Freitag, 30. Oktober 2020

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Rock & Roll

BMW mit hubraumstarker R18 wieder im Cruiser-Segment / Big Boxer nimmt vor allem US-Konkurrenz ins Visier

Von Günther Koch/Life-Magazin

Die neue BMW R18 fährt mit einem großen 1802-Kubikzentimeter-Hubraum Aggregat vor. Fotos: Koch/BMW

München – In der Boxer Bar sind sie alle aufgeführt. Insgesamt elf Meilensteine aus 100 Jahren BMW-Motorradgeschichte. Von der M2B15 aus dem Jahr 1920 über die legendäre R5 aus dem Jahr 1936 – bis hin neuerdings zum schweren R18-Cruiser, Baujahr 2020, mit dem die Münchner insbesondere auf Biker in den USA abzielen und sich gegen vergleichbare Konkurrenzmodelle der beiden namhaften US-Marken Harley-Davidson und Indian in Stellung bringen.

Weltweit wichtigste Klasse

München, Stadtviertel Riesenfeld, Moosacher Straße 66. Eine der 1918 errichteten ersten Werkshallen von BMW samt historischem Torgebäude und flankierenden Bauten mit Walmdach gehört zu dem Areal, auf dem die BMW Group Classic seit 2016 ihren Sitz hat. Auch ein Café gibt es hier, das Mo 66. Es ist vorübergehend zur Boxer Bar umfunktioniert. Grund: 1920 haben die Münchner ihren ersten Motor dieser Bauart präsentiert. 100 Jahre später stellen sie die R18 vor – und steigen mit ihrem Big Boxer wieder ins laut R-Baureihen-Leiter Josef Miritsch weltweit wichtigste Motorradsegment ein, in das der Cruiser, in dem es BMW bis 2005 mit der kleineren R1200C und der Variante R1200CL, jeweils mit 1170 Kubikzentimeter Hubraum und 61 PS, nicht gerade leicht gehabt hat, besonders eben auf wichtigen Märkten wie den USA.

Die neue BMW R18 fährt im ikonischen Stil vor. Die große Leuchte vorn sorgt für viel Licht.

Mit Reminiszenzen an legendäre R5

TravelLifeDrive-Motorradexperte Joachim Langner sieht die R18 als Hommage an die 1936 völlig neu entwickelt an den Start gegangene R5, eine sportliche Zweizylinder-Maschine der 500-Kubikzentimeter-Klasse, die bis in die 1950er-Jahre hinein eigentlich richtungsweisend für den Motorradbau bei BMW gewesen ist. Der Stil der R18 ist, vergleicht man sie mit der in der Classic-Abteilung ebenfalls noch ausgestellten R5, in der Tat ikonisch, das Design eher puristisch. Elemente wie Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, Tropfentank, offen laufende Kardanwelle oder Lackierung mit Doppellinierung als Sonderausstattung ab Werk stellen Reminiszenzen an diesen Vorgänger dar. Dass die klassischen Karosserieumfänge aus Metall bestehen, dürfte sich für einen bei BMW genauso wie die R nine/T unter Heritage, englisch für Erbe, gelisteten Klassiker wohl auch so gehören, selbst wenn der, nicht nur technisch, zeitgemäß doch moderner interpretiert ist.

Die beiden Zylinder des Boxers ragen ziemlich weit raus. Die Bremse vorn besteht aus zwei Scheiben.

Zweizylinder-Viertaktmotor mit 91 PS

Bei dem Boxermotor der neuen R18 handelt es sich um ein luft-/ölgekühltes Zweizylinder-Viertakt-Aggregat mit genau 1802 Kubikzentimetern Hubraum. Es leistet 91 PS bei 4750 Umdrehungen pro Minute. Für Motorräder ziemlich gewaltige 158 Newtonmeter Drehmoment liegen bei 3000 Touren an. Ein Sechsgang-Getriebe überträgt die Kraft. Für Technik-Interessierte, was das Fahrwerk betrifft: Der Rahmen setzt sich aus einem Doppelschleifen-Stahlrohr, dazu aus einer Teleskopgabel vorn mit 12 Zentimetern Federweg, einem speziellen Federbein hinten mit einstellbarer Federbasis und 9 Zentimetern Federweg zusammen. Auf den 19-Zoll-Drahtspeichenrädern vorn sind serienmäßig 120er-Reifen aufgezogen, auf den 16-Zöllern hinten 180er. Doppelscheibenbremse vorn und Einscheibenbremse hinten messen 30 Zentimeter im Durchmesser. Der Radstand der 2,44 Meter langen, gut 96 Zentimeter breiten und 1,23 Meter hohen Maschine beträgt 1,73 Meter. Der Tank fasst 16 Liter. Man sitzt 69 Zentimeter hoch. Die unverkleidete R18 bringt leer unterm Strich 345 Kilo auf die Waage. Bereits der Motor ist 110 Kilo schwer. Zulässig sind laut Datenblatt 550 Kilo Gesamtgewicht.

Bedieneinheit am Lenker. Im Tacho der ebenfalls in Berlin gebauten Maschine steht „Berlin built“.

