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Gute Reise!

"Eine Dame lebt in Venedig, / die ist mit achtzig noch ledig. / Sie beklagt sich nicht, / sie lächelt und spricht: / „Vielleicht war das Schicksal mir gnädig.“

Die Limericks, die Sie an dieser Stelle immer lesen, stammen alle von Ole Haldrup. Sein „Buch der Limericks“ (2003), dazu „Lirum, Larum, Limerick“ (2004) und „Das Geheimnis der fünften Zeile" (2007) sind zu beziehen über: Nereus-Verlag, Susanne Happle, Johann-von-Werth-Straße 6, 79100 Freiburg, Telefon 0761-403802, nereus-verlag @gmx.de. (gk)

Mondän an der Bucht

Nach Grass bei Kinski: Ein Ausflug nach Zoppot / Vom Fischerdorf zum Seebad an Polens Ostseeküste

Von Günther Koch/Life-Magazin

Das Kurhaus ist zwischen 2007 und 2009 neu erbaut worden. Fotos: Koch

Zoppot/Sopot – Wir sind den torreichen Königsweg in Danzig gegangen, haben dabei vor einem der größten Backsteingotteshäuser der Welt gestanden, der über 105 Meter langen und über 65 Meter breiten Marienkirche, deren Grundstein 1343 gelegt, die nach 159 Jahren Bauzeit endlich fertiggestellt worden ist und heute bis zu 25 000 Gläubigen Platz bietet. Imposant! Und die Frage stellt sich dann irgendwann, was es an der polnischen Ostseeküste sonst noch zu entdecken gibt, nicht allein im historischen Zentrum, sondern auch über die alten Mauern der Stadt, über das polnische Gdańsk hinaus. Etwa in Zoppot, polnisch Sopot. Mit diesem Beitrag setzen wir unsere Unterwegsgeschichten fort, die in Zeiten von Corona zugleich eine Reiseanregung bieten sollen – für die Zeit nach Corona!  

Vielleicht auf die Westerplatte 

Marian Kolba, der uns begleitet, zählt auf: „Sie könnten“, sagt der Historiker, „mit dem Schiff zur Halbinsel Hela hier in der Danziger Bucht fahren, auf der es große Dünen und kleine Fischerhäuser zu sehen gibt.“ Wir könnten aber auch, wenn das Wetter und das Wasser im Sommer warm genug ist, in Kahlberg baden, mit Ausflugsdampfern über das Haff nach Elbing und Frauenburg fahren. Auch nach Oliwa, dem nordwestlich gelegenen Vorort mit dem alten Zisterzienser-Kloster als Oase der Stille, ist es nicht weit. Auf der Westerplatte machen zerstörte Kasernen und Bunker und ein kleines Museum Geschichte lebendig, die sich vor allem mit dem Beginn des von den Deutschen verursachten Zweiten Weltkriegs verbindet, als das deutsche Schiff „Schleswig-Holstein“ ein polnisches Munitionsdepot dort unter Feuer nahm.

Auf dem großen Platz am Seesteg, an dem sich auch das Kurhaus des Badeortes befindet.

Oder bis in die Kaschubei hinein

Eine Alternative wäre Frauenburg mit seiner festungsähnlichen Klosteranlage und dem Museum im Bischofspalast, das dem 1473 in Thorn, dem heutigen Torun, geborenen Astronom Nikolaus Kopernikus gewidmet ist. der lange Zeit in Frauenburg gelebt hat. Die Gedenkstätte im kleinen Dorf Stutthof ruft laut Kolba die schreckliche Erinnerung daran zurück, dass die damals in Deutschland herrschenden Nationalsozialisten an diesem Ort, später ein Konzentrationslager, polnische Intelligenz vernichten wollten. Und da wäre auch noch Marienburg mit der größten mittelalterlichen Klosterfestung, die für die Polen, so heißt es, jahrhundertelang der Inbegriff des deutschen Drangs nach Osten war. Für Naturliebhaber und Wanderer könnte zudem die Kaschubei in der historischen Region Pommerellen südwestlich von Danzig mit ihren Seen und Wäldern ein lohnendes Ausflugsziel sein.

