Freitag, 30. Oktober 2020

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Blinklicht

"Trotzdem braucht es keinen Pilotenschein, um diesen Golf zu fahren."

Hendrik Muth aus dem Produktmarketing der achten VW-Golf-Generation bei der Vorstellung der beiden Plug-in-Hybridvarianten GTE und eHybrid sowie des Mildhybrid eTSI am Stammsitz der Marke und des Volkswagen-Konzerns in Wolfsburg über das noch digitalere und in verschiedenen Medien als nicht immer intuitiv kritisierte Bedienkonzept unter Hinweis darauf, dass sich dieser digitale Trend auch fortsetzen werde. (gk)

Mit Rollerführerschein

Citroën sieht im neuen Elektro-Ami mit acht PS eher „Mobilitätslösung“ als Auto / Ab Anfang 2021 im Handel

Von Günther Koch/Life-Magazin

Mutet fast wie ein quadratisches Spielmobil an: Citroëns neuer Elektro-Ami. Fotos: Koch

Berlin – Eine hippe Stadt, durch die an diesem Tag sogar der Sensenmann im schwarzen Gewand auf Stelzenbeinen marschiert, um bei einer Demonstration auf die coronabedingt drohende Pleitewelle der Veranstaltungsbranche hinzuweisen und von der Politik entsprechende Unterstützung einzufordern. Dazu ein hippes Auto mittendrin, das von vorn genauso aussieht wie von hinten. Wobei: „Das ist eigentlich gar kein Auto“, sagt Christopher Rux, Deutschland-Sprecher der PSA-Tochtermarke Citroën jetzt bei der Fahrvorstellung des neuen Ami in Berlin. „Das ist eine Mobilitätslösung.“

Spartanischer Freund

Start zu einer Tour durch die City. Das Schmunzeln, das uns Arbeiter von der Baustelle gegenüber schon beim Verlassen des Innenhofs des vor allem für junge Leute konzipierten Hotels „The Student“ schenken, scheint mitleidsvoll. Manchmal geht an der Strecke später aber auch irgendwie zustimmend der Daumen hoch. Denn der außen wie innen spartanische Ami, französisch für Freund, ist anders. Und dazu noch komplett elektrisch angetrieben.

Blick auf die Frontpartie des Winzlings mit dem Logo der Marke, dem Doppelwinkel, vorn.

Mit Klappfenster und Schlaufen

Die beiden Türen des nur 2,41 Meter langen, 1,39 Meter breiten und 1,52 Meter hohen Zweisitzers gehen von außen per Druckknopf auf; will man sie von innen öffnen, muss man jeweils eine Schlaufe ziehen. Die hälftigen Klappfenster wecken Erinnerungen an den Citroën 2CV, die kultige Ente. Es gibt ein Lenkrad, dazu zwei Pedale. Das eine ist zum Vorwärtskommen da, das andere zum Bremsen. Zwischen den dünnen Sitzschalen – wenigstens die für den Fahrer ist längs verschiebbar – ragt klassisch der Handbremshebel empor. Aufs Bremspedal treten. Den Schlüssel umdrehen. Die „Ready“-Anzeige im Display, das schwer ablesbar ist, deutet an, dass es losgehen kann. Nur noch auf der ungewohnt links unten neben dem Fahrersitz angeordneten, dreiteiligen Fahrstufenleiste die D(rive)-Taste drücken, Handbremse lösen, vom Brems- aufs „Gaspedal“ wechseln – und der innen mit reichlich Hartkunststoff verkleidete Frontantriebs-Floh rollt an.  

Das Ein-/Aussteigen durch die großen Türöffnungen ist bequem. Die 14-Zöller sind speziell konzipiert.

Zusammengebaut aus rund 250 Teilen

Laut Zulassung gilt der Ami, anders als seine Namensvorgänger aus den 1960er- und 1970er-Jahren, als „leichtes Vierradmobil für Personenbeförderung“. Wer es fahren will, braucht nur einen Rollerführerschein. Als Mindestalter gelten 16, in einigen Bundesländern 15 Jahre. Den Winzling mit Doppelwinkel bauen die Franzosen aus rund 250 Teilen zusammen. Er besteht aus einem mit Plastik verkleideten Stahlrahmen. ABS, elektronischer Schleuderschutz oder Airbags sind in der Kleinstklasse bis höchstens Tempo 45 nicht vorgeschrieben. Immerhin trägt ein Dreipunktgurt zur Sicherheit bei.

Im Cockpit mit viel Hartplastik findet sich nur das Nötigste. Die Fahrstufenleiste sitzt an der Seite. 