In der Spitze über 180 Stundenkilometer schnell

Die Beschleunigung auf Tempo 100 gibt BMW mit 4,8 Sekunden an, die Höchstgeschwindigkeit mit über 180 Stundenkilometern, den Mixerbrauch mit 5,6 Litern, die Reichweite mit 290 Kilometern. Das Zweikreis-ABS ist ein teilintegrales System. Die Stabilitätskontrolle lässt sich abschalten. Die Motorschleppregelung ist dafür da, das Rutschen der Räder in bestimmten Situationen auf glatter Fahrbahn zu verhindern. Unser Experte erklärt dazu, eine Einscheiben-Trockenkupplung übertrage das Drehmoment vom Motor zum Getriebe. Sie sei erstmals als selbstverstärkende, sogenannte Anti-Hopping-Kupplung ausgeführt, eliminiere damit das unerwünschte, durch das Motorschleppmoment bedingte „Stempeln“ des Hinterrads beim allzu schnellen Herunterschalten. Das bedeute, so Joachim Langner mit Blick auf das Wegrutschen, dass die Kupplung in Verbindung mit der Motorschleppregelung dafür sorge, „dass das Hinterrad beim plötzlichen Gaswegnehmen oder Bremsen nicht zu ‚stempeln‘ beginnt“.

Auch der Tropfentank erinnert an die R5. Wer will, kann sich die „Heldenbrust“ verchromen lassen.

Mit eingeschränkter Schräglage in Kurven

Gestartet wird schlüsselos. Ein Knopfdruck genügt. Die Systeme fahren hoch. Noch kurz den Startschalter drücken. Los geht’s! Mit den Füßen aber nicht dort, wo sie sich bei Cruisern sonst befinden, sondern in diesem Fall etwas weiter zurück hinter den seitlich doch ziemlich weit herausragenden Zylindern. Schon bei deren Betrachten (oder Bewundern) wird klar, dass man tunlichst vermeiden sollte, sich in Kurven allzu schräg zu legen, um nicht über den Asphalt zu kratzen. Das Getriebe sei auf flüssiges Schalten ausgelegt, erläutert Baureihen-Chef Miritsch, das Fahrprogramm auf breitere Spreizung: Rock für strafferes Unterwegssein, Roll für komfortableres – „und Rain“, so Miritsch, „wenn’s Wetter schlechter wird“. Wer die R18 gefahren hat, berichtet, sie lasse sich trotz 345 Kilo Gewicht auch ohne elektronisches Fahrwerk und Kurven-ABS bei gut dosierbaren Bremsen sicher und überraschend handlich bewegen, dazu sauber in der Spur halten. Zudem sei ruckfreies Cruisen selbst bei niedrigeren Drehzahlen möglich.

Der knapp über 1800 Kubikzentimeter große Motor hat es in sich. Die Abgasanlage ist fein geschwungen.

Bis hin zur Veredlung der schwarzen „Heldenbrust“

BMW bietet die R18 bei uns laut Liste aktuell ab 22 225 Euro zunächst in einsitziger Erstauflage exklusiver in Sachen Lack und Chrom sowie mit LED-Scheinwerfer, Bordcomputer und Ganganzeige an. Optionen wie adaptives Kurvenlicht, Rückfahrhilfe, Berganfahrkontrolle, Heizgriffe, verschiedene Sättel und Lenker, spezielle Schalldämpfer, größere Räder, dazu Windschild, Seitentaschen oder Hecktasche sind lieferbar. Die neue BMW ist umbaufreundlich ausgelegt, beispielsweise um höhere oder niedrigere Lenker zu montieren. Möglichkeiten der Individualisierung reichen in Zusammenarbeit mit entsprechenden Partnern von Designkollektionen über handgefertigte Sitze und Sitzbänke bis zu speziellen Auspuffanlagen. Das Soziuspaket ist ab 250 Euro zu haben. Wer will, kann sich sogar die schwarze „Heldenbrust“, den großen vorderen Motordeckel, verchromen und so veredeln lassen.

Die schmalen Blinker sind vorn wie hinten oval geformt. Die R5 aus dem Jahr 1936 ist legendär. 

Ob Harley-Hardliner am Ende tatsächlich zugreifen?

Das längere Warten von der Studie bis zur Serienreife der bewusst mit Retro-Elementen, aus Liebe zum Detail im Tacho sogar mit dem Schriftzug „Berlin built“, also in Berlin gebaut, versehenen R18 scheint sich gelohnt zu haben. Allein den mächtigen Motor stufen viele schon als „Monument“ ein. So sind denn auch für unseren Experten „vor allem der polierte Motor mit dem gänzlich aus Aluminium gefertigen Gehäuse und die offen laufende Kardanwelle ein Hingucker“. Die „interessante Technik für Liebhaber der Boxer“ hätten die Münchner mit dem hubraumstärksten, jemals von ihnen gebauten Boxer sehr gut umgesetzt, ist Joachim Langner gespannt darauf, „ob ein Hardliner, der Harley fährt, tatsächlich, wenn es darauf ankommt, zur BMW greift“ - und wie groß oder klein die Zielgruppe am Ende wirklich ist. „Denn der Basispreis dürfte doch für viele auch nicht gerade billig sein“. Fest steht: Die R18 bleibt so wohl nicht lange allein. Die R nine/T, aus der inzwischen eine ganze Modellfamilie entstanden ist, hat's vorgemacht. Erbe verpflichtet schließlich.

Datenblatt

Motor: Zweizylinder-Boxermotor. Hubraum: 1802 Kubikzentimeter. Leistung 67/91 kW/PS bei 4750 Umdrehungen pro Minute. Maximales Drehmoment: 158/3000 Newtonmeter/Umdrehungen pro Minute. Beschleunigung: 4,8 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Höchstgeschwindigkeit: Über 180 Stundenkilometer. Umwelt: Laut BMW Mixverbrauch 5,6 Liter pro 100 Kilometer, 129 Gramm Kohlendioxidausstoß pro Kilometer. Grundpreis: 22 225 Euro (First Edition).

KoCom/Fotos: Günther Koch/BMW

22. September 2020