Wer will, kann sich porträtieren lassen – oder einfach nur dem Treiben auf der Brücke zuschauen.

Lieber erst zum trommelnden Oskarchen

Wir aber fahren Richtung Nordwesten, machen einen Abstecher zum Haus des 1927 im Danziger Stadtteil Langfuhr geborenen Literatur-Nobelpreisträgers Günter Grass („Die Blechtrommel“), dessen Eltern hier in der Straße Lelewela 13 einen Kolonialwarenladen betrieben haben. Schräg gegenüber ein kleiner Park. „Schauen Sie da“, weist unser Begleiter auf eine kleine Statue inmitten der Anlage hin, „das ist das Oskarchen mit seiner Trommel“ – neben den sich, ebenfalls in Bronze gegossen, mittlerweile auch der Schriftsteller selbst und Ehrenbürger von Danzig gesellt hat.

Die Seebrücke selbst ist aus Holz, der Strand aus Sand. Es scheint, als würde jeder Ausblick lohnen.

Zusammen mit Danzig und Gdingen Dreistadt-Ballungsraum

Wir erreichen Zoppot, einst das vornehmste Seebad an der gesamten polnischen Ostseeküste. Zusammen mit Danzig und Gdingen bildet es den sogenannten Dreistadt-Ballungsraum. Auch wenn er schon bessere Tage gesehen hat, versucht der kleine, zuletzt rund 36 000 Einwohner zählende Kurort an seine große Vergangenheit anzuknüpfen. Er lebt, anders als die Hafenstädte Danzig und Gdingen vom Handel und der Industrie, in der Hauptsache vom Fremdenverkehr.

Schwere Steine dienen im Fall des Falles als Wellenbrecher. Das Grand Hotel darf natürlich nicht fehlen.

Auf der über 510 Meter lange Holzbrücke in die Bucht hinaus

Anziehungspunkt ist die über 510 Meter lange Holzbrücke in die Bucht hinaus. An dem großen Steg finden sich Lokale und Anlegemöglichkeiten für Boote und Ausflugsschiffe. Vom Ende der Brücke kann man, dreht man sich um, die rund viereinhalb Kilometer lange Küstenlinie Zoppots gut überblicken. Rechter Hand ist hinter dem Sandstrand das mondäne Grand Hotel zu erkennen. Schlendert man den Weg zurück, geht man schnurgerade auf das Kurhaus zu. Auffällig am Stadtbild ist die für das 19. und frühe 20. Jahrhundert typische Bebauung. Das Rathaus stammt aus 1910/1911. „Die Geschichte des Ortes“, erzählt Historiker Kolba, „ist natürlich eng mit der von Danzig verbunden.“

An der Küste darf es dekorationsmäßig ruhig etwas mehr Maritimes sein. Bernstein gehört zu dieser Region.

Einst nicht mehr als ein Fischerdorf an der „Quelle“

Zunächst ist Zoppot/Sopot – das Wort soll slawischen Ursprungs sein und „Quelle“ bedeuten – nicht mehr als ein Fischerdorf. Dann kommen die Preußen. Ein Arzt der Armee Napoleons lässt sich den Angaben zufolge später dort nieder, macht das erste Strandbad mit Sanatorium zum Kuren auf. Die gesunde Meeresluft tut offenbar schon damals in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Erholungssuchenden gut. Die bewaldeten Höhenzüge schützen noch immer vor Winden. Die Luft ist mild und angeblich sogar mückenfrei. Weil es einen geringeren Salzgehalt als im westlichen Teil der Ostsee aufweist, soll das Wasser der Danziger Bucht zudem wärmer sein.