Mit Batterie leer nur 471-Kilo-Leichtgewicht

Für die Insassen ist in der hellen, recht luftig wirkenden, beheizbaren Kabine unterm Glasdach, durch das man höher angebrachte Ampeln besser sehen kann, ganz ordentlich Platz. Alles, was man mitnehmen will, muss freilich auch dort verstaut werden, denn selbst ein noch so kleines Gepäckabteil findet sich nicht, nur einzelne Ablagen. Immerhin soll etwas, das so groß ist wie ein Trolley, in die dafür vorgesehene Mulde im Beifahrerfußraum passen. Was hinterm Lenkrad aussieht wie ein Getränkebecher, entpuppt sich als wacklige Bluetooth-Box. Wo sonst in der Mitte heutzutage moderne Touchscreens eingebaut sind, passt die Halterung fürs Handy. Die Spiegel außen sind etwas klein geraten. Dass der Rückspiegel innen fehlt, daran muss man sich genauso erst gewöhnen wie an den Blinker, der nicht automatisch in seine Normalstellung zurückgeht. Radio sucht man vergeblich. Und beim Fahren wird trotz Elektroantrieb schnell klar, dass auch ausreichend Dämmung für den mit Batterie nur 471 Kilo schweren Ami nicht unbedingt im Lastenheft der Entwickler stand.

Heck-/Seitenansicht des kleinen Franzosen. Und so sieht der Ami von der Seite aus.

Statt tristem Grau auch farblich bunter

Wer es farblich bunter mag, für den stehen neben der Basisausführung im eher tristen Grau Aufpreispakete wie Orange, Khaki, Pop, Blue und Vibe zur Wahl. Darüber hinaus lassen sich Tür-, Trennnetz, Dach-, Türaufkleber, Radabdeckung, Fußmatten, Smartphone-Halter, Ablagen auf dem Armaturenbrett oder Befestigungshaken individuell anpassen.   

In drei Stunden wieder aufgeladen

Der Elektromotor mit sechs Kilowatt oder acht PS speist sich aus einer laut Citroën binnen drei Stunden an einer herkömmlichen Haushaltssteckdose vollständig wieder aufladbaren Batterie mit 5,5 Kilowattstunden Kapazität. Das notwendige Drei-Meter-Schukokabel dafür ist im Türrahmen versteckt. Die Reichweite des lokal keine Schadstoffe ausstoßenden Ami geben die Franzosen zumindest im Datenblatt mit bis zu 75 Kilometern an, realistischer dürften etwas mehr als 50 sein. Robust schiebt er fahrwerksmäßig voran, wobei die Lenkung ohne größere Unterstützung ziemlich schwergängig ist. Komfortableres Federn kann man vergessen. Unebenheiten auf der Fahrbahn sind deutlich spürbar. Die Geräuschkulisse wird bei zunehmender Geschwindigkeit – Tempo 45 ist in etwa zehn Sekunden erreicht – immer lauter. Bei der symmetrischen Auslegung der Karosserie mit den einzelnen Antriebskomponenten einschließlich des Automatikgetriebes spricht die Gewichtsverteilung für passable Agilität. Bloß 7,20 Meter Wendekreis weisen darauf hin, wo sich der ab Werk auf 14-Zoll-Rädern daher kommende kleine Freund am wohlsten fühlen dürfte, nämlich einzig und allein in und keinesfalls außerhalb der Stadt. Weil er so kompakt ist, lässt er sich zudem leicht parken. „Ein halber Parkplatz“, sagt Rux, „reicht!“

Auf Heimatmarkt ab 6000 Euro

Zwar gebe es noch andere alternative Fortbewegungsmittel, doch seien die wie die nicht wetterfesten Fahrräder und Roller fast ohne Transportmöglichkeit nicht für jeden geeignet. E-Scooter hätten eine limitiertere Reichweite. Busse und (Straßen-)Bahnen verkehrten zu festen Zeiten und nicht von Tür zu Tür. Hinzu käme in öffentlichen Verkehrsmitteln aktuell die Ansteckungsangst durch Corona. Wie den Preis will Citroën auch sein Vertriebsmodell für den Ami in Deutschland noch bekanntgeben. Auf dem Heimatmarkt ist er bereits online konfigurierbar, kann bei ausgewählten Händlern oder in Geschäften eines auf Bücher, Tonträger und Unterhaltungselektronik spezialisierten Kooperationspartners erworben werden, kostet da ab 6000, per Monatsleasing ab 19,99 Euro. Aufpreispakete und zusätzliche Spezialausstattungen sind dort ab 400 über 900 bis 1360 Euro zu haben.

„Eben ein bisschen anders“

Die Preise bei uns sollen sich im „ähnlichen Rahmen“ bewegen, kündigen die Franzosen an, haben bei der Kundschaft nicht zuletzt Jugendliche im Blick. Fürs erste Quartal 2021 ist geplant, dass der Ami hierzulande in den Handel rollt. Mit dem zwar nicht in allen Punkten zufrieden stellenden, aber durchaus clever durchdachten Exoten-Mini beweist Citroën Mut. Wie Renault 2012 mit dem Elektro-Twizy, Motto „(Fast) alles eben ein bisschen anders“.

KoCom/Fotos: Günther Koch

9. September 2020