nicht auf den Mount Everest, aber doch hinauf ins höchste Gebirge der Erde gestiegen. In den Himalaya.

Erst die Grenze und die Steine

Heinrich Reh. Geburts- und Wohnort Wetter in Hessen. Früher aktiver Fußballer und Feuerwehrmann. Bis heute Musiker bei der Stadtkapelle. Beruf Verwaltungsangestellter bei der Stadt im Bereich Informationstechnik. Eigentlich wollten wir seine Himalaya-Geschichte noch vor August, vor dem nur alle sieben Jahre in Wetter stattfindenden Grenzegangsfest, erzählen. Doch Heinrich hat abgewunken. Er ist Vorstandsmitglied beim Grenzegang und Vorsitzender des Ausschusses für Grenze und Grenzsteine. Die Zeit hat gefehlt. Jetzt aber hat’s geklappt.

Blick auf die Drei Zinnen und Blick auf die Marmolata in den Dolomiten.

Bis zu den Kanaren und nach Neuseeland

Das „Glück der Berge“, wie auch Heinrich es nennt, hat er spät für sich gefunden. Erst mit Ende 20 ist er zu seinem ersten Wanderurlaub aufgebrochen – eine Bildungsreise nach Südtirol – „und hab‘ mich sofort in die Berge verliebt“. In den Jahren danach ist Heinrich mehrmals in den Dolomiten zu mehrtägigen Hüttentouren unterwegs. Es folgen ein- und mehrtägige Wanderungen und Hochgebirgstouren in Deutschland, Österreich und Südtirol. Mal mit Freunden, mal ohne. Wanderurlaube in Neuseeland und auf den Kanaren. Auf Teneriffa, La Palma und El Hiero. Er überquert die Alpen in 29 Tagen von München nach Venedig, in 10 Tagen vom Königssee zum markanten Gebirgsstock der Drei Zinnen in Südtirol. Touren im Grödner-, Ötz- und Zillertal schließen sich an.

Blick auf den Peitlerkofel in Südtirol. Unterwegs in den Dolomiten.

Bewegung allein schon ein wichtiger Faktor

Wir unterhalten uns über Berg- und Alpinsport, wozu Bergwandern, Bergsteigen, Trekking, Canyoning, Klettern, Klettersteiggehen, Skibergsteigen und Berglauf beziehungsweise Trailrunning zählen. „Bergsteigen und Wandern gehören zweifelsfrei zu den beliebtesten Bergsportarten im Deutschen Alpenverein“, sagt Heinrich. „Kein Wunder, Bewegung in der freien Natur hält fit, fördert das Gemeinschaftsgefühl, schafft tolle Erlebnisse“, stimmt er mit seinen Bergkolleginnen und -kollegen überein. Bewegung allein sei ein wichtiger Faktor. „Wenn man aktiv ist, werden Glückshormone ausgeschüttet, man stärkt sein Herz-Kreislauf-System, trainiert die Muskulatur, wird wacher und konzentrierter, kann besser abschalten.“

Im Ötztal nach dem Timmelsjoch. Noch einmal Blick auf den Peitlerkofel.

„Ehrliche Selbsteinschätzung ist zentral“

Das Besondere der Berge sei, dass jeder für seine Interessen und sein Leistungsniveau die richtige Tour von der Genusswanderung mit Einkehr in der Hütte bis zum schnellen Wandern finden könne. Für Heinrich ist „Wandern cool, liegt im Trend“. Immer mehr Neueinsteiger wagten sich auf den Berg. Beim Bergwandern seien jedoch das Wetter und die entsprechende Ausrüstung mit richtigen Wanderschuhen zentrale Punkte. Auch einen guten Zeitplan zu haben, das sei wichtig. „Vor allem aber sollte jeder wissen, ob er der geplanten Tour tatsächlich gewachsen ist.“ Deshalb gelte immer: Klein beginnen und dann steigern! Je mehr es vom einfachen Spazierengehen übers Wandern zum Bergwandern gehe, umso mehr würden Abenteueranteil und Ungewissheit zunehmen. „Ehrliche Selbsteinschätzung ist zentral!“

Im Ötztal auf dem Weg vom Timmelsjoch zum Brunnenkogelhaus.

Vom Peitlerkofel über den Kibo bis zur Zugspitze

Es ist der am Rand der Dolomiten gelegene und mit steilen Nordabbrüchen versehene Peitlerkofel (2865 Meter), den Heinrich als ersten höheren Berg besteigt. Später schließen sich Afrikas höchster Gipfel, der Kibo (5895 Meter) im Kilimandscharo-Massiv in Tansania als einer der Seven Summits, der sieben jeweils höchsten Gipfel der sieben Kontinente, und der Mount Meru (4562 Meter) ebenfalls in Tansania an. „Den Meru“, erinnert sich Heinrich, „haben wir zur Vorbereitung auf den Kilimandscharo bestiegen, um uns zu akklimatisieren und an die Höhe zu gewöhnen.“ Dann sind da noch Wildspitze (3768 Meter) und Similaun (3606 Meter) in den Ötztaler Alpen sowie Pico del Teide (3715 Meter) als höchste Erhebung auf Teneriffa und höchster Berg auf spanischem Staatsgebiet. Und natürlich darf Deutschlands höchster Berg, die Zugspitze (2962 Meter), nicht fehlen.

Auf dem Gipfel des Kilimandscharo, dessen höchster Gipfel der Uhuru ist.

Einmal ein Wettersturz in den Alpen

„Bei einer Bergtour in den Ötztaler Alpen“, erinnert sich Heinrich, „sind wir einmal in einem ausgesetzten Gelände, also auf dem Abschnitt eines Weges, bei dem ein Ausrutschen oder Stolpern aufgrund der Steilheit des Geländes verheerende Folgen haben kann und hohe Trittsicherheit und Schwindelfreiheit deshalb unbedingt erforderlich sind, von einem Wettersturz überrascht worden. Wir hatten gerade noch Zeit, alle unsere im Rucksack verstauten Sachen wie Regenjacke, Regenhose, Mütze, Handschuhe und Halstuch anzuziehen, bevor uns die Kaltfront mit kräftigem Gewitter und Hagel erreicht hat.“ Genauso schnell wie der Wettersturz gekommen sei, sei er aber auch wieder verschwunden. Nach einer halben Stunde, in der man unter einem Felsvorsprung Schutz gesucht habe, habe die Sonne sie dann wieder begrüßt. „Mit strahlend blauem Himmel.“

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KoCom/Fotos: Heinrich Reh/Privatarchiv

17. Januar 2023

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