Trubel im August, vor- und nachher eher ruhiger

Neben den Deutschen kuren damals noch vor dem Ersten Weltkrieg vor allem Russen und Polen in dem Ort. Pferderennen, Radrennen, Hunderennen, Segelregatten, Tennisturniere, Schwimmveranstaltungen und Theateraufführungen finden statt. Die Zahl der Bade- und Kurgäste summiert sich in jenen Tagen immerhin schon auf rund 15 000 pro Jahr. Im August ist demnach offenbar immer am meisten los gewesen, in den Monaten vor- und nachher geht es etwas ruhiger zu. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem die Stadt teilweise zerstört worden ist, kommt der Bade- und Kurbetrieb nur langsam wieder in Schwung. Dass mit der zunehmenden Verschmutzung der Bucht der Badebetrieb in der Vergangenheit häufiger eingestellt werden musste, hat es sicher nicht leichter gemacht, im Gegenteil. Seit einigen Jahren jedoch, so liest man in einer Beschreibung des Ortes, habe sich die Wasserqualität deutlich verbessert, „so dass im Sommer auch wieder uneingeschränktes Baden möglich ist“.

Zwischen Genie und Wahnsinn

Vor allem Politiker und Wissenschaftler gehören zu den berühmteren Söhnen der Stadt, sogar ein Bischof befindet sich darunter. Der Schauspieler Wilfried Glatzeder, bekannt aus dem DDR-Kultfilm „Die Legende von Paul und Paula“ an der Seite von Angelica Domröse, stammt von dort. „Und wissen Sie“, fragt Marian Kolba, „wer ebenfalls noch hier geboren ist?“ Wer? Der Junge, den man als Klaus Günter Karol Nakszynski wohl noch nicht so sehr zwischen Genie und Wahnsinn hat  wandeln sehen: „Klaus Kinski, geboren am 18. Oktober 1926 in Zoppot, Freie Stadt Danzig.“ Heute Sopot, Polen.

Info Zoppot I

Zoppot, das polnisch Sopot, ist vor allem als Seebad und Kurort bekannt, findet sich an der Westküste der Danziger Bucht nordwestlich von Danzig und südlich von Gdingen. Sehenswert sind neben der Seebrücke und dem Rathaus unter anderem das Museum für Orts- und Regionalgeschichte, mit der Burganlage Grodzisko eine archäologische Freilichteinrichtung und das Freilichttheater. Klimatisch geht es wie in Danzig, das mit dem Flieger von Deutschland aus, etwa von Frankfurt/Main, in ungefähr einer Stunde zu erreichen ist, im Übergangsbereich zwischen maritimer und kontinentaler Zone eher gemäßigt zu. Die Winter sind kälter, die Sommer milder.

Info Zoppot II

Wir waren im Hotel Mercure Gdańsk Stare Miasto (vier Sterne, 281 Zimmer, Altstadt-Nähe, www.accorhotels.com) untergebracht. Zu kulinarischen Spezialitäten zählen an der Küste eher Fisch und Meeresfrüchte, im Landesinneren im Rahmen einer eher bodenständigen Küche mehr hausgemachte Pierogi-Maultaschen etwa mit Fleisch-oder Sauerkrautfüllung oder das Nationalgericht Bigos als Sauerkrauteintopf mit Weisskohl, Pilzen, Fleisch und Wurst. Bier ist weit verbreitet, bekannte Marken sind Żywiec, Tyskie, Lech und Okocim. Information: Polnisches Fremdenverkehrsamt, Hohenzollerndamm 51, 14199 Berlin, Telefon 030-2100920, www.polen.travel/de.

Service Auto

Von Deutschland aus reist man mit dem Auto am besten über die Europastraße 28 über Szczecin, Koszalin und Slupsk in die autobahnmäßig über die Bernstein-Route ganz gut angebundene Region an. Von Berlin sind es aber doch noch fast 500 Kilometer bis dahin. Mit dem Auto ist das Seebad an der Danziger Bucht am besten über die von Gdingen nach Danzig verlaufende Europastraße 28 zu erreichen. Von Danzig sind es nur etwa zehn Kilometer bis Zoppot, ebenfalls von Gdingen aus. In Orten darf in Polen 50, nachts 60, außerhalb 90, auf Kraftfahrstraßen 120, auf Autobahnen, auf denen für bestimmte Abschnitte Maut verlangt wird, Tempo 140 gefahren werden. Die Promillegrenze liegt bei 0,2. Nächster internationaler Flughafen ist der gut eine halbe Stunde entfernte in Danzig.

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KoCom/Fotos: Günther Koch

30. Mai 